"Cap Anamur" Freilassung des Chefs gefordert


Die beiden Politiker Heidemarie Wieczorek-Zeul und Harald Schartau fordern die Freilassung des inhaftierten "Cap Anamur"-Chefs. "Es kann nicht sein, dass jemand der Menschen hilft, bestraft werden soll", erklärten sie.

Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul und der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Harald Schartau haben die sofortige Freilassung des "Cap Anamur"-Chefs Elias Bierdel gefordert. In einer gemeinsamen Erklärung der beiden Politiker hieß es: "Es darf nicht zugelassen werden, dass Elias Bierdel dafür bestraft werden soll, weil er Menschen, die in große Not geraten sind, helfen wollte."

"Humanitäre Aktionen dürfen nicht kriminalisiert werden", so Wieczorek-Zeul und Schartau. Der Wirtschaftsminister erklärte, er kenne Bierdel und schätze seinen Mut und seine Entschlossenheit, sich uneigennützig für andere einzusetzen. "Das muss anerkannt und respektiert werden."

Die italienischen Behörden hatten Bierdel, den Kapitän des Rettungsschiffes "Cap Anamur", Stefan Schmidt, sowie ein weiteres Besatzungsmitglied am Montagabend verhaftet und das Schiff beschlagnahmt. Sie werfen Bierdel die Begünstigung illegaler Einwanderung vor, nachdem die Hilfsorganisation in einem tagelangen Nervenkrieg mit den italienischen Behörden erzwungen hatte, dass 37 aus Seenot gerettete afrikanischen Flüchtlinge in Sizilien an Land gehen konnten.

Die italienische Polizei hat derweil die Identität der Flüchtlinge bekannt gegeben. Nach ersten Ermittlungen sollen sie nicht aus dem Sudan, sondern aus Ghana und Nigeria stammen. Die "Cap Anamur" hatte die 37 in einem Schlauchboot im Mittelmeer treibenden Afrikaner vor drei Wochen an Bord genommen.

Sie wurden nach ihrer Ankunft in Sizilien in ein Aufnahmelager gebracht. Es wird erwartet, dass sie dort einen Antrag auf Asyl in Italien stellen. Bei einem ablehnenden Bescheid droht ihnen die Abschiebung. Die Bundesregierung erklärte zudem, dass die Flüchtlinge kein Asyl in Deutschland beantragen könnten. "Ein deutsches Schiff ist kein deutsches Hoheitsgebiet", sagte der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Rainer Lingenthal.

Das UN-Flüchtlingswerk (UNHCR) sprach sich angesichts des Flüchtlingsdramas für eine Weiterentwicklung des europäischen Flüchtlingsrechts aus. Die Entwicklung in Italien zeige, dass ein gemeinsamer europäischer Asylantrag und eine Lastenverteilung zwischen den EU-Mitgliedern notwendig sei, sagte der Sprecher des UNHCR in Deutschland, Stefan Telöken, der "Berliner Zeitung".


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