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Brand in Ludwigshafen: Zweifel an Aussagen über Brandstifter

Die Hintergründe der Brandkatastrophe von Ludwigshafen sind weiter unklar. Das erhoffte Phantombild eines möglichen Täters liegt bislang nicht vor, stattdessen wachsen die Zweifel an Zeugenaussagen über einen Brandstifter im Flur des Hauses. Inzwischen sucht die Polizei den Brandherd auch im Keller.

Eine Woche nach der schweren Feuerkatastrophe von Ludwigshafen wachsen die Zweifel an Zeugenaussagen über einen Brandstifter im Flur des Hauses. Inzwischen vermute die Polizei den Brandherd im Keller des von Deutsch-Türken bewohnten Gebäudes, berichtete das Magazin "Der Spiegel" am Samstag vorab unter Berufung auf Brandermittler der Polizei. Sie stützten sich auf Angaben eines älteren Bewohners, der von seinen beiden Enkeltöchtern auf Brandgeruch aufmerksam gemacht worden und im Erdgeschoss auf eine brennende Kellertür gestoßen sei. Eine Angehörige der Opfer und ein früherer Mieter berichteten von einer seit Jahren maroden Haus-Elektrik.

Mit einer Trauerfeier werden Deutsche und Türken an diesem Sonntag Abschied von den neun Todesopfern der Brandkatastrophe in Ludwigshafen nehmen. Währenddessen suchen Ermittler der Polizei in dem zerstörten Wohnhaus weiter nach der Brandursache. Die Flammen in dem von Türken bewohnten Haus hatten am vergangenen Sonntag vier Frauen und fünf Kinder getötet, 60 Menschen waren verletzt worden.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, der die Unglücksstelle am Donnerstag besucht hatte, warnte erneut vor vorschnellen Urteilen. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz sagte Erdogan am Samstag, Medien in Deutschland und der Türkei müssten zurückhaltend über die Ereignisse berichten. "Man darf nicht voreilige Schlüsse ziehen, man darf nicht jetzt schon Urteile fällen", sagte er.

Keine mögliche Brandursache wird ausgeschlossen

Nach dem Brand hatte es Gerüchte über einen fremdenfeindlichen Anschlag gegeben. In der Türkei führte dieser Verdacht über Tage zu Kritik an den Ermittlungen, doch am Samstag fuhren die Zeitungen ihre Berichterstattung über das Unglück zurück. Die Toten sollen zur Bestattung in ihre Heimat übergeführt werden. Sie gehörten wie alle Hausbewohner zu einer Großfamilie, die aus der Stadt Gaziantep in Anatolien stammt.

Die Sonderkommission der Polizei schließe weiterhin keine mögliche Brandursache aus, sagte Polizeisprecher Volker Klein am Samstag: "Wir legen uns nicht fest." Am Freitag konnten die Experten nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frankenthal erstmals in den Keller des ausgebrannten Hauses vordringen. Erst jetzt, wo der Brandort begehbar sei, könnten die technischen Systeme des Hauses "nach dem Ausschlussverfahren" überprüft werden, erläuterte Klein. Er äußerte sich zurückhaltend zu detaillierten Berichten verschiedener Medien über mögliche Brandursachen, wie einer veralteten Elektrik des Hauses. Klein bestätigte lediglich: "Die Elektrik ist Untersuchungsgegenstand".

Die Vermutung einer Brandstiftung stützte sich vor allem auf die Aussage zweier Mädchen, sie hätten einen Mann beim Zündeln gesehen. Das Magazin "Focus" berichtete indes, die Polizei zweifele an der Schlüssigkeit dieser Zeugenaussagen. Die acht und neun Jahre alten Kinder hätten nur vage Angaben gemacht und sich bei der Beschreibung des angeblich beobachteten Mannes widersprochen. Polizeisprecher Klein machte keine Angaben darüber, in welcher Sprache die Mädchen ihre Aussage gemacht hätten: "Wir werden als Polizei nichts dazu sagen."

An der Trauerfeier am Sonntag um 12.30 Uhr vor dem zerstörten Haus werde für die Bundesregierung die Integrationsbeauftragte Maria Böhmer (CDU) teilnehmen, sagte ein Sprecher. Das Land Rheinland-Pfalz wird nach Angaben der Staatskanzlei in Mainz durch Innenminister Karl Peter Bruch (SPD) vertreten.

DPA/Reuters / DPA / Reuters