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Krzysztof Charamsa Wie geht es für den Priester nach seinem Coming-out weiter?

Krzysztof Charamsa steht im schwarzen Priestergewand mit Hemd und Jacke neben seinem Mann Eduardo, der seinen Arm um ihn legt.
Monsignore Krzysztof Charamsa will nun erst einmal zu seinem Lebensgefährten nach Barcelona ziehen
© Tiziana Fabi/AFP
Der Priester Krzysztof Charamsa hat sich als schwul geoutet - und steht nun vor dem unumkehrbaren Rauswurf aus der Kirche sowie vor der Arbeitslosigkeit. Ehemalige Priester wie er haben es schwer außerhalb des Klerus.

Krzysztof Charamsa hat sich vor aller Öffentlichkeit als homosexuell geoutet, seinen Lebensgefährten gleich der Presse vorgestellt - und all seine Ämter im Vatikan verloren. Der Priester war bis dato Mitglied der Glaubenskongregation und seit zwölf Jahren Funktionär der Römischen Kurie, Theologe und zusätzlich Dozent an zwei päpstlichen Hochschulen. All diese Aufgaben darf er nun nicht weiter ausüben.

Ob er Priester bleiben darf, ist nicht Angelegenheit des Vatikans, sondern die seines Heimatbistums im polnischen Pelplin. Die sogenannte Laisierung von Priestern, also ihre Rückversetzung in den Laienstand, wird dem Vatikan grundsätzlich vom zuständigen Bistum mitgeteilt. Zuständig ist immer das Bistum, in dem der Priester einst geweiht worden ist. An die Weihekirche ist ein Priester auf Lebenszeit gebunden. Unter Theologen heißt es: Er ist dort inkardiniert, selbst wenn er in Rom arbeitet; dorthin wird ein Priester dann nur ausgeliehen. Damit ist das Bistum auch kirchenjuristisch für den Priester verantwortlich.

Bistum stellt sich gegen seinen Priester

Darüber hinaus kann der Vatikan im Allgemeinen darauf vertrauen, dass seine Bistümer die geltenden römisch-katholischen Gesetze auch beachten und umsetzen. Würde Charamsas Bistum nun wider Erwarten doch entscheiden, dass er Priester bleiben darf, würde der Vatikan sich jedoch höchstwahrscheinlich ins Einvernehmen setzen - und selbst über den Fall abstimmen.

Dass das Bistum in Polen Milde walten lässt, gilt jedoch als höchst unwahrscheinlich. Die polnische Diözese sähe es am liebsten, wenn der Priester sein Coming-out einfach zurücknähme. Am Samstag, gleich nachdem er seinen Lebensgefährten vorgestellt hatte, rief sie ihn zur "Umkehr" auf. 

Ist ein Priester erst laisiert, ist er auf alle Zeit vom Priesteramt ausgeschlossen und hat keine Rückkehroption zu einem Amt in der Katholischen Kirche.

Wie geht es für ehemalige Priester weiter?

Damit können große Probleme auf ihn zukommen. Zusätzlich zur Arbeitslosigkeit - in vielen Fällen wie bei Charamsa von einen Tag auf den anderen - droht dem laisierten Priester nun finanzielle Not - trotz einer umfassenden akademischen Ausbildung.  Während ihrer Vorbereitung absolvieren sie zusätzlich zu einer sechsmonatige Einführung zur spirituellen und pastoralen Vorbereitung ein fünfjähriges Theologie- und Philosophiestudium und eine Ausbildung am Priesterseminar. Dennoch haben Priester außerhalb der Kirche kaum Absicherungen für die Zukunft.

Es gibt Organisationen, die sich um ausgeschlossene Geistliche kümmern. Wie etwa die Vereinigung katholischer Priester und ihrer Frauen (VKPF). Die kümmert sich allerdings in erster Linie um heterosexuelle Priester, vertritt also die Interessen zölibatsbrüchiger Priester. Der Vorsitzende Claus Schiffgen sagt: "Für einen Priester ist das deutlich dramatischer als für viele andere Menschen." Denn Priester haben in der Regel keine Arbeitslosenversicherung, nur minimale Rentenansprüche und keine Erfahrung in der Berufswelt außerhalb der Kirche.

Schiffgen schätzt, dass ungefähr 20 Prozent aller lebenden Priester weltweit vom Dienst suspendiert sind - für Deutschland schätzt er denselben Anteil - die meisten von ihnen wegen Beziehungen zu Frauen. Doch auch den Anteil der (nicht suspendierten) homosexuellen Priester schätzt Charamsa als sehr hoch ein: Der polnischen Ausgabe des Magazins "Newsweek" sagte er, der Klerus sei "überwiegend homosexuell". Der Vatikan verurteilte Charamsas Äußerungen als "sehr schwerwiegend und unverantwortlich".

Charamsa zieht zu seinem Lebensgefährten nach Spanien

Sein größtes Problem sei jetzt, seine Habseligkeiten in zwei Koffern unterzubringen, bevor er aus dem römischen Konvent ausziehe, wo er bisher wohne, sagte er der Presse. Er wolle jetzt zu seinem Lebensgefährten ziehen: "Das Ticket für Barcelona habe ich schon, danach suche ich mir dort Arbeit."

Den Zeitpunkt für sein Coming-out hat Charamsa sehr bewusst gewählt: Unmittelbar bevor Bischöfe aus aller Welt auf einer Synode über die Einstellung der Kirche zu Ehe, Familie und Sexualität beraten. Seit Sonntag debattieren die Männer über theologische Feinheiten und Formulierungen, mit denen die Kirche sich vor der Öffentlichkeit zu diesen Themen äußern soll - im stillen Wissen, dass nicht jeder, der Christ ist, sich an deren antiquierte Vorgaben zu Liebe, Sexualität und Verhütung hält.


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