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Straße von Gibraltar Orcas greifen Segelboot an - Crew wehrt sich mit Fackel

Ein Orca schwimmt im offenem Meer
Die Angriffe von Killerwalen nehmen seit Ende März wieder zu. Erst kürzlich wurde ein Segelboot am Eingang zur Straße von Gibraltar auf brutale Art von mehreren Orcas angegriffen. 
© AGAMI/V. Legrand / Picture Alliance
Im vergangenen Jahr hatten Orcas im Mittelmeer vor den Küsten Portugals und Spaniens Schiffe angegriffen. Nun scheint sich die Serie fortzusetzen. Am Kap Spartel vor Marokko am Eingang zur Straße von Gibraltar attackierten Tiere ein Segelboot.

Dieser Beitrag erschien zuerst an dieser Stelle auf RTL.de

2020 war es zu einer Serie von Orca-Angriffen auf dem Mittelmeer gekommen: Ende August 2020 war das Segelboot "Mirfak" attackiert worden, zuvor hatten sich im Juli und August sechs Vorfälle an der Straße von Gibraltar ereignet, vier vor der Küste Portugals und dann auch eine vor der Küste Galiciens. Im September wurden vor der Nordwestküste Spaniens nach Berichten mindestens 15 weitere Angriffe gemeldet. Zwischenzeitlich hatten sich die Angriffe so sehr gehäuft, dass das Verkehrsministerium in Madrid ein vorübergehendes Fahrverbot in einem besonders betroffenen Küstengebiet für Segelyachten unter 15 Metern Länge verhängt hatte. Setzt sich die Serie nun fort?

Die Crew der "Serena IV" hat den Angriff einer Gruppe Orcas in der Nacht auf den 27. März 2021 vor der marokkanischen Küste dokumentiert. Wie der deutsche Kapitän Antonio Busse (40) der "Real Press" sagte, sei das Segelschiff auf dem Weg von Italien nach Lanzarote gewesen, als der Wachposten nach Mitternacht vier Schwertwale bemerkte. Die anderen Crewmitglieder seien aus dem Schlaf geschreckt und an Deck geeilt. Busse sagt, sie hätten Gegenstände nach den Tieren geworfen, um sie zu verscheuchen. Ohne Erfolg. Schließlich hätten die "Killerwale" das Ruder teilweise abgerissen. Erst, als ein Crewmitglied eine rotleuchtende Seenotfackel entzündete, zogen die bis zu zehn Meter langen und bis zu sechs Tonnen schweren Wale ab.

Erfahrener Kapitän Busse hat so etwas noch nie erlebt

Die Situation sei beängstigend gewesen. Busse habe in seinem Leben alle Sieben Weltmeere bereist, sei auch in der Antarktis unterwegs gewesen, doch "so etwas wie das ist mir noch nie zuvor geschehen", erzählt der erfahrene Kapitän. "Killerwale sind sehr intelligent und uns wurde erzählt, dass sie sogar Thunfisch von den Fischerbooten klauen, wenn sie hungrig sind. Aber dass sie Ruder zerstören, ist mir neu."

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Der Kapitän sagte auch, dass Schwertwale lieber mit Segelbooten "spielen", weil Fischerboote in der Nähe des Ruders einen Propellerantrieb hätten. Trotz des teilweise zerstörten Ruders konnte die "Serena IV" bis zum Hafen von Tarifa in Südspanien fahren, wo es provisorisch repariert wurde. Nun soll es in Ceuta, einer spanischen Exklave in Nordafrika, wieder richtig seetauglich gemacht werden.

Fälle von Orca-Attacken häufen sich seit März wieder

Im Hafen von Tarifa sei derzeit noch ein anderes Boot "gestrandet": Die "Aniway" sei zwei Tage zuvor ebenfalls von Orcas angegriffen worden. Das Boot, das unter amerikanischer Flagge segele, sei allerdings in weit schlechterem Zustand, da es bei der Attacke Leck geschlagen sei. Auch andere Segler berichten jetzt wieder von Angriffen.

So hatten am 24. März Betroffene auf Instagram ein Video gepostet. Über eine Stunde lang sei ihr Segelboot immer wieder von fünf "Killerwalen" gezielt gerammt worden, heißt es dem Bericht. Der Zwischenfall habe sich in der Nähe der marokkanischen Hafenstadt Tanger in der Straße von Gibraltar zugetragen. Wie auch schon in zahlreichen ähnlichen Fällen, die sich im Sommer und Herbst letzten Jahres ereignet hatten, schienen es die Meeressäuger auch hier vor allem auf das Ruder abgesehen zu haben.

Spiel oder Ernst: Weshalb greifen Schwertwale Boote an?

Der Biologe Alfredo Lopez sagte der "Real Press": "Das sind keine Attacken, sondern Interaktionen", weil die Tiere nicht die Absicht hätten, Menschen zu verletzen oder Booten Schaden zuzufügen. Vielmehr würden sie die Boote "untersuchen", so der Wissenschaftler. "Es ist nicht normal, aber es ist im letzten Jahr bereits an verschiedenen Stellen vor der spanischen Küste passiert."

Tapferer Buckelwal verteidigt sich gegen 15 Orcas – der Kampf dauert vier Stunden

Er vermutet, dass es sich um eine Gruppe jüngerer Orcas handeln muss, da erwachsene Tiere feste Rollen im Gruppengefüge hätten, sich etwa um die Jungtiere kümmern. Die "jungen Wilden" hätten im Vergleich weniger zu tun, seien "rücksichtslos und diejenigen mit dem häufigsten menschlichen Kontakt". Schwertwale seien zudem oft auf Futtersuche in der Straße von Gibraltar – jener Meerenge zwischen Gibraltar in Südspanien und Nordafrika, die das Mittelmeer mit dem Atlantik verbindet. Am häufigsten seien sie dort im Mai anzutreffen.

RTL.de / stz

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