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Schwere Verbrennungen Gefährliche TikTok-Challenge: 13-Jährige liegt auf Intensivstation

Das Logo der TikTok-App
Bei einer TikTok-Challenge hat eine 13-Jährige sich selbst in Brand gesetzt (Symbolbild)
© Kiichiro Sato / AP
Sie hatte vermutlich eine TikTok-Challenge nachfilmen wollen und sich dabei selbst in Brand gesetzt: Seit zwei Wochen liegt eine 13-Jährige aus den USA nun auf der Intensivstation.

Laut ihrer Mutter lebt die 13-jährige Destini für die Social-Media-App TikTok und die Videos, die dort hochgeladen werden. Vermutlich wollte das Mädchen aus den USA auch Mitte Mai wieder eines dieser Videos, das sie auf der Plattform gesehen hatte, selber nachstellen und ging dafür mit einer Kerze, einem Feuerzeug und Reinigungsalkohol ins Badezimmer. Ihre Familie mutmaßt, dass sie eine sogenannte TikTok-Challenge nachfilmen wollte, bei der man mit einer brennbaren Flüssigkeit eine Form oder einen Umriss auf einen Spiegel malt und die Flüssigkeit daraufhin anzündet. Doch der vermeintliche coole Effekt, der dabei entstehen sollte, kostete die Siebtklässlerin fast ihr Leben. "Ich war im Wohnzimmer und sprach mit meiner Mutter und ich hörte Destini meinen Namen schreien", erinnert sich Kimberly Crane, Destinis Mutter, im Interview mit "ABC News".

"Also ging ich hin und öffnete die Badezimmertür und alles stand in Flammen. Destini stand in Flammen. Alles im Badezimmer stand in Flammen." Der Reinigungsalkohol war in dem schlecht belüfteten Badezimmer explodiert und hatte dabei Destini und einige Gegenstände in Brand gesetzt. Kimberly Crane gelang es, ihre Tochter aus dem Zimmer zu befreien und ihr das brennende Oberteil auszuziehen, ein Nachbar wählte den Notruf. Als die Familie Destinis Handy aus dem Badezimmer holte, soll die TikTok-App geöffnet gewesen sein und weiterhin ein Video aufgezeichnet haben. 

"Das wird eine lebenslange Sache sein"

Seit mehr als zwei Wochen befindet sich die Teenagerin nun auf der Intensivstation eines Krankenhauses. Sie kann bisher nicht sprechen und erzählen, was genau passiert ist. Aufgrund der Gegenstände, die ihre Familie im Bad gefunden hat, Gesprächen mit Destinis Freunden und ihrer Liebe für die Plattform besteht für ihre Familie jedoch kein Zweifel: An einer TikTok-Challenge teilzunehmen, hat Destini in Lebensgefahr gebracht. Bisher musste die Siebtklässlerin sich aufgrund von schweren Verbrennungen an Hals und rechtem Arm drei Hauttransplantationen unterziehen, auch ihren verletzten Arm kann sie bisher nicht benutzen. "Wegen der Verbrennungen wird sie in ihrer Mobilität eingeschränkt sein", sagt ihre Schwester Andrea Crane "ABC News". "Das wird einfach eine lebenslange Sache sein, dass sie Physiotherapie machen muss, um ihre Mobilität zu erhalten."

Lange Monate der Genesung liegen vor Destini. Ihre Familie hofft nun, dass sie bald auf die Verbrennungsstation verlegt werden kann. Anschließend soll sie in einer stationären Reha wieder lernen, ihren verletzten Arm zu gebrauchen und die Beweglichkeit ihres Nackens, der Schultern und ihrer Finger wiedererlangen. "Ich weiß, dass sie wahrscheinlich durchdrehen wird, wenn sie aufwacht und es vollständig versteht", sagt ihre Mutter. "Aber ehrlich gesagt glaube ich, dass sie stark genug ist, um es zu überstehen."

Destinis Familie will nun warnen

Um ihre Schwester in dieser schweren Zeit bestmöglich unterstützen zu können, ist Andrea, die an der Western Oregon University in Monmouth studiert, vorerst wieder zu Hause eingezogen: "Wir waren schon immer eine Einheit", erklärt sie "ABC News". "In Monmouth zu sein war einfach keine Option für mich, da ich hier sein wollte und meine Familie mich brauchte." Gemeinsam mit ihrer Mutter möchte Andrea jetzt auf das Schicksal ihrer Schwester aufmerksam machen und andere Familien warnen, die Online-Aktivitäten ihrer Familienmitglieder im Blick zu haben. "Ich war einfach nicht bei ihr", sagt Andrea. "Wenn Destini mir TikToks zeigte und wenn sie mir zeigte, was sie tat, sagte ich immer: 'Oh, ich bin beschäftigt' oder 'Ich mache Schularbeiten'."

Auch Mutter Kimberly hat erkannt, wie wichtig es ist, ein Auge auf die Aktivitäten der eigenen Kinder zu haben: "Es ist wirklich wichtig, bei seinen Kindern zu sein, denn wir können sie überwachen, wir haben Kindersicherungen, wir können all das tun, so viel wir wollen, aber die Dinge rutschen durch", erklärt sie "ABC News". "Es ist also wirklich wichtig, präsent bei seinen Kindern zu sein und die Transparenz zu haben: 'Hey, was machst du da gerade?'" 

Verkäuferin stellt Fremdgeher auf TikTok bloß

Um TikTok legal nutzen zu können, müssen die Nutzer:innen mindestens 13 Jahre alt sein – so alt wie Destini auch war, als sie sich wegen einer TikTok-Challenge selbst in Brand setzte. Die Kinder-Online-Sicherheitsorganisation Internet Matters erklärt, dass Jugendliche "versucht sein können, Risiken einzugehen, um mehr Follower oder Likes für ein Video zu bekommen, daher ist es wichtig, darüber zu sprechen, was sie teilen".

TikTok selbst schreibt in seinen Community-Richtlinien, dass  "gefährliche Handlungen", die "zu schweren Verletzungen oder zum Tode der Betreffenden oder unbeteiligter Dritter führen können und die außerhalb eines professionellen Kontextes oder ohne die notwendigen Fähigkeiten und Sicherheitsvorkehrungen erfolgen" nicht gestattet seien. Dazu gehören "insbesondere Amateur-Stunts sowie gefährliche Mutproben." Inspiration für ihren Selbstversuch hat die 13-jährige Destini wohl trotzdem über die gerade bei Jugendlichen beliebte Plattform erhalten. Ihr Unglück stellt dabei jedoch keinen Einzelfall dar, in der Vergangenheit gab es bereits mehrere Verletzungen und Todesfälle im Zusammenhang mit TikTok-Challenges.

+++ Lesen Sie auch zum Thema TikTok-Challenges: "Blackout Challenge": Zehnjährige stirbt bei TikTok-Mutprobe +++

Quellen:"ABC News" / TikTok / Internet Matters Org

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