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Missbrauchsskandal: Bischof entlässt Eichstätter Pfarrer

Im Bistum Eichstätt hat ein Pfarrer nun seinen Dienst quittiert, nachdem er zugegeben hat, sich in den 70er-Jahren an einem Schüler der Regensburger Domspatzen vergangen zu haben. Der Fall war durch Recherchen des stern bekannt geworden.

Von Malte Arnsperger

Ein stern-Bericht über ein Opfer sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche hat nun Konsequenzen für den geständigen mutmaßlichen Täter. Der Bischof im bayerischen Eichstätt hat den Pfarrer Sturmius W. mit sofortiger Wirkung von seinen seelsorgerischen Aufgaben entbunden. Der Pfarrer hat nach Angaben der Diözese zugegeben, während seiner Zeit als Präfekt am Internat der Regenburger Domspatzen einen Schüler sexuell missbraucht zu haben.

Der stern hatte die Diözese mit seinen Recherchen auf den Fall aufmerksam gemacht. Der ehemalige Domspatzen-Schüler Alexander Probst hatte dem Magazin berichtet, wie er als 11-Jähriger 1971 mehrere Monate lang von Sturmius W. unsittlich berührt wurde und ihm von dem Geistlichen Sexfilme und Sexheftchen gezeigt wurden.

Pfarrer W. hat die Verfehlungen nun eingeräumt. Er bat die Eichstätter Bistumsleitung, seinen sofortigen Verzicht auf die Pfarrei Dietenhofen-Großhabersdorf anzunehmen und ihn von der Ausübung aller priesterlichen Dienste zu entbinden. Die Diözese Regensburg informierte inzwischen die Staatsanwaltschaft über den Vorgang.

Sturmius W. arbeitete von April 1970 bis Februar 1972 im Internat der Regensburger Domspatzen als studentische Hilfskraft. Die Mutter eines Schülers berichtete schon damals, dass W. nicht die nötige Distanz zu ihrem Sohn wahre. Der Mann wurde daraufhin bei den Domspatzen entlassen, auch wenn der Vorwurf eines sexuellen Übergriffs damals nicht im Raum stand. Der damalige Theologiestudent beendete 1974 in Regensburg seine Studien. 1978 wurde Sturmius W. in Eichstätt zum Priester geweiht.

"Ich bin überglücklich und sehr froh über die Entlassung des Pfarrers", sagte Alexander Probst im Gespräch mit stern.de. "Es hat zwar Jahre gedauert, aber endlich bekommt der Täter die Konsequenzen seines Handelns zu spüren. Und endlich werde ich so behandelt wie es sich gehört und werde ernst genommen." Für ihn sei die Entfernung des Mannes aus dem Kirchendienst die einzig richtige Entscheidung. "So sollte man mit all den Leuten verfahren, die Missbrauch betrieben haben. Denn nur so merken sie, dass ihr Handeln falsch war und nur so kann sich etwas in der Kirche ändern."

Die Diözese Regensburg zeigte sich erschüttert über die bekannt gewordenen Vorkommnisse. Man bedauere dieses zutiefst. Mögliche weitere Betroffene wurden gebeten, sich bei der Polizei Regensburg zu melden, um eine lückenlose Aufklärung aller Geschehnisse zu ermöglichen. Gleichzeitig bitte man darum, dass mögliche Betroffene den Kontakt zur Diözesanbeauftragten für sexuellen Missbrauch suchen.

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