Brand in Berlin Der Kampf um die Philharmonie


Großbrand in der weltberühmten Berliner Philharmonie: In einem Dach bricht am Nachmittag ein Feuer aus. Inzwischen ist der Brand unter Kontrolle, die Löscharbeiten dauern noch an. Die Philharmoniker lassen sich nicht unterkriegen: The Show must go on - und zwar schnell.
Von Kristina Pezzei, Berlin

Um 13.57 Uhr klingelt bei der Polizei der Notruf 112. "Aus der Philharmonie qualmt es", sagt ein Anrufer. Seinen Namen nennt er nicht, die Berliner Feuerwehr nimmt den Alarm trotzdem ernst. Sechs Minuten später sind die ersten Einsatzfahrzeuge vor Ort. "Als wir eintrafen, sahen wir unsere schlimmsten Erwartungen leider erfüllt", sagt der ständige Vertreter des Landesbranddirektors von Berlin, Karsten Göwecke. Es brennt unterm Dach, der Brandherd ist schwer zu erreichen. Göwecke und seine Mannschaft fordern Verstärkung aus den anderen Bezirken an.

Zur gleichen Zeit will die Intendantin der Stiftung Berliner Philharmoniker, Pamela Rosenberg, im Foyer des Hauses ein Interview für einen Radiosender geben. Das Lunchkonzert, dem etwa 800 Leute zuhörten, ist gerade zu Ende. "Als man mir sagte: 'Hier ist ein Feuer, gehen Sie sofort raus', da dachte ich erst, das ist ein Scherz", sagt sie. "Natürlich bin ich trotzdem nach draußen, und dann habe ich den Rauch gesehen." Das Feuer brach ersten Erkenntnissen zufolge im Zwischenraum zwischen Innen- und Außendach in etwa 50 Metern Höhe aus.

"Möglicherweise waren Schweißarbeiten in dem Bereich am Vormittag die Ursache", sagt Göwecke. Sicher ist er sich nicht, die Polizei ermittelt. Unter dem betroffenen Bereich liegen Technikräume, darunter Konzertsäle. Die 150 Einsatzkräfte versuchen, von außen an den Brandherd zu kommen. Sie arbeiten mit Wärmekameras und Löschschaum. Von innen kommen sie nicht weiter, der Rauch ist dick.

Der beißende Geruch ist auch in die Aufführungsräume gekommen. Das Mittagskonzert ist zwar zu Ende, die Besucher verlassen das Gebäude am Potsdamer Platz ohne Panik - die Instrumente aber sind in Gefahr. "Einer meiner ersten Gedanken war: 'Was ist mit meinem persönlichen Instrument?'", erzählt der Sprecher des Orchester-Vorstands, Peter Riegelbauer. Schon der materielle Wert sei immens, der ideelle Wert unschätzbar. "Das könnten Sie gar nicht mehr ersetzen."

Riegelbauer und seine Musiker packen sofort mit an, bringen die tragbaren Instrumente in Sicherheit. Die Feuerwehr hilft mit und versucht gleichzeitig, weiter zu löschen. Als einen Spagat bezeichnet ein Helfer den Einsatz. Göwecke: "Vordringlich ist, dass das Feuer nicht ausbricht, die Folgen des Löschschaums sind zweitrangig." Wenige Meter unter dem Brandherd befinden sich Konzertsäle.

Auf den Zufahrtsstraßen zum Potsdamer Platz stauen sich derweil die Autos. Schaulustige und Touristen sind angelockt, die von Hans Scharoun erbaute Philharmonie zählt zu den schönste Konzerthäusern der Welt. Sie filmen die Feuerwehrmänner, die schemenhaft im Dunst auf dem Philharmonie-Dach auszumachen sind.

Vorläufig keine Konzerte

Intendantin Rosenberg ist immer noch im Foyer und gibt den dutzenden Medienvertretern Interviews. Sie ist sichtlich aufgewühlt, ihre Augen sind gerötet. "Ich versuche, Ruhe zu bewahren und die nächsten Schritte zu planen." Eine für den Nachmittag geplante Probe, bei der 400 Kinder dabei sein sollten, ist abgesagt. Die Konzerte am Abend sind ebenfalls gestrichen. Später wollten sich die Intendantin und ihre Berater zusammensetzen, um Notfalllösungen für die kommenden Tage zu diskutieren. Ein ausgefallenes Konzert bedeutet einen Verlust in sechsstelliger Höhe. "Wir hoffen, dass die Aufführungen ab morgen wieder stattfinden können, und wenn es irgendwo in der Stadt ist", sagt die Intendantin.

Die Einsatzkräfte kämpfen weiter gegen Brand und Qualm. Göwecke sagt, es bestehe jedoch keine Einsturzgefahr für die Philharmonie. Ein herbeigeeilter Staatsekretär erinnert an den kulturellen Wert der Philharmonie. "Sie steht ja für Berlin wie das Brandenburger Tor", sagt er. "Unsere ganzen Hoffnungen ruhen auf den Feuerwehrleuten."

In der Philharmonie wird es vorläufig keine Konzerte geben. Es müsse erst untersucht werden, ob die Statik des Gebäudes beschädigt sei, sagte ein Feuerwehr-Sprecher. Etwa 1600 Quadratmeter des Daches sind beschädigt.

Eine Sprecherin der Philharmonie sagte im RBB-Inforadio, dass das Dach des Konzerthauses neu gedeckt werden müsse. Für die am Wochenende geplanten Konzerte mit dem Stardirigenten Claudio Abbado werde noch ein Aufführungsort gesucht. Infrage kommen etwa die Waldbühne oder das Konzerthaus am Gendarmenmarkt.


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