HOME
Interview

Wenn die Fallschirme versagen: Freier Fall aus 1500 Metern - Dieses Gespräch ist nichts für schwache Nerven

Sein Fallschirm versagte. Dann der Reserveschirm. Das Letzte, was Dennis König vor dem Aufprall sah, waren diese Fichten. Wie durch ein Wunder überlebte er den Sturz aus 1500 Metern.

Glück im Unglück: Defekter Fallschirm – Freier Fall aus 1500 Metern

Schwer zu fassen, dass Sie uns gegenübersitzen.

Das denke ich mir oft:   Der eine läuft die Treppe runter, rutscht aus, bricht sich das Genick und ist weg. Und ich falle aus tausend Metern, lande im Baum und trinke hier gemütlich meinen Kaffee.

Es war der 20. August vergangenen Jahres. Wie war die Aussicht, bevor Sie aus der Maschine sprangen?

Herrlich. Die Sonne schien. Die Erde von oben ist ein Flickenteppich. Äcker, Wälder, Wiesen. Die schmalen Striche sind die Straßen. In der Ferne sah man den Hennesee, der ist hier im Sauerland bekannt.

Wie hoch waren Sie?

1500 Meter. Nicht besonders hoch. Ich war noch Schüler und dabei, meine Lizenz zu machen, den Führerschein sozusagen. Es war mein 39. Sprung.

Und dann ging die Tür auf …

Der Wind dröhnte, wie wenn man auf der Autobahn seinen Kopf raushalten würde. Mein Lehrer fragte noch: Bereit? Wenn ich den Kopf schüttele, geht die Tür wieder zu. Aber ich fühlte mich gut und stieg auf das Trittbrett unter dem Flügel. Man hält sich an einer Strebe fest. Das ist der krasseste Moment. Wahnsinn.

Warum?

Weil man senkrecht nach unten schaut. Da ist nichts mehr. Kurz vor dem Exit denkst du nur noch an den Sprung. Der Puls rast. Ein Adrenalinkick. Beim ersten Sprung hatte ich mir fast in die Hosen gemacht.

Dann traten Sie vom Trittbrett einen Schritt zur Seite …

… und wummm. Das ist Fliegen. Du rauschst durch die Luft. Das Wichtigste ist die richtige Körperhaltung. Du musst die Banane machen.

Dennis König bei einem seiner früheren Sprünge

Dennis König bei einem seiner früheren Sprünge

Die Banane?

Man muss kräftig ins Hohlkreuz gehen. Kopf in den Nacken. Beine und Arme auseinander. Der Bauch fliegt voraus. Der Körper ist dann so krumm wie eine Banane. Diese Position hält dich stabil.

Wie lange waren Sie im freien Fall?

Nur ein paar Sekunden. Ich wollte spätestens auf 1000 Metern den Schirm ziehen. Bis dahin hätte ich vielleicht 12, 13, 14 Sekunden gebraucht. Aber ich habe früher die Leine gezogen.

Warum?

Es war viel windiger, als ich dachte. Mein Lehrer sagte, er habe von oben gesehen, wie ich mich in der Luft überschlagen hätte. Das passiert schnell, wenn man nicht die richtige Position findet. Ich kann mich aber nicht erinnern.

Konnten Sie sich stabilisieren?

Ja, ich habe noch einmal richtig schön den Bauch durchgedrückt, kurz auf die Uhr an meinem Handgelenk geschaut. Die Nadel vom Höhenmesser vibrierte. 1300, 1200. Dann habe ich gezogen.

Und?

Eigentlich dauert es zwei Sekunden, bis der Schirm sich über dir aufgespannt hat und dich zurückreißt. Aber es ging viel schneller. Und er war mir viel näher. Sonst liegen zwischen dir und dem Schirm zwei, drei Meter. Ich hatte das Gefühl, ich könnte dranpacken. Er war klein, nur teilweise geöffnet. Normalerweise fächert er sich viel weiter auf. Und ich hing quer.

Quer?

Mit geöffnetem Schirm steht man eigentlich aufrecht in der Luft, aber weil sich eine Leine um meinen Fuß gewickelt hatte, lag ich quer. Die rechte Körperseite zeigte zum Himmel, die linke zur Erde.

Wie konnte das passieren?

Ich lag wohl in schlechter Position, als ich die Leine zog. Vielleicht eine falsche Bewegung, die mich zur Seite schlagen ließ.

König befindet sich zu diesem Zeitpunkt auf einer Höhe von ungefähr 1200 Metern. Der Flieger, aus dem er sprang, ist inzwischen abgedreht. Der Lehrer könnte ohnehin nicht mehr eingreifen. König ist auf sich allein gestellt.

