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WELTDROGENTAG: Sport statt Speed

UN-Generalsekretär Kofi Annan setzt im Kampf gegen Drogen auf Sport. Zum heutigen Weltdrogentag ermutigte er besonders Jugendliche zu einem aktiven Leben ohne Rauschgift. China setzt dagegen auf Abschreckung: Dort sind im Vorfeld zwei Dutzend Drogenhändler hingerichtet worden.

UN-Generalsekretär Kofi Annan setzt im Kampf gegen Drogen auf Sport. Zum heutigen Weltdrogentag ermutigte Annan besonders Jugendliche zu einem aktiven Leben ohne Rauschgift. »Während Drogenmissbrauch den Körper und den Geist zerstört, macht Sport sie stärker«, betonte Annan in einer am Montag verbreiteten Mitteilung. Die Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren (DHS) in Hamm warnte davor, mit der Diskussion um Fixerstuben, Heroin-Abgabe und Drogenersatz-Therapie die Sucht-Gefahren zu verharmlosen.

»Am Ende der Drogenhilfe muss ein Leben ohne Drogen stehen«, betonte DHS-Geschäftsführer Rolf Hüllinghorst in einem dpa-Gespräch. »Durch die Diskussion um Legalisierung und Freigabe bekommen junge Menschen das Gefühl, dass Drogen so schlimm gar nicht sein können«, kritisierte er. In Umfragen zeige sich eine bedenkliche Tendenz: Während 1986 in Deutschland noch 79 Prozent der befragten Jugendlichen ohne Drogenerfahrung auf keinen Fall illegale Drogen probieren wollten, seien es im vergangenen Jahr nur noch 70 bis 73 Prozent gewesen. Bei Jugendlichen mit Drogenerfahrung seien es sogar nur rund 60 Prozent.

Alkohol häufigstes Problem

Mindestens ein Viertel der 12- bis 25-Jährigen hat einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zufolge Drogenerfahrung. Insgesamt sind nach Zahlen des Fachverbands Sucht 120 000 bis 150 000 Menschen in Deutschland drogensüchtig. Außerdem gebe es 1,5 Millionen Alkoholabhängige. Weitere 2,4 Millionen Menschen trinken dem Verband zufolge regelmäßig zu viel. Alkohol bleibt nach Angaben des Caritas-Fachverbands Kreuzbund das häufigste Problem. Mehr als die Hälfte der Elfjährigen in Europa habe bereits mindestens einmal im Leben Alkohol getrunken.

Die Gründe für den Drogenkonsum haben sich nach den Worten des Sucht-Experten deutlich gewandelt. »Vor 30 Jahren wollten Gymnasiasten mit Drogen ihr Bewusstsein erweitern. Heute sind es die armen Schweine, die Drogen nehmen«, sagte Hüllinghorst. »Es muss in die Lebensbedingungen junger Menschen investiert werden, damit sie es immer weniger nötig haben, ihr Leben mit Hilfe von Suchtmitteln zu gestalten.«

Beunruhigende Entwicklung im Osten

Beunruhigend sei die Entwicklung des Drogen-Markts im Osten Deutschlands, der den Westen inzwischen weitgehend eingeholt habe. Während 1993 einer Umfrage zufolge 17 Prozent der befragten ostdeutschen Jugendlichen schon illegale Drogen angeboten bekommen hätten, seien es im vergangenen Jahr bereits 43 Prozent gewesen.

Weltweit nehmen nach UN-Schätzungen drei bis vier Prozent aller Menschen regelmäßig illegale Rauschmittel. »Das Übel des Drogenmissbrauches lässt kein Land aus, ganz gleich ob reich oder arm«, sagte Annan. Die internationale Gemeinschaft muss nach seiner Überzeugung mehr dafür tun, das Verlangen nach Rauschmitteln zu reduzieren und vor allem jungen Menschen Alternativen vor Augen halten.

Hinrichtungen in China

Im Vorfeld des weltweiter Anti-Drogen-Tages am Dienstag sind in China mindestens zwei Dutzend Drogenhändler oder - Schmuggler hingerichtet worden. Dies berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua am Montag. In vielen Fällen wurde die Todesstrafe unmittelbar nach der Verhängung durch die Gerichte vollzogen. Exekutionen wurden aus verschiedenen Landesteilen gemeldet. An manchen Orten fanden öffentliche Versammlungen gegen Drogen statt, bei denen auch beschlagnahmtes Rauschgift verbrannt wurde. In Peking war eine Zeremonie für Anti-Drogen-Freiwillige vorgesehen.

Seit Anfang des Jahres hat die chinesische Polizei nach eigenen Angaben 28 163 Personen wegen des Verdachts des Rauschgifthandels festgenommen. Eines der Zentren des Drogenkonsums ist Schanghai. Hier wurden im vergangenen Jahr 12 000 Drogenabhängige registriert. In Schanghai sollten am Dienstag rund 100 Personen wegen Drogenschmuggels und -handels verurteilt werden.