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Milchpulver-Skandal: Nestlé bestreitet Gefahr für Deutschland

Deutsche Verbraucher können offenbar beruhigt weiter Milchprodukte kaufen: Nach der Entdeckung belasteter Nestlé-Waren in Hongkong hat das Unternehmen eine Gefahr für Deutschland ausgeschlossen. Auch die Verbraucherschutz-Organisation "Foodwatch" versicherte, der Melamin-Skandal sei ein rein "chinesisches Problem".

Trotz nachgewiesener Spuren der Chemikalie Melamin in Nestlé-Milch in Hongkong müssen sich deutsche Kunden dem Unternehmen zufolge keine Sorgen machen. "Kein Nestlé-Baby-Milch-Produkt, das in Deutschland auf dem Markt ist, enthält Melamin", versicherte Nestlé am Montag. Das werde durch zertifizierte Rohstoffquellen und Qualitätskontrollen sichergestellt. Außerdem sei der Import chinesischer Milch und Molkereiprodukte in die EU nicht zugelassen.

Der Melamin-Skandal sei ein rein "chinesisches Problem", betonte auch die Verbraucherschutz-Organisation "Foodwatch". Angesichts vermehrter illegaler Lebensmittelimporte über die Schwarzmeer-Häfen in Osteuropa seien neben Kontrollen allerdings auch politische Maßnahmen gefragt, mahnte "Foodwatch"-Geschäftsführer Thilo Bode im ZDF. Er forderte eine verstärkte Haftung auch von Importeuren und Einzelhändlern für die von ihnen verkauften Waren.

Das in Hongkong analysierte Nestlé-Produkt habe Melamin-Spuren aufgewiesen, "die 25-fach niedriger sind, als es der in der EU zugelassene Grenzwert erlaubt", teilte Nestlé weiter mit. Ursache für die gefundenen Spuren könne Kunststoff in der Verpackung sein. Die Milch stammte nach Behördenangaben von einem Tochterunternehmen Nestlés in der chinesischen Küstenstadt Qingdao und war für die Gastronomie bestimmt.

Unterdessen nimmt der Milchskandal in China immer größere Ausmaße an. Fast 53.000 Kleinkinder mussten im Krankenhaus behandelt werden. Bei rund 40.000 Kindern genügte eine ambulante Behandlung, aber knapp 13.000 Säuglinge und Kleinkinder mussten stationär behandelt werden, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Bislang hatten die Behörden von mehr als 6.200 Erkrankten gesprochen. Vier Kinder sind in Folge der Vergiftung mit Melamin an Nierensteinen gestorben.

Der Leiter der Behörde für Qualitätssicherung in China zog am Montag Konsequenzen aus der Affäre und trat zurück. Das Kabinett habe der Entscheidung Li Changjiangs zugestimmt, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.

DPA/AP / AP / DPA