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Dresden: "Nicht die Zustände von 2002"

Noch hat das Hochwasser in Dresden keine größeren Schäden angerichtet - noch. Am Wochenende könnte der Pegel bis auf 7,50 Meter steigen, die Evakuierung von 2000 Menschen wird vorbereitet. stern.de sprach mit Detlef Sittel, Chef des Krisenstabes.

Mehrere Uferstraßen stehen unter Wasser, Keller sind vollgelaufen, in der Altstadt türmen sich Sandsäcke. Weil die Pegel der Elbe geleichwohl weiter steigen, müssen vermutlich 2000 Dresdner in Sicherheit gebracht werden - die Vorbereitungen laufen schon. Detlef Sittel, Chef des Krisenstabes, ist dennoch gelassen. "Die Botschaft ist: Wir erreichen nicht annähernd die Zustände von 2002", sagte er im Gespräch mit stern.de. Nach aktuellen Prognosen wird der Pegel in der Nacht zum Samstag oder am Wochenende bis auf zirka 7,50 Meter steigen - bei der Flut 2002 wurden 9,40 Meter gemessen. Die Schneeschmelze im Riesengebirge sowie starke Regenfälle in Tschechien haben das aktuelle Hochwasser ausgelöst.

Für die Altstadt - wo die Semperoper und der Zwinger liegen - bestehe keine Gefahr, so Sittel. Unfälle mit Personenschaden hat es seiner Kenntnis nach noch nicht gegeben. Ab einem Pegelstand von 7 Metern werden die Evakuierungsmaßnahmen realisiert, betroffen wären auch zwei Altenheime. "Wir wollen niemanden zu früh aus dem Haus holen", sagte Sittel. Die meisten Anwohner in Elbnähe hätten nach der Flut 2002 selbst Maßnahmen ergriffen, um sich und ihre Häuser in vergleichbaren Situationen zu schützen. Darüber hinaus sind Feuerwehr und technisches Hilfswerk in der Stadt im Einsatz.

Die 800-Jahr-Feier Dresdens, die am Wochende zelebriert werden soll, soll dennoch nicht ins Wasser fallen. "Zu 800 Jahren Dresden gehört auch das Hochwasser", scherzt Sittel, "wir integrieren es einfach in unser Festtagsprogramm." Die Veranstaltungen können wie geplant stattfinden, allerdings würden einige Honoratioren - darunter er selbst - berufsbedingt nicht teilnehmen können. Auch die Elbschifffahrt für Touristen muss einen Nachteil in Kauf nehmen: Die Saisoneröffnung, die ebenfalls für das Wochenende vorgesehen war, fällt laut Sittel aus. Derzeit dürfe die Elbe im Hochwassergebiet nicht beschifft werden, weil die Boote nicht unter den Brücken durchkämen.

Strom abgeschaltet

In der Sächsische Schweiz wurde am Donnerstag der Katastrophenalarm auf Pirna ausgedehnt. Die Stadtteile, die direkt an der Elbe liegen, sollen evakuiert werden, sagte Annette Hörichs, Sprecherin des Landkreises. In Bad Schandau hatten am Mittwochabend bereits rund 1000 Menschen ihre Häuser verlassen müssen. Stellenweise wurde dort sogar der Strom abgeschaltet - aus Sicherheitsgründen.

Statt in die Notunterkünfte zu ziehen, hatten es viele Bad Schandauer vorgezogen, die Nacht bei Verwandten oder Bekannten zu verbringen. Ähnlich werden sich die Einwohner von Pirna verhalten, trotzdem habe der Landkreis eine Berufsschule zur Notunterkunft umfunktioniert, sagte Hörichs.

Abwarten in Niederbayern

In Niederbayern sei der Pegel der Donau rückläufig, teilte ein Polizeisprecher am Donnerstagmorgen mit. In der Passauer Altstadt stand die Donau bei 8,45 Meter und damit rund 30 Zentimeter niedriger als noch am Abend. Dennoch gebe es keine Entwarnung. "Wir müssen abwarten, was die Schneeschmelze noch bringt", sagte der Polizeisprecher.

Aufgrund der jüngsten Hochwasserkatastrophen will die Bundesregierung nun mehr Geld in Frühwarnsysteme investieren. Wie das Bildungsministerium mitteilte, wird ein Forschungsprogramm zum "Risikomanagement extremer Hochwasserereignisse" aufgelegt. Es ist mit 20 Millionen Euro dotiert.

lk/dpa/Reuters / Reuters