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Hof überschwemmt "Das Schreien der Kühe werde ich nie vergessen": Euskirchener Bauer schildert Hochwasser-Drama

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"War ja hier gruselig, dieses Schreien der Kühe, das werde ich nie vergessen. Dieses Brüllen den ganzen Tag über, das sind so Momente, die wirst du nie vergessen. Weil du stehst ja machtlos davor. Wir haben überlegt, kann man die mit der Hand melken? Aber das ist ja Irrsinn. Du kriegst ja nicht hundert Kühe mit der Hand gemolken, mit zwei, drei Männeken" , sagt der Euskirchener Milch- und Pferdebauer Stefan Brock, dessen Hof von den Hochwassern Mitte Juli stark überschwemmt wurde. Doch nicht nur ihn hat die Flutkatastrophe in Mitleidenschaft gezogen, vor allem seine Tiere waren einer extremen Stresssituation ausgesetzt, viele starben. Wegen des Stromausfalls konnten viele Kühe mehr als 24 Stunden nicht mehr gemolken werden. "Die, die ja morgens früh nach den 24 Stunden nicht melken, schon die ersten toten Tiere hier liegen gehabt. Oder mehr, die, die wir eingeschläfert haben, morgens, um die zu erlösen. Das waren Momente, die will man eigentlich nicht mehr erleben. Nach dem Hochwasser, die Tiere haben die Kälber abgesetzt, weil das auch absolute Stresssituation für die Tiere bis heute noch ist." Sein Hof ist der erste hinter der Steinbachtalbrücke in NRW. Jener Damm, der sich in der Hochwassernacht vom 14. Auf den 15. Juli prall füllte und tagelang unter Verdacht stand, den Wassermassen nicht Stand zu halten. "Wir haben hier gescheppt wie die Verrückten, Wasser gescheppt, Dämme gebaut, den Sand aus der Reithalle rausgeholt und ihn hier vorgelegt, dass nur kein Wasser in die Stallungen kam, die Wege hier rausgebaggert, und das war so ein Wettlauf mit der Zeit, den du merktest, immer mehr zu verlieren." Pferde, die tot im Wasser aufgefunden wurden, seien diejenigen gewesen, die sich bei Evakuierungsversuchen losgerissen hätten und in die Fluten geraten seien, sagt Brock. "Auf den Punkt hier haben wir dann die richtigen Entscheidungen getroffen und haben die Pferde hier gelassen, weil, wenn wir mit benachbarten Betrieben spricht, alle evakuierten Pferde waren meistens die, die in eine Strömung geraten sind. Die Pferde sind nicht mehr zu händeln und die waren hier relativ ruhig, weil das Wasser zwar rein schoss, aber relativ ruhig noch war. Und das ist auch so eine Erfahrung, die wir gemacht haben, dass Pferde unheimlich viel wegstecken können." 40 Prozent weniger Milch könne Brock nun noch abgewinnen. Auch seine Futterweiden wurden schwer beschädigt. Zwar seien diese nicht lange unter Wasser gewesen, doch durch zurückgebliebenes Treibgut und Schlamm könne Stroh und Heu nicht mehr abgeerntet werden.
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Bei den Überschwemmungen in Nordrhein-Westfalen hat Milch- und Pferdebauer Stefan Brock viele Kühe verloren. Sie konnten wegen des Stromausfalls nicht mehr gemolken werden – für die Tiere eine Qual.

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