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Mordprozess in München: Wie ein Mesner zum Mörder wurde

Ein katholischer Mesner aus Bayern hat seine Frau erstochen. Vor Gericht gesteht er, wie aus Liebe tödlicher Hass wurde - und lässt die Öffentlichkeit an den Abgründen eines Kirchendieners teilhaben.

Von Malte Arnsperger, München

Du hast gewonnen", sind die letzten Worte von Sandra P. (Name von der Redaktion geändert) Sie steht am Kühlschrank, schwer getroffen von mehreren Stichen, ihr Ehemann hat sie mit blutverschmierten Messer in der Hand in die Küche getrieben. Sandra P. weiß wohl in diesem Moment, dass ihr monatelanger Ehekrieg ein tödliches Ende finden wird, dass sie es nicht mehr schaffen wird, sich lebend von ihrem Mann zu trennen. Der vor Wut rasende Matthias P. (Name von der Redaktion geändert) fällt über sie her und sticht immer wieder auf seine am Boden liegende Frau ein.

"Ich bereue, was passiert ist"

Ein Gewinner ist er nicht. Matthias P. betritt knapp ein Jahr nach dieser Tat als Angeklagter den Saal A101 im Münchner Landgericht. Mit seinem kantigen Gesicht und dem dunkelblauen Sakko, dass über dem muskelbepackten Oberkörper spannt, wirkt der untersetzte Mann wie ein Türsteher oder ein Bodyguard. Im Beruf von Matthias P. zählt aber weder Kraft noch ein imposantes Auftreten. Sondern Ruhe, Zugewandtheit und vor allem Gottesfürchtigkeit. Matthias P. war Mesner in einer Pfarrei in einem Münchner Vorort. Bis zum 20. Februar 2012, dem Tag, als er seine Frau tötete. "Ich bin beschämt, über das was passiert ist. Ich würde am liebsten alles ungeschehen machen. Ich bereue, was passiert ist", sagt Matthias P. mit tränenerstickter Stimme gleich zu Beginn des Prozesses.

Er wird danach ausführlich schildern, wie in diese Beziehung langsam die Krise schlich, wie der Unmut über die Lebensgewohnheiten des anderen die Ehe zerfraß und und wie aus Liebe tödlicher Hass wurde. Und er lässt die Öffentlichkeit an den Abgründen eines Gottesdieners teilhaben.

Wenn man dem heute 37-Jährigen glaubt, hat Matthias P. als Kind vor allem zwei Erfahrungen gemacht. In einer Familie zählt nur die Meinung des Mannes, Frau und Kinder haben dessen Marotten und Aggressivität zu dulden. "Mein Vater war sehr aufbrausend, alle die ihm widersprochen haben, waren doof. Nur er hatte das Sagen", berichtet Matthias P. über seine Kindheit in den schwäbischen Städtchen Ellwangen und Crailsheim. "Er hat meine Mutter grob beleidigt und geschlagen. Sie hat es akzeptiert."

Vom Masseur zum Mesner

Matthias P. sitzt hinter seinem Anwalt, seine Hände auf dem Tisch, die Stirn in dicke Falten gelegt. Er spricht konzentriert und deutlich, immer wieder macht er kleine Pausen, um zu überlegen. Er ist ein höflicher Mann, entschuldigt sich, wenn er den Richter unterbricht. Und er kündigt an: "Ich will die Wahrheit sagen."

Nach seiner Schreinerlehre und einer Ausbildung als Masseur arbeitet er Anfang des Jahrtausends in einer Physiotherapiepraxis bei München. Er lernt Sandra kennen, 2003 heiraten die beiden, 2004 kirchlich. "Für die Frau" - Matthias P. spricht fast nur von "der Frau" - "für die Frau und für mich war es wichtig, unser Ehegelöbnis auswendig zu lernen." sagt der Angeklagte. "Es hat mir viel bedeutet, denn eigentlich war sie nicht so gläubig wie ich."

2005 bekommt das Paar einen Sohn. Bei dem Taufgespräch ein Jahr später macht der Pfarrer ein überraschendes Angebot. Matthias P. kann sofort als Mesner anfangen und die Familie das Haus der Pfarrei günstig mieten. Künftig ist Matthias P. Mädchen für alles. Fast rund um die Uhr muss er, manchmal auch seine Frau, verfügbar sein. Das hat Folgen.

"Die Gemeinde ist mir sehr ans Herz gewachsen, aber die Arbeit hat sich langsam in die Ehe eingeschlichen." Denn Sandra P., so berichtet es ihr Mann, habe sich immer öfter darüber beschwert, dass er zu wenig mit dem Sohn unternehme. Trotzdem entscheidet sich das Paar für ein zweites Kind. "Wir dachten, es wird dann alles besser. Leider wurde es nicht besser", sagt Matthias P. stockend und schaut betreten auf den Tisch.

Gewaltfilme und rechtsradikale Musik

2009 sagt Sandra P. ihrem Mann zum ersten Mal: "Ich liebe dich nicht mehr." Er habe um die Beziehung gekämpft, sagt Matthias P. "Ich habe so einen 'Hab-dich-lieb-Tag' eingeführt und habe ihr meistens PC-Spiele geschenkt, weil die so teuer sind." Die ungewöhnlichen Liebesgeschenke scheinen zumindest teilweise ihre Wirkung nicht zu verfehlen. "Sie hat mich in einer Therme mal den ganzen Tag geküsst und mir mal eine Computermaus mit 'I Love U'-Aufdruck' geschenkt. Das habe ich gedacht, dass ich wieder eine bessere Phase erwischt habe."

