HOME

Vorwürfe gegen Haasenburg: Heime dürfen keine neuen Jugendlichen aufnehmen

Zwei Jugendliche sind zurück, doch Fragen bleiben. Wurde in den Heimen des Heimbetreibers Haasenburg im großen Stil misshandelt? Neue Kinder und Jugendliche dürfen zurzeit nicht eingewiesen werden.

Nach schweren Misshandlungsvorwürfen hat das Land Brandenburg gegen die Jugendheime des umstrittenen Betreibers Haasenburg einen Aufnahmestopp verhängt. Drei Mitarbeiter, die im Verdacht stehen, Jugendliche körperlich und seelisch misshandelt zu haben, dürften ab sofort nicht mehr beschäftigt werden, sagte eine Sprecherin des Bildungsministeriums am Mittwoch in Potsdam.

Der Betreiber sei informiert worden. Bildungsministerin Martina Münch (SPD) erklärte, die Entscheidung sei getroffen worden, um zu auszuschließen, dass es zu weiteren Übergriffen kommen könne. Nach Angaben Münchs gehen in ihrem Ministerium täglich neue Hinweise auf mögliche Misshandlungen in den Heimen des Betreibers ein. Wegen der "Fülle und Schwere der Vorwürfe" sei es nicht mehr zu verantworten, weitere Kinder und Jugendliche dort unterzubringen.

"Gewaltaten, Fixierungen - und vor allem Demütigugen"

Die Jugendhilfe-Einrichtung hat den vom Land verhängten Belegungsstopp unterdessen kritisiert. Für ein Verbot von Neuaufnahmen gebe es derzeit "keine Grundlage", sagte Sprecher Hinrich Bernzen am Mittwoch dem Rundfunk Berlin-Brandburg.

Nach Presseberichten sollen Jugendliche an Liegen gefesselt worden sein, zudem wurde über Knochenbrüche und zwei Todesfälle in den Jahren 2005 und 2008 berichtet. In der Vorwoche war Haasenburg erneut in das Blickfeld geraten, als drei Jugendliche aus einem Heim des Unternehmens weggelaufen sind. Sie wollten nach eigener Darstellung der Gewalt in der Einrichtung entgehen. "Es gab eine Vielzahl von Gewalttaten, Fixierungen am Boden - und vor allem Demütigungen", erklärte der Anwalt der Jugendlichen, der Hamburger Familienrichter Rudolf von Bracken.

Inzwischen sind zwei der Jugendlichen zurück in dem Heim. Einer war bereits bald nach der Flucht am Samstag in die Einrichtung zurückgekehrt. Ein weiterer, aus Hamburg stammender Jugendlicher wurde am Mittwoch zurück in das Heim gebracht, wie ein Sprecher der Hamburger Sozialbehörde bestätigte. In der vergangenen Woche habe das Amtsgericht Bergedorf entschieden, dass der Jugendliche in der Brandenburger Einrichtung bleiben müsse.

19-Jähriger stellt Strafanzeige

In Potsdam richtete das Bildungsministerium eine Untersuchungskommission ein, um die teils seit Jahren bekannten Vorwürfe gegen den Haasenburg-Betreiber aufzuhellen. Bei Ermittlungsverfahren hatten Polizei und Landeskriminalamt am vergangenen Donnerstag drei Heime und Büroräume des Therapeutischen Kinder-, Jugend- und Elternzentrums durchsucht. Dabei wurden von der Staatsanwaltschaft Cottbus zahlreiche Akten und Datenträger sichergestellt. Die Ermittler suchen Beweismittel zum Verdacht der gefährlichen Körperverletzung, Misshandlung Schutzbefohlener sowie Nötigung von Heimzöglingen.

Nachdem er von Heimpersonal mehrfach über einen längeren Zeitraum hinweg ans Bett gefesselt worden sein soll, hatte ein 19-Jähriger Strafanzeige erstattet. Ein weiterer Jugendlicher hatte nach Angaben der Staatsanwaltschaft Cottbus von Fixierungen, Körperverletzungen, Beleidigungen und Nötigungen berichtet. Insgesamt führt die zuständige Staatsanwaltschaft nach eigenen Angaben acht Ermittlungsverfahren gegen Mitarbeiter der Haasenburg, darunter auch wegen des Verdachts der Misshandlung eines Mädchens.

be/AFP/DPA / DPA