Blutbad in Sittensen "Ein katastrophaler Fall"

Der sechsfache Mord in einem China-Restaurant im niedersächsischen Sittensen gibt den Ermittlern weiter Rätsel auf. Aus Sicherheitskreisen verlautete, der Fall deute auf organisierte Kriminalität hin. Indes kämpft der vermutlich einzige Zeuge um sein Leben.

Rätselhafter Sechsfachmord im China-Restaurant: Drei Frauen und drei Männer sind in der Nacht zu Montag im niedersächsischen Sittensen erschossen worden. Ein weiterer Mann wurde nach Polizeiangaben lebensgefährlich verletzt. Die Opfer aus Asien waren teilweise gefesselt. Die Hintergründe des Verbrechens seien noch völlig unklar, sagte ein Polizeisprecher: "Eine solche Tat hat es in Norddeutschland noch nicht gegeben." Aus Sicherheitskreisen verlautete, der Fall deute auf organisierte Kriminalität hin. In die Ermittlungen wurde das Bundeskriminalamt eingeschaltet.

Auch mehr als 20 Stunden nach der Tat untersuchten Polizeispezialisten am Montagabend noch den Tatort. Das Verbrechen wurde nach Polizeiangaben von einem 47-Jährigen entdeckt, der gegen 0.30 Uhr seine Frau von der Arbeit in dem Restaurant abholen wollte. Der Mann fand die Erschossenen - unter den Opfern befand sich auch seine Frau. Bei den Getöteten handelt es sich den Angaben zufolge um Asiaten, deren Nationalität noch unklar ist.

Ob es sich bei der Bluttat um einen Überfall oder einen gezielten Anschlag chinesischer Mafiabanden handelt, mochte die Polizei zunächst nicht bewerten. Ein Familiendrama sei aber vermutlich auszuschließen. Bislang sei das China-Restaurant in keiner Weise bei der Polizei auffällig geworden.

Der durch Schüsse lebensgefährlich Verletzte wurde noch am Tatort von Notärzten behandelt. Sein Zustand wird als sehr kritisch beschrieben. Er gilt als einziger Zeuge des Verbrechens.

Das Restaurant befindet sich in einem belebten Teil der Innenstadt von Sittensen. Die Polizei vermutet, dass die letzten Gäste das Restaurant am Sonntagabend gegen 23.30 Uhr verließen und wenig später das Blutbad begann.

Nach Polizeiangaben waren die Getöteten teilweise gefesselt. Die Leichen lagen in verschiedenen Räumen des Restaurants im ersten Obergeschoss eines Geschäftshauses in der Innenstadt von Sittensen. "Zu der genauen Situation in dem Restaurant werden wir keine Angaben machen, weil es sich um Täterwissen handelt", sagte ein Polizeisprecher.

Opfer noch nicht identifiziert

Wer die Opfer sind, steht nach Polizeiangaben noch nicht fest. Die Identifikation der Toten sei noch nicht abgeschlossen, sagte ein Polizeisprecher am Abend. Zu dem Zeitpunkt befanden sich die Leichen noch in dem Gebäude. Nach unbestätigten Informationen handelt es sich um das Inhaber-Ehepaar sowie die Angestellten des Restaurants.

Auch am späten Abend sicherten die Ermittler in dem hell erleuchteten Restaurant in der Innenstadt noch Spuren. Die Beamten der örtlichen Polizei und des niedersächsischen Landeskriminalamtes wurden dabei von Spezialisten des Bundeskriminalamtes unterstützt.

Polizei hofft, Tathergang rekonstruieren zu können

Eine Sprecherin des Bundeskriminalamtes (BKA) in Wiesbaden sagte: "Von uns ist eine Tatortgruppe vor Ort." Die Gruppe sei von der Landespolizei angefordert worden. Die BKA-Beamten seien Fachleute für die Spurensicherung. Sie unterstützten ihre niedersächsischen Kollegen bei der Arbeit. BKA-Beamte greifen in der Regel auf Anforderung in Ermittlungen ein.

Anhand der Tatortspuren hofft die Polizei den Hergang des Blutbades rekonstruieren zu können. Mit ersten Ergebnissen rechnet die inzwischen eingerichtete Sonderkommission nicht vor Dienstagmittag.

Parallel dazu sucht die Polizei sämtliche Gäste, die das China- Restaurant am Sonntagabend besucht haben. Zugleich fragt sie nach verdächtigen Beobachtungen und insbesondere nach Fahrzeugen sowohl in Sittensen als auch auf der nahe gelegenen Autobahn A1. Das China- Restaurant befindet sich in der Nähe zur Auffahrt Sittensen der Autobahn A1.

Am Abend legten einige Einwohner von Sittensen Blumen vor dem Restaurant nieder und entzündeten zum Gedenken an die Ermordeten Kerzen. Das China-Restaurant galt als besonders beliebt in der 10- 000-Einwohner-Stadt. Es war 1997 eröffnet worden.

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) zeigte sich erschüttert: "Meines Wissens gab es in Niedersachsen nichts Vergleichbares. Mit sechs Ermordeten ist dies ein katastrophaler Fall."

DPA DPA

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