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Urteil: Bewährungsstrafe für Telefon-Terror

Mildes Urteil: Mit seinen tausenden Anrufen hat er einen ganzen Ort in Aufruhr versetzt - doch der Angeklagte kommt nur mit einer Bewährungsstrafe davon. Bei der Vorinstanz war das Urteil dagegen noch viel härter ausgefallen.

Ein Mann, der Familien in einer Taunusgemeinde mit tausenden Telefonanrufen terrorisiert hat, ist bei einem Berufungsprozess mit einer Bewährungsstrafe davon gekommen. Das Landgericht Koblenz verurteilte ihn am Freitag auf eineinhalb Jahre Haft auf Bewährung und lag damit deutlich unter dem Richterspruch der Vorinstanz, der eine Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten vorgesehen hatte.

Eine Bewährungsstrafe reiche aus, um auf den 34 Jahre alten Angeklagten einzuwirken, sagte der Vorsitzende Richter. Das Landgericht folgte damit dem Antrag der Verteidigung. Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen gefordert, das vorherige Urteil des Amtsgerichts Diez zu bestätigen. Sie will prüfen, ob sie in Revision geht.

Der Angeklagte aus Leipzig hatte zugegeben, zwischen August 2004 und August 2005 mehrere Familien mit fast 3500 Anrufen belästigt zu haben. Ausgangspunkt für den Telefonterror war, dass der Mann einer Bekannten nachstellte, die nach Rettert in Rheinland-Pfalz gezogen war. Am Freitag entschuldigte sich der 34-Jährige. Es sei ihm damals nicht möglich gewesen, sein Fehlverhalten zu erkennen. Gegenwärtig sei er in psychotherapeutischer Behandlung. Sein Handeln könne er nun besser verstehen und steuern. Die Verteidigung war in Berufung gegangen, weil der 34-Jährige das Diezer Urteil als zu hart empfand.

Umfassendes Geständnis

Zugunsten des Angeklagten sei das umfassende Geständnis gewertet worden. Zudem habe der Mann sein Fehlverhalten eingeräumt und eine "gewisse Reue2 gezeigt. Ein Sachverständiger hatte bei dem Leipziger keine Hinweise für eine eingeschränkte Schuldfähigkeit gefunden, aber eine Persönlichkeitsstörung festgestellt.

Der 34-Jährige wurde unter anderem wegen Verstößen gegen das Gewaltschutzgesetz, Bedrohung und Beleidigung verurteilt. Der Vorsitzende Richter maß den Medien eine Mitverantwortung für die Geschehnisse nach dem Diezer Urteil zu: Der Angeklagte sei wegen seiner Persönlichkeitsstörung nicht in der Lage gewesen, die Anrufe nach dem ersten Urteil einzustellen. "Die Berichterstattung war nicht geeignet, Frieden herzustellen", meinte Weller. Das Gericht gehe nun von einer günstigen Sozialprognose für den Angeklagten aus.

DPA / DPA