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Verbrechen oder Suizid?: Zwei zusammengebundene Leichen, ein mysteriöser Anruf - New Yorker Polizei steht vor einem Rätsel

Zwei junge Frauen werden tot am New Yorker Hudson River gefunden. Ihre Körper sind zusammengebunden, aber weisen keine Verletzungen auf. Führt eine Spur zu saudischen Diplomaten? Die Polizei tappt im Dunkeln.

Tala und Rotana Farea, deren Leichen am Ufer des Hudson Rivers in New York gefunden wurden

Die Leichen der beiden Schwestern Tala (l.) and Rotana Farea wurden am Ufer des Hudson Rivers in New York gefunden

AFP

Ein gruseliger Fund gibt der Polizei in New York Rätsel auf. Dort entdeckte ein Spaziergänger jüngst zwei Leichen, die am Ufer des des Hudson Rivers im Riverside Park (Manhattan) angespült wurden. Sie waren bekleidet und an ihren Taillen und Knöcheln mit Klebeband zusammengebunden. Die Körper waren einander zugewendet.

Nach zwei Tagen waren sich die Ermittler sicher: Es handelt sich bei den beiden Toten um aus Saudi-Arabien stammende Schwestern: Die 22-jährige Rotana Farea und die 16-jährige Tala Farea, die zuletzt in Fairfax im Bundesstaat Virgina, rund 350 Kilometer südwestlich von New York, lebten. Sie seien vor drei Jahren mit ihrer Mutter aus Saudi-Arabien in die USA gekommen und hatten dort kürzlich Asyl beantragt, wie unter anderem die "New York Times" berichtet.

Suizid oder Mord? New Yorker Polizei ermittelt

Eine erste Hypothese der Polizei war, dass die jungen Frauen stromaufwärts von der George-Washington-Brücke gesprungen seien, um sich das Leben zu nehmen. In der Vergangenheit seien nach Suiziden von der Brücke häufiger Leichen in dem Park angespült worden. Allerdings mussten die Ermittler ihre These wieder verwerfen. Bei der Obduktion kam heraus, dass die Körper keine Verletzungen aufweisen, die bei einem Sprung von der über 60 Meter hohen Gewässerquerung entstanden sein müssten.

"Wir versuchen zunächst, zu klären, wo die beiden in den Hudson River gelangt sind", sagte ein Sprecher der Polizei. Beamte suchten daher die Uferbereiche links und rechts des Flusses ab - bislang aber ohne Ergebnis. Außerdem wollen die Ermittler mehr über das Leben und Umfeld der beiden Schwestern erfahren, denn auch einen Mord schließen sie ausdrücklich nicht aus. Sicher sind sich die Ermittler inzwischen, dass die Geschwister noch lebten, als sie ins Wasser gelangten.

Bei den Untersuchungen geht es den Beamten vor allem darum, zu erfahren, wo sich Tala und Rotana in den vergangenen Wochen aufgehalten haben, denn sie wurden bereits am 24. August als vermisst gemeldet.

Spielen saudische Diplomaten eine Rolle?

Unklar ist auch, ob saudische Diplomaten etwas mit dem Fall zu tun haben. Die Zeitung "Guardian" berichtet, dass die Mutter der beiden Schwestern sich am Tag vor der Entdeckung der Leichen an die Polizei gewandt habe. Sie habe einen Anruf aus der saudischen Botschaft erhalten, in dem ihr nahegelegt worden sein soll, gemeinsam mit ihrer Familie die Vereinigten Staaten zu verlassen.

Die Konsulat Saudi-Arabiens in New York erklärte, es habe einen eigenen Juristen eingesetzt, der sich mit dem Fall befassen soll, und sagte der betroffenen Familie Unterstützung und den US-Behörden Kooperation zu.

Die New Yorker Polizei geht dieser Spur nach, hat aber auch Ermittler nach Virginia geschickt, um dort mehr über das Leben der beiden Schwestern herauszubekommen – und sie bittet die Bevölkerung im Mithilfe: "Wer kennt die Beiden? Wer hat sie gesehen?", fragt Ermittler Dermot F. Shea bei Twitter, während Gerichtsmediziner weiter die Todesursache untersuchen. "Wir werden Gerechtigkeit für die beiden Frauen herstellen und erfahren, was genau passiert ist", gab sich Shea gegenüber US-Medien zuversichtlich.

Quellen: "New York Times", "The Guardian", New York Police Department, Konsulat von Saudi-Arabien in New York


Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter (0800) 1110111 und (0800) 1110222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

mit AFP-Material