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Anschläge in Frankreich Ganz Paris träumte von der Liebe

Paris - wie wir es lieben
Paris - wie wir es lieben
© Philippe Wojazer/ Reuters
Wir alle haben ein Paris-Klischee im Kopf. Die Liebe, das gute Essen, die Schönheit, die Leichtigkeit. Was machen der Hass und das Blut mit der schönsten Stadt Europas? Und was machen sie mit uns?
Ein Kommentar von Sophie Albers Ben Chamo

J'ai deux amours/ mon pays et Paris

(Mein Herz gehört zwei Orten - meinem Land und Paris, Josephine Baker)

Paris ist ein Traumbild. DAS europäische Traumbild. Hier passiert alles mit Leidenschaft: die Liebe, das Essen, das Leben, die Kunst. Davon erzählen Tausende Chansons, Bücher, Filme, Gemälde, Fotos und Abermillionen Touristen, die in den Straßen von Frankreichs Hauptstadt danach suchen. Alle wollen ein Stück von der Stadt der Lichter. "Wenn du das Glück hast, als junger Mensch in Paris gelebt zu haben, wird es dich für den Rest deines Lebens begleiten", schrieb schon Ernest Hemingway. Paris, das ist Picasso, das ist Edith Piaf, das ist Lagerfeld, das ist Zaz.


Am Samstagmorgen sind die Lichter zerschlagen, die Liebe findet sich in Telefonanrufen und Textnachrichten wieder, wenn Menschen fragen, ob es ihren Liebsten gut geht. Vielen ist der Appetit vergangen. Und das Leben, das Leben geht weiter. Schockstarr nach den Terroranschlägen vom Vorabend, die hundertfach den Tod an diesen Sehnsuchtsort gebracht haben. Die das schöne Bild aufs Neue zerreißen wollen, das nach den Anschlägen auf das Satire-Magazin "Charlie Hebdo" und einen jüdischen Supermarkt am 7. Januar 2015 gerade erst wieder restauriert schien. Und sie wollen es nicht nur mit Schock und Angst, sondern mit ihrem eigenen Bild ersetzen: "Hauptstadt der Unzucht und Laster" wird Paris in einem Bekennerschreiben genannt.

Unter der pittoresken Oberfläche

Ist "unser" Paris noch zu retten?

Ein klares Ja soll hier stehen, denn diese Stadt symbolisiert auch eine der größten Errungenschaften unserer Zivilisationsgeschichte: die Aufklärung. Die brachte den Humanismus. Die Trennung von Staat und Kirche. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Unter der pittoresken Oberfläche steht ein jahrhundertealtes Fundament von bestechender Schönheit.

Die Hoffnung ist, dass die neue Welle der Gewalt gegen die Freiheit des Menschen nicht nur zu mehr Politik der Angst führen und für Zulauf bei der Front National sorgen wird, sondern dazu, dass der Wert des Fundaments, auf dem es sich so leicht und frei leben lässt, erkannt, geschätzt und verteidigt wird. Mit den Mitteln, die dieses Fundament uns gegeben hat: Vernunft und Demokratie.

In Paris passiert alles mit Leidenschaft: auch das Überleben.

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