Realschülerin "Ich hatte große Angst"


Als Schülerin der Albertville-Realschule hat Sabine den Amoklauf von Winnenden hautnah mitbekommen. Die Elfjährige schildert, wie sie den Schultag, an den sie sich wohl immer erinnern wird, erlebt hat und wie sie dem Grauen entkam.

Sabine* war seit 7.40 Uhr an der Schule, in der ersten Stunde hatte sie Bildende Kunst in einem Zimmer im zweiten Stock. "Alles war ganz normal." Dann ging die Klasse im ersten Stock in ihr Klassenzimmer, Deutsch stand auf dem Stundenplan. Am heutigen Tage sollte ein Teil der Klasse das Stück "Rudi Rüssel" aufführen. Die dafür ausgewählten Schüler ziehen sich auf dem Flur um.

Plötzlich stürmen sie ins Klassenzimmer und berichten der Lehrerin, draußen stinke es sehr nach Rauch und sie hätten Schüsse gehört. Die Lehrerin sagt: "Dann sofort alle raus." Die ganze Klasse stürmt auf den Gang und gen Ausgang. Aus allen Klassenzimmern strömen Schüler heraus, berichtet Sabine. Viele der Kinder schreien und weinen. "Ich habe auch geweint", sagt Sabine. "Es war schrecklich, weil niemand wusste, was wirklich los war. Ich hatte große Angst."

Draußen zählt die Lehrerin noch einmal durch, alle sind da. Schüler und Lehrerin werden von Polizeikräften in ein nahegelegenes Schwimmbad geleitet. Dort in der Halle erfährt Sabine erst, was passiert ist. Ihr Klassenlehrer erzählt ihr, dass ein ehemaliger Schüler um sich geschossen hätte. "Der Lehrer hatte blutige Hände. Er sagte mir, der Junge hätte ihn angeschossen." In dem Schwimmbad ruft sie ihre Mutter an, die sie wenig später abholt.

"Es war unbeschreiblich, ich hatte so Angst und dachte, jetzt ist es aus mit uns. Meine Hände haben gezittert, es war schlimm."

* Name von der Redaktion geändert

<em>Protokoll: Malte Arnsperger</em>

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