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Schockierender Unicef-Bericht: Wie die Kinder im Jemen an Hunger leiden

Seit über einem Jahr wütet im Jemen ein furchtbarer Bürgerkrieg. Vor allem Kinder sind betroffen, 320.000 leiden laut Unicef unter akuter Mangelernährung. Schockierende Aufnahmen zeigen, wie schlimm die Lage ist.

Der kleine Udai - ein schwer unterernährter Säugling - kämpft gegen den Hungertod. Er ist an Schläuche angeschlossen

Der kleine Udai kämpft gegen den Hungertod: In dem Bürgerkriegsland Jemen hat sich die Lage der Kinder seit beginn des Konflikts dramatisch verschlechtert. 

Wie so oft sind es die Schwächsten, die im Krieg besonders leiden - dies gilt auch auf für den Jemen: Seit Beginn des Bürgerkriegs in dem Land vor etwa einem Jahr sind laut einem neuen Unicef-Bericht mehr als 900 Kinder getötet und 1300 weitere verletzt worden. Das sind seit dem Start des von Saudi-Arabien angeführten Militäreinsatzes rund sechs Kinder pro Tag. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen dokumentierte zudem 1560 schwere Menschenrechtsverletzungen an Kindern und über 50 Angriffe auf Schulen.

Der Krieg habe schwere Folgen für die zivile Infrastruktur und die Versorgung mit lebenswichtigen Gütern wie Öl, Wasser und Nahrung, heißt es in dem Bericht. Die Ausweitung des Konflikts habe auch dazu geführt, dass immer mehr Kinder und Jugendliche als Soldaten oder Kämpfer rekrutiert würden. Unicef schätzt, dass allein im vergangenen Jahr rund 10.000 Kinder im Jemen an vermeidbaren Krankheiten starben, weil die Gesundheitsversorgung nicht mehr funktioniert, Impfungen nicht vorgenommen und lebensgefährlicher Durchfall nicht behandelt werden konnten. Ein Videobeitrag des in Katar ansässigen Nachrichtensenders Al Jazeera zeigt nun dramatische Bilder, die das ganze Ausmaß der humanitären Katastrophe verdeutlichen.

Lage verschlechtert sich exponentiell

Zu sehen ist der kleine Udai. Erst fünf Monate alt - aus seiner Nase ragt ein Schlauch. Das Gesicht des Säuglings ist völlig ausgemergelt, immer wieder reißt er seine Augen weit auf und weint. Er wiegt nur 2,4 Kilogramm; gesunde Kinder in dem Alter wiegen zwischen 5,7 und 8,5 Kilo. Udais Schicksal ist nur eines von vielen im Jemen - laut Unicef hat sich die Situation der Kinder seit Beginn des Konflikts exponentiell verschlechtert.

Yemen's Children Continue to Starve

Udai is 5 months old and weighs just 5.3 pounds. He's one of an estimated 320,000 children suffering from life-threatening malnutrition in this war zone.

Posted by AJ+ on Mittwoch, 30. März 2016

Nach Unicef-Schätzungen sind in dem Bürgerkriegsland inzwischen zehn Millionen Kinder auf humanitäre Hilfe angewiesen - darunter rund 320.000 Kinder, die von schwerer akuter Mangelernährung bedroht sind. Von den für 2016 benötigten Hilfsgeldern für den Jemen hat Unicef nach eigenen Angaben jedoch erst 18 Prozent erhalten.

Im Jemen kämpfen seit September 2014 die Truppen von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi gegen die schiitischen Huthi-Rebellen und andere Gruppen, die dem ehemaligen Präsidenten Ali Abdallah Saleh die Treue halten. Seit März 2015 fliegt eine von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition Luftangriffe auf die Rebellen. Insgesamt sind in dem Bürgerkrieg im vergangenen Jahr nach UN-Angaben etwa 9000 Menschen ums Leben gekommen - mehr als 3000 davon Zivilisten.

Waffenruhe für den 10. April angesetzt

Truppen und Verbündete von Präsident Hadi konnten Aden im Süden des Landes von den Rebellen zurückerobern. Beobachter in der Hafenstadt, von der die Regierung eigentlich das Land regieren soll, sprechen aber von anarchischen Zuständen. Ein mächtiger Ableger des Terrornetzwerkes Al-Kaida ist dort genauso aktiv wie die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Anschläge auf Politiker und Zivilisten sind regelmäßig geworden. Bewohner berichten außerdem von Milizen und Banden, die das Machtvakuum für sich nutzen. Einige Bewohner der Stadt sagen, unter der Besatzung der Huthis habe wenigstens noch etwas Ordnung geherrscht.

Die Konfliktparteien haben sich unlängst auf eine landesweite Waffenruhe ab dem 10. April sowie neue Friedensgespräche ab dem 18. April geeinigt - doch für den kleinen Udai aus dem Videobeitrag von Al Jazeera kommt leider jede Hilfe zu spät.

amt / AFP / DPA