Aber die Beziehung verschlechtert sich zusehends. Die Staatsanwaltschaft wirft Matthias P. vor, er sei zunehmend "eigensüchtig" und "egozentrisch" geworden, habe sich weder im Haushalt noch bei der Kinderbetreuung eingebracht. Auch wenn Matthias P. beteuert, wie sehr er sich um seine Frau bemüht habe und wie viel er mit den beiden Kinder unternommen habe.

Klar ist: Er hat viel – womöglich zu viel – Zeit und Geld für sein Hobby investiert. Matthias P. ist nämlich begeisterter Filme-Sammler. Über die Jahre häuft er in seinem Keller nach eigener Schätzung rund 4000 Filme an. Darunter auch hunderte, die wegen ihres gewaltverherrlichenden Inhalts illegal sind. Der Richter hakt nach. "Auf der einen Seite sind sie katholischer Mesner, auf der anderen Seite haben sie solche Filme. Da kommt man schon auf Gedanken." Matthias P. wiegelt ab. "Naja, es ging mir vor allem darum, so seltene Filme zu besitzen." Später kommt raus, dass zu seiner Sammlung auch viele Musik-CDs von rechtsradikalen Bands gehören. "So was hat eben nicht jeder", sagt Matthias P.

PC-Spiele gegen Sex

Seine obskure Sammelleidenschaft ist nicht der einzige Charakterzug, der das Bild des verständnisvollen, braven Mesners stört. Weil seine Frau immer weniger Lust auf Sex hat, besticht er sie. "Ich habe ihr neue PC-Spiele geschenkt, darauf hat sie sich dann manchmal eingelassen." Matthias P. ist das trotzdem zu wenig, er besucht mehrmals ein Bordell. "Die letzten drei Male bin ich zur Pamela gegangen. Beim letzten Mal ging aber nichts. Wegen der Probleme in der Ehe. Darüber habe ich auch mit der Pam gesprochen."

Doch auch die Eheberatung von "Pam" bringt keine Besserung. Sandra P. macht ihrem Mann ab Sommer 2011 deutlich, dass sie sich trennen will. Sie spart für die Zeit nach der Scheidung und lernt im Internet einen anderen Mann kennen. Matthias P. weiß davon, eifersüchtig sei er aber nicht gewesen. Doch er wird depressiv, geht zum Psychiater, bekommt mehrere Anti-Depressiva verschrieben, will sich stationär aufnehmen lassen. Er spricht auch mit dem Pfarrer über seine Eheprobleme. Und macht sich Sorgen, wie er die Trennung finanzieren soll, denn möglicherweise droht ihm nach der Scheidung der Rauswurf als Mesner. "Ich wusste einfach nicht, wie ich es schaffen soll."

Mord in der Küche

Am 20. Februar wacht Matthias P. morgens auf. "Ich habe mich elendig und antriebslos gefühlt, aber auch aggressiv und gereizt." Er habe an dem Tag endlich "Wahrheiten" von seiner Frau hören wollen. Ob sie tatsächlich mit ihrer Mutter und Freunden über ihn tuschelt, ihn vor den Kinder schlecht macht und ob wirklich ihre Internet-Bekanntschaft einziehen soll. Zu dem Gespräch muss er sie zwingen. Sie giften sich an, dann essen sie mit den Kinder zu Mittag. Danach sitzt Matthias P. im Fernsehsessel. "Ich habe mich verzweifelt gefühlt, es war ein Gefühlschaos."

Er habe sich ein Messer auf den Schreibtisch gelegt und sei zu seiner Frau im ersten Stock gegangen. "Du hast gewonnen", habe er ihr gesagt. "Ich halte diese Psycho-Spielchen nicht mehr aus." Er habe sich vor sie gekniet. "Ich liebe dich." Sandra P. habe geantwortet: "Das glaube ich dir nicht." Dann, so erzählt es Matthias P., habe sie ihren Ehering ausgezogen, weggeworfen und sei Richtung Treppe gelaufen.

"Jetzt war alle Zurückhaltung weg" sagt Matthias P. Er habe seine Frau die Treppe runtergestoßen, sich das Messer geschnappt und zugestochen. Rückwärts sei sie in die Küche geflüchtet. "Ich muss weitergestochen haben." Dann habe seine Frau noch gesagt: "'Du hast gewonnen.' Damit wusste ich, dass die Gerüchte stimmen." Der Kampf sei auf dem Küchenboden geendet. "Da habe ich auch noch zugestochen", sagt Matthias P. und nickt langsam.

Der älteste Sohn musste den Mord an seiner Mutter miterleben, er war wegen des Lärms aus seinem Zimmer gekommen. Zusammen mit seinem Bruder lebt er seitdem im Heim. "Sie sind nach wie vor sehr beeinträchtigt", sagt ihre Anwältin Gabriele Schöch. "Sie haben schließlich keine Familie mehr." Auch die Kinder hat ihr Vater zu Verlierern gemacht.

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(