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Ipswich-Morde: Nackt und wie zur Kreuzigung drapiert

Den Geschworenen wurde kein Detail erspart: Beim Prozess um die Prostituierten-Morde von Ipswich wurden ihnen alle ekelhaften Beweise der Gerichtsmediziner vorgelegt. Noch leugnet der Angeklagte die Morde - doch die Beweislast ist erdrückend.

Von Cornelia Fuchs, London

Die Beweise der Anklage waren schwer zu ertragen. Staatsanwalt Peter Wright zeigte den Geschworenen Bilder der Leichen, die im Wasser und im Wald gefunden wurden. Zwei der Körper waren nackt und wie zu einer Kreuzigung drapiert worden, die Arme ausgestreckt, das Haar säuberlich ausgelegt. Alle Frauen erstickten, "um Luft kämpfend", wie der Staatsanwalt es formulierte - die Gerichtsmediziner fanden entsprechende Spuren in den Lungen. Drei Opfer wurden erwürgt, am Hals hatten sie Blutergüsse. Alle fünf hatten noch kurz vor ihrem Tod Opiate genommen.

Die Anklage geht davon aus, dass alle fünf Frauen vom selben Täter umgebracht wurden - wenn nicht sogar von denselben Tätern. Es sei durchaus möglich, dass der Angeklagte einen bisher unbekannten Komplizen gehabt habe, erklärte Staatsanwalt Peter Wright. Vier der fünf Leichen zeigten keinerlei Kratz- oder Schleifspuren, was darauf hindeute, dass sie getragen wurden, vielleicht mit Hilfe einer zweiten Person.

Morde passierten, während die Ehefrau auf Nachtschicht war

Die Beweise, die der Staatsanwalt in seiner Eingangsrede den Geschworenen vorstellte, zeichnen das Bild eines Getriebenen, der sich zielsicher seine Beute im Rotlichtbezirk von Ipswich aussuchte. Die Morde, so die Anklage, passierten immer in den Nächten, in denen die Ehefrau Pamela des Angeklagten zur Spätschicht in einem Callcenter eingeteilt war. Und sie stoppten, als Pamela von Mitte bis Ende November eine ungewöhnliche Anzahl freier Tage nahm.

Die Anklage präsentierte Aufnahmen von Überwachungs-Kameras, auf denen der Ford Mondeo des Angeklagten im Rotlichtbezirk von Ipswich herumfuhr und dann die Stadt weit nach Mitternacht in Richtung der späteren Leichenfundorte verließ. Deutlich sind in mindestens einem Fall das Duftbäumchen und die Steuerscheibe an genau demselben Platz an der Windschutzscheibe zu sehen, wie sie auch in Wrights Mondeo angebracht sind.

Am gewichtigsten dürften jedoch die DNA-Proben sein, die an den Körpern von drei Opfern gefunden wurden - sie zeigen eine so genaue Übereinstimmung mit Wright, dass die Chance einer Verwechslung nur bei eins zu einer Milliarde liegen dürfte. Die Verteidigung sagte hierzu, dass Wright nicht bestreitet, mit den Prostituierten Kontakt gehabt zu haben. Er soll regelmäßig Sex in Ipswich gekauft haben. Doch beweise dies nicht, dass er auch der Mörder sei.

Spuren aus Wrights Auto gefunden

An den Leichen wurden auch Spuren aus Wrights Auto, von seinem Sofa, seiner Jacke und drei verschiedenen Trainings-Hosen gefunden. Und an seiner Neon-Jacke wiederum klebte das Blut von zwei Opfern. An verschiedenen Garten-Handschuhen wurde innen und außen Sperma entdeckt - "höchst ungewöhnlich, wenn Wright einvernehmlichen Sex mit den Frauen gehabt haben sollte", sagte der Staatsanwalt. Nachbarn haben bei der Polizei ausgesagt, dass Wright seine Waschmaschine mitten in der Nacht laufen ließ und sein Auto außergewöhnlich häufig und zu seltsamen Zeiten wusch.

Zum Tode der fünf Frauen sagte der Staatsanwalt, dass sie alle kurz nach ihrem Verschwinden getötet worden sein mussten. Bei keinem Opfer wurden Anzeichen von zusätzlichen Gewalt-Taten gefunden, es gab keine außergewöhnlichen Verletzungen. Nur eine der Frauen konnte sich anscheinend gegen den Angreifer wehren: Paula Clennell, die als letzte verschwand, hatte Blut im Mund und blaue Flecken im Genick. Laut den Gerichtsmedizinern deute dies auf eine Art tödlichen Schwitzkasten, gegen den sie angekämpft habe. Es scheint, als sei ihr Körper nach dem Mord schnell abgeladen worden - vielleicht, weil der Täter von der Polizei gestört wurde.

Am Montag beginnen die Geschworenen mit dem Besuch des ersten der fünf Leichen-Fundorte. Der Prozess soll bis mindestens Ende Februar dauern.

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