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Eltern vor Gericht: Vegane Mangelernährung: Mädchen sah mit anderthalb Jahren aus wie drei Monate altes Baby

Ein Kleinkind in Australien wurde die ersten 19 Monate seines Lebens von seinen Eltern falsch ernährt. Jetzt hingegen leidet es unter Übergewicht. Die Eltern müssen sich nun vor Gericht verantworten.

Vegan ernährtes Baby

Das abfotografierte Foto, das dem Gericht als Beweis vorgelegt wurde, zeigt ein unterentwickeltes Baby

DPA

In der australischen Metropole Sydney steht ein Elternpaar vor Gericht, das seine Tochter massiv unterernährt haben soll. Erst im Alter von 19 Monaten wurden Behörden darauf aufmerksam, die Eltern verloren das Sorgerecht für ihr Kind. Nun drohen dem Paar Gefängnisstrafen von bis zu fünf Jahren, berichten australische Medien.

Vor Gericht wurden erschreckende Details bekannt. Mit 19 Monaten sah das Mädchen immer noch aus wie ein dreimonatiges Kind: Es hatte keine Zähne, wog nicht einmal fünf Kilogramm, konnte nicht krabbeln, stehen oder gehen und auch nicht mehr als 20 Worte sprechen. Mittlerweile ist das Kind bei einer Pflegemutter untergebracht.

Mädchen wegen veganer Ernährung stark unterentwickelt

Entscheidend für den schlechten Zustand des Kindes, dessen Name nicht bekannt wurde, soll die vegane Ernährung durch die Eltern gewesen sein. Das Ehepaar, 32 und 35 Jahre alt, fütterte es anscheinend vor allem mit Haferflocken und Reismilch. Dadurch fehlten wichtige Nährstoffe für die Entwicklung der Tochter. So gut wie nie durfte das Kind das Haus verlassen, viele Nachbarn wussten offenbar nicht einmal von seiner Existenz, berichtet die "Daily Mail" aus der Gerichtsverhandlung. Erst als das Mädchen im Mai 2018 einen Schüttelanfall erlitt, brachten die Eltern es ins Krankenhaus – zuvor war es seit seiner Geburt nicht mehr bei einem Arzt gewesen. Dort wurden dann auch die Behörden auf die Zustände in der Familie aufmerksam.

In der Obhut einer Pflegermutter holt die Kleine nun langsam ihre Entwicklung nach. Mittlerweile ist sie drei Jahre alt, wird ausgewogen ernährt und hat auch schon kräftig zugenommen. Das ist allerdings auch ein Problem: Da das Mädchen immer noch lediglich die Größe einer Einjährigen hat, leidet es jetzt unter Übergewicht. Zudem verarbeitet ihr Körper das Essen nicht so wie bei normalen Kindern. "Es ist, als wenn ihr Körper die Kalorien speichert für den Fall, dass sie sie in Zukunft noch einmal braucht", erzählte die Pflegemutter in ihrer Stellungnahme vor Gericht.

Das Kind leidet noch immer unter den Folgen

Zwar muss das Kind nicht mehr täglich zu medizinischen Untersuchungen, unter den Folgen der Fehlernährung leidet es dennoch weiterhin. "Die ersten 19 Monate ihres Lebens hat sie nicht die richtige Pflege bekommen, um zu wachsen und sich zu entwickeln", sagte die Pflegemutter. "Dieses Verbrechen hatte langfristige Auswirkungen auf ihre Entwicklung." Es sei immer noch sofort zu sehen, dass das Mädchen anders sei als andere Kinder.

Vor Gericht gab der Vater der Mutter die Schuld an der Verwahrlosung des Kindes, berichtete der "Sydney Morning Herald". Er selbst habe viel gearbeitet und sei davon ausgegangen, dass das Mädchen von seiner Frau richtig ernährt würde. Sein Anwalt teilte zudem mit, dass sein Mandant sich selbst nicht vegetarisch oder vegan ernähre. Die Richterin wies diese Entschuldigung allerdings zurück – über einen so langen Zeitraum habe der Angeklagte mitbekommen müssen, dass es dem Kind nicht gut gehe. Ein Urteil ist noch nicht gefallen.

Quellen: "Daily Mail" / "Sydney Morning Herald"

Vegane Ernährung bei Kindern
epp
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