VG-Wort Pixel

Video Kinderarzt: "Die Lage ist katastrophal"

STORY: In der Kinderarztpraxis von Axel Gerschlauer in Bonn gilt in diesen Tagen der Ausnahmezustand. Ständig klingelt das Telefon oder Eltern kommen mit ihren Kindern und bitten um Hilfe. Grund sind verschiedene Grippeerkrankungen und Kinder, die sich mit dem RS-Virus anstecken. Husten, Schnupfen und Heiserkeit sind alllgegenwärtig. Allein vergangenes Wochenende, an der seine Praxis Notdienst hatte, seien 270 Kinder in 13 Stunden gekommen, sagt Gerschlauer. Besonders das RS-Virus macht ihm Sorgen: “ Das RS-Virus kann eine ganz normale Erkältung machen, ganz normal Husten, Schnupfen, sodass sie gar nicht merken, dass sie jetzt gerade das RS-Virus haben. Wenn sie aber besonders klein sind, wenn sie frühgeboren sind, wenn sie eine eh schon eine angeschlagene Lunge haben dann ist das hochgefährlich und führt zurzeit zu sehr vielen stationären Aufnahmen. Die Kinder müssen ins Krankenhaus.” Das Problem, für die Kinder gibt es häufig kein freies Bett. Und das gilt auch in Großstädten. Dutzende Kliniken mussten schon schwer kranke Kinder abweisen. Gerschlauer macht dafür die Sparpolitik der vergangenen Jahre verantwortlich. "Also man muss es ganz klar sagen, die ambulante und die stationäre Versorgung von Kindern ist zurzeit nicht gesichert. Wir haben kaputt gesparte Kinderkliniken, wir haben vollkommen überlastete Kinderarztpraxen, wo wir einfach einen extremen Nachwuchsmangel haben, also nicht mehr genug arbeiten können, und das fällt uns jetzt auf die Füße. Und das wird das Problem der nächsten Wochen und Monate einfach noch deutlich verschärfen.” Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach ist alarmiert. Derzeit stünden in Deutschland weniger als 100 Intensivbetten für Kinder zur Verfügung. Kurzfristige Maßnahmen sollen nun helfen, die Situation zu entspannen: "Wir werden Personal aus den regulären Erwachsenenstationen in die Kinderstationen verlegen, insbesondere Pflegepersonal. Ich habe die Krankenkassen aufgefordert, die Personaluntergrenzen weder in den Kinderstationen noch auf den Erwachsenenstationen weiter zu prüfen, auch die Sanktionen auszusetzen." Zudem sollen die Kinderkliniken für das Jahr 2023 mit Zuschlägen zu den Fallpauschalen mehr Geld bekommen. Die Rede ist hier von 300 Millionen Euro. In der jetzigen Situation appelliert Lauterbach an Eltern, nicht notwendige Vorsorgeuntersuchungen von Kindern um einige Wochen zu verschieben und bei Erkältungssymptomen Masken zu tragen, vor allem bei Kontakt mit Kindern unter zwei Jahren.
Mehr
In vielen Kinderarztpraxen sind die Wartezimmer derzeit voll. Grund sind verschiedene Grippeerkrankungen und Kinder, die sich mit dem RS-Virus anstecken. Intensivbetten für Kinder sind im Krankenhaus Mangelware.

Mehr zum Thema

Newsticker