Illegaler Hundehandel Das große Leid der kleinen Welpen

Angekettet und in Keller gesperrt. Gefüttert, mit verwestem Fleischresten und Innereien. Vollgekotete Käfige, aneinandergereiht wie Legebatterien. Bilder eines illegalen Hundezuchthofes in Polen. Bilder, die erschrecken. Birgitt Thiesmann, Tierschützerin von "Vier Pfoten": „Der Gestank hier drin ist unterträglich. Man kann sich das gar nicht vorstellen. Man kann kaum atmen. Die Hunde werden mit Innereien gefüttert, die liegen hier zuhauf herum, sind schon verwest." Zusammen mit der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ begibt sich der stern auf Spurensuche, um die kriminellen Machenschaften der Hundemafia aufzudecken. Wo werden die Welpen gezüchtet? Wie funktioniert der Handel? Erste Recherchen führen uns nach Slomczyn, 50km südlich von Warschau. Hier werden auf einem unscheinbar wir-kenden Markt Welpen verkauft. Sie sind der Traum vieler: Rassehunde für wenig Geld. Mindestens 1000 Euro zahlt man bei einem deutschen Züchter für einen Cocker-Spaniel. Hier auf dem Welpenmarkt lediglich um die 90 Euro. Reinrassig soll der Hund angeblich auch sein. Wir führen Verkaufsgespräche, lassen uns Welpen zeigen. Auch gefälschte Impfpässe werden uns vorgelegt. Sie sollen den Anschein erwecken, alles hätte seine Ordnung. Doch woher stammen die Hunde? Wir fahren nach Lipno in Nordpolen. Dort soll ein alter Bauernhof zur Hunde-Zuchtstation umfunktioniert worden sein. Die Polizei begleitet uns. Eine Razzia soll klären, was auf dem Hof wirklich geschieht. Birgitt Thiesmann, Tierschützerin von "Vier Pfoten": „Angeblich sollen sich dort sehr viele Welpen befinden, in einem sehr schlechten Zustand. Der Mann hat schon Tierhalteverbot, hat den Betrieb aber offenbar jetzt auf seine Frau übvertragen oder auf irgendjemanden anderen von der Familie und betreibt das Geschäft weiter." Im Keller des Gebäudes werden wir fündig. Die Zustände, unter denen die Tiere hier leben müssen, schockieren uns. Birgit Thiesmann: "Hier ist alles voller Kot. Die Tauben fliegen rum und verteilen den Dreck. Also, die Zustände hier sind einfach furchtbar. Man sieht das auch hier an diesem Cocker-Spaniel. Der ist völlig verfilzt, völlig verwahrlost. In den Wassertöpfen ist kaum noch Wasser drin. Das wurde wahrscheinlich Tage nicht mehr erneuert. Man kann kaum atmen, das ist schrecklich hier drin." Wir finden Pässe bereits verkaufter Hunde, Dokumente über angebliche Impfungen. Sie sind unvollständig oder gefälscht. Die verbliebenen Hunde wollen die Tierschützer jetzt retten. Julie Sanders, Tierschützerin von "Vier Pfoten": „Wir bringen jetzt alle Hunde hier weg. Sie sind in sehr schlechtem Zustand. Wir bringen die Hunde nach Warschau ins Tierheim. Dort werden sie tierärztlich untersucht. Wir schreiben einen Bericht. Wenn die Hunde gesund sind, können sie vielleicht zu Haltern vermittelt werden.“ Mehr als den Verlust ihrer Hunde und ein weiteres Halteverbot müssen die Hofbesitzer kaum befürchten. Für Birgitt Thiesmann ist der heutige Tag trotzdem ein Erfolg. Wenngleich auch nur ein kleiner im Kampf gegen die illegale Hundezucht. "Es ist so wichtig, hier vor Ort zu sein. Einmal, um die Hunde da natürlich rauszuholen und diese Tierquälerei zu beenden. Auf der anderen Seite ist es einfach unglaublich wichtig, den Leuten zu zeigen, wo diese Hunde herkommen, die im Internet angeboten werden. Dieser Preis von 200, 300 Euro oder vielleicht ein bisschen mehr, der hat schon seinen Preis. Und das, was hier stattfindet, das ist einfach der Grund dafür, dass diese Hunde viel billiger verkauft werden als von seriösen Züchtern. Und jeder, der sich überlegt, einen Hund im Internet zu kaufen, sollte sich einfach mal ansehen, was dahinter steckt."
Wer die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" bei ihrer Kampagne gegen illegalen Welpenhandel unterstützen möchte, kann hier spenden:
IBAN: DE30200100200745919202 BIC: PBNKDEFF Stichwort: Spende. Bitte tragen Sie im Verwendungszweck auch Ihren Namen und Ihre Adresse ein. Nur so kann Ihnen "Vier Pfoten" eine Zuwendungsbestätigung schicken.
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Rasse-Hunde aus Osteuropa sind im Westen begehrt, werden im Internet heiß gehandelt. Doch die Welpen wachsen unter erbärmlichen Bedingungen auf. Der stern hat in Polen recherchiert.
Von Madeleine Janssen und Jonas Krumbein

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