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Neue Details vor Prozessbeginn: Gruppenvergewaltigungen im Ruhrgebiet: Ahmten die Angeklagten ihre Väter nach?

Ab Freitag wird in Essen fünf jungen Männern der Prozess gemacht, denen Gruppenvergewaltigungen in sieben Fällen vorgeworfen werden. Nun wurde bekannt, dass mehrere Familienangehörige der Angeklagten vor Jahren wegen ähnlicher Taten verurteilt worden sind.

Ruhrgebiet - Gruppenvergewaltigung - Väter - Verurteilung

Ab Freitag müssen sich die fünf Angeklagten wegen Gruppenvergewaltigungen in sieben Fällen vor dem Landgericht Essen verantworten

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Sie sollen sich mit insgesamt sieben Mädchen verabredet, die jungen Frauen anschließend an abgelegene Orte gefahren und sie dort vergewaltigt haben: Ab diesem Freitag müssen sich fünf Männer im Alter zwischen 17 und 24 Jahren vor dem Landgericht Essen wegen einer Serie von Gruppenvergewaltigungen verantworten. In insgesamt 21 Verhandlungstagen soll geklärt werden, inwiefern die im Ruhrgebiet begangenen Taten, die sich zwischen August 2016 und dem 24. Januar diesen Jahres ereigneten, erzwungen wurden oder einvernehmlich passierten. Der Fall hatte im Februar bundesweite Aufmerksamkeit erlangt - auch, weil nach einem der Tatverdächtigen, dem mutmaßlichen Lockvogel Dean Martin L., damals öffentlich gefahndet worden war.

Wie die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (WAZ) nun berichtet, sind die Familien der aus Essen, Gelsenkirchen und Wuppertal stammenden Angeklagten der Polizei und Justiz offensichtlich nicht unbekannt. So seien mehrere männliche Mitglieder der deutschen und Sinti-Familien um das Jahr 1990 herum "wegen einer fast ähnlichen Serie von Gruppenvergewaltigungen" vom Landgericht Essen verurteilt worden, heißt es. Wie im Fall der nun angeklagten jungen Männer sollen auch damals befreundete Mädchen die Opfer gewesen sein. Diese seien in einsame Gebiete gefahren und dort dann - laut "WAZ" "weit hässlicher" - vergewaltigt worden.

Väter der Angeklagten wegen Gruppenvergewaltigungen verurteilt

Nach Gerichtsakten dieser Taten wurde dem Bericht zufolge erfolglos gesucht, keiner der nun zuständigen Beamten kenne die zurückliegenden Fälle selbst. Dennoch verfolgten die Ermittler nun den Ansatz, inwieweit die damaligen Täter - inzwischen vermutlich selbst Väter oder Großväter - vor den nun Angeklagten mit ihren Taten geprahlt haben könnten und es so zur Nachahmung kam. Ein Verteidiger, der den 19-jährigen Gianni H. vertritt, will das laut "WAZ" nicht glauben. Seiner langjährigen Erfahrungen mit Sinti-Familien nach würden "derartige Sexualtaten eher tabuisiert", wird der Anwalt zitiert. Ob die Taten aus den 90er-Jahren auch im nun beginnenden Prozess eine Rolle spielen könnten, ist derzeit noch unklar.

Die Anklage geht demnach in insgesamt sieben Fällen eindeutig von erzwungen Taten aus, in anderen Situationen soll es beim Versuch einer Sexualtat geblieben sein. Vier der fünf Tatverdächtigen sitzen seit Bekanntwerden in Untersuchungshaft.

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mod