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Steigende Nebenkosten Vonovia will Mietern bei Zahlungsschwierigkeiten kündigen

Das Logo von Vonovia auf der Gebäudewand der Firmenzentrale in Bochum
Sobald Mieter Vonovia zwei Monatsmieten schulden, könne es zu Räumungsaufforderungen kommen
© RHR-FOTO / Dennis Ewert / Picture Alliance
Der Immobilienkonzern Vonovia will Mietern bei Zahlungsrückständen von zwei Monatsmieten als letzten Schritt kündigen. Zuvor hatte der Konzern vor stark steigenden Nebenkosten-Abrechnungen gewarnt. 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei RTL.de

"Letzter Ausweg: Versendung der Räumungsaufforderung", heißt es in Dokumenten zu einem Investorentag, die Vonovia am Dienstag vorlegte. Vonovia gehe im Fall einer Zahlungsverzögerungen nach einem Stufen-Modell vor. Entspreche die Summe, die der Mieter schuldet, zwei Monatsmieten, kann es zur Kündigung kommen.

Der Konzern trete mit Mietern in Kontakt, um die Gründe für Zahlungs-Versäumnisse zu erfahren, heißt es weiter. Könne der Mieter etwa Hilfen vom Staat erhalten, informiere ihn Vonovia, wie er an diese kommen könne, damit dieser zahlen kann. Komme der Mieter trotz eines Angebots individueller Lösungen durch Vonovia weiter seinen Verpflichtungen nicht nach, lasse der Konzern ihm eine formelle Zahlungsaufforderung zukommen. Summierten sich die Rückstände auf den Wert von zwei Monatsmieten, komme es in einem letzten Schritt zur Räumungsklage. Danach könne die betroffene Wohnung neu vermietet werden.

Durch die anziehenden Gas-Preise können die Nebenkosten-Abrechnungen für Mieter sprunghaft steigen. Rund 55 Prozent der Heizungen in Vonovia-Beständen werden nach früheren Angaben des Konzerns mit Gas versorgt. Vonovia hatte angekündigt, nachts Heizungsleistungen zu reduzieren, um Gas zu sparen.

Vonovia: "Wir nehmen unsere Verantwortung dabei sehr ernst"

Auf RTL-Nachfrage erklärte Vonovia, dass man bei finanziellen Schwierigkeiten viele Schritte übernehme, um eine gemeinsame Lösung mit dem Mieter zu finden. "Gleichzeitig müssen wir auch darauf hinweisen, dass die steigenden Energiepreise ganz grundsätzlich ein Problem sind, das die gesamte Gesellschaft betrifft – alle Menschen und Unternehmen. Wir nehmen unsere Verantwortung dabei sehr ernst, können aber auch nicht alleine Probleme lösen, die einer gesamtgesellschaftlichen Antwort bedürfen", erklärte das Unternehmen.

Daher wolle man vorab folgende Maßnahmen ergreifen:

  • Wir reduzieren die Temperatur in unseren Beständen nachts zwischen 23 und 6 Uhr deutlich, um Energie zu sparen.
  • Wir kontaktieren den Mieter (Telefon, Brief, persönlicher Kontakt).
  • Wenn der Mieter Anspruch auf staatliche Leistungen hat, diese aber derzeit nicht bezieht, bietet Vonovia allgemeine Informationen darüber an, wie er diese Leistungen erhalten kann.
  • Dieser Schritt kann auch eine Vereinbarung über aufgeschobene Zahlungen oder Ratenzahlungen enthalten (individuelle Lösungen).
  • Wir informieren seit Jahresanfang über die steigenden Energiepreise und geben Hinweise, wie Energie gespart werden kann.
  • Wenn ein Mieter keinen Anspruch auf Zuschüsse/Leistungen hat und die Zahlungen trotz der von uns angebotenen individuellen Lösungen nicht leistet, stellt Vonovia einen offiziellen Zahlungsbefehl aus.
  • Erhöhung der monatlichen Vorauszahlungen für Strom und Gas.

Wegen Zinserhöhung: Vonovia will sich von Tausenden Wohnungen trennen

Der über die Jahre vor allem durch Zukäufe gewachsene Bochumer Konzern hatte angesichts steigender Zinsen und anziehender Baukosten angekündigt, nun Investoren für Gemeinschaftsunternehmen mit ins Boot holen zu wollen. Er strebt Gemeinschaftsprojekte etwa mit Pensionsfonds an. Die Bochumer wollen sich zudem über die Jahre von Wohnungen und Einfamilienhäusern im Volumen von rund 13 Milliarden Euro trennen. "In Zeiten höherer Zinsen ist es sinnvoll, Schulden zu reduzieren", hatte Vonovia-Chef Rolf Buch den Kurs begründet.

Der Bochumer Konzern besitzt in Deutschland rund 490.000 Wohnungen. Vonovia-Chef Rolf Buch hatte auch angesichts der in der Folge des russischen Einmarsches in der Ukraine und der Sanktionen des Westens rasch anziehenden Energiekosten vor deutlich steigenden Nebenkosten-Abrechungen gewarnt.

Offenbar sieht der Firmenboss nur den Staat und die Steuerzahler in der Pflicht. Selber will man auch in herausfordernden Zeiten das eigene Geschäftsmodell gnadenlos durchziehen. 

RTL.de, rts/aze

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