Hatten Sie Panik?

So schnell nicht. Der Schirm hatte mich abgebremst. Ich war nicht mehr im freien Fall. In der Luft treten häufiger Probleme auf. Ich hatte schon oft einen Twist. Dabei sind die Leinen wie bei einer Schaukel verdreht. Jeder Schüler lernt, sich wieder auszudrehen. Aber nun lag ich quer und dachte: Wie komme ich da wieder raus?

Und?

Die Leine hing an meinem rechten Fuß. Ich bekam sie nicht weg. Fummelte rum. Auf ihr war ordentlich Spannung, und jeder Handgriff fällt dort oben schwer. Der Schirm war schon größer als ein Regenschirm, aber definitiv nicht groß genug, um sicher zu landen. Ich konnte nicht einmal die Steuerleinen sehen, die man dafür braucht, die waren wohl noch im Rucksack. Vor allem aber habe ich gemerkt, wie der Schirm und ich Fahrt aufnehmen. Ich bin immer schneller geworden.

Dennis König kurz vor einem Absprung

Dennis König kurz vor einem Absprung

Dann kam die Panik?

Na ja, ich wusste: So klappt das nicht. Aber dafür gibt es einen Reserveschirm. Bevor man den zieht, muss man den ersten Schirm trennen.

Wie hoch waren Sie, als Sie das entschieden haben?

Vielleicht auf 1000 Metern. Da war mir klar: Ich muss trennen. 500 Meter sind die Entscheidungshöhe. Da musst du allerspätestens die Reserve gezogen haben, sonst reicht es vielleicht nicht mehr.

Blieben also noch mehrere Hundert Meter?

Deswegen fühlte ich mich auch noch sicher. Vielleicht hätte ich noch länger versuchen sollen, mich aus der Leine zu entwirren. Aber ich dachte: Was soll schon passieren? Ich habe den Notschirm, der ist extra dafür. Kann nichts schiefgehen.

Und?

Ich habe mich an den Unterricht erinnert. Dennis, ganz ruhig: schauen, greifen, trennen. Einfache Regel. Weil ich Schüler bin, springt meine Reserve automatisch raus, sobald der Hauptschirm getrennt ist.

Klingt sinnvoll.

War es aber nicht. Denn das Trennen klappte nicht. Ich konnte das alles in dem Moment nicht sehen, aber im Nachhinein wurde klar, dass der Reserveschirm wohl trotzdem rausschoss und im Hauptschirm landete. Er öffnete sich nicht. Es war nur noch ein Knäuel über mir.

Das Sie nicht mehr bremste?

Genau. Von da an war ich wieder im freien Fall. Wieder in der Banane, Bauch voran. Ich habe heftig beschleunigt. Hoffte noch, dass sich irgendwas öffnet. Aber nichts.

Panik?

Ja. Jetzt konnte mich nichts mehr retten.

Aus 1000 Metern rasten Sie auf die Erde zu. Wie viel Zeit blieb Ihnen?

Genau kann ich das nicht sagen. Als ich unten ankam, hatte ich wohl schätzungsweise 120 Stundenkilometer drauf.

Wenn man das sehr grob überschlägt, blieben Ihnen noch etwa 30 Sekunden.

Kann sein.

Haben Sie geschrien?

Nein, ich war still. Das wundert mich selbst.

Kein Weinen?

Nein. Nichts. Ich dachte nur: So, Freunde, das war's! War ein schönes Leben, wir sehen uns auf der anderen Seite. Ich habe mich dann aufs Sterben konzentriert.

Die Rettungskräfte hatten Schwierigkeiten an die Absturzstelle mitten im Wald zu gelangen

Die Rettungskräfte hatten Schwierigkeiten an die Absturzstelle mitten im Wald zu gelangen

Wie meinen Sie das?

Ich dachte nur: Bitte lass es schnell gehen. Bitte lass mich tot sein, wenn die Gedärme rauskommen.

Kein Funken Hoffnung mehr?

Nein. Boden. Tot.

Oh, Mann.

Ich hatte Angst vor den Schmerzen, bevor ich sterbe.

War das der einzige Gedanke?

Später in der Klinik war ein Mann in meinem Zimmer. Motorradunfall. Der war quer durch die Luft geflogen, hatte zwei kleine Bäume rausgerissen, 20 Knochen gebrochen. Der hatte nur Bruchteile von Sekunden, bis er aufschlug. Aber der sagte, das Leben sei wie ein Film an ihm vorbeigelaufen. So was hört man ja öfter. Ich hatte viele Sekunden, und vor meinen Augen ist nichts abgelaufen. Da war nichts. Nur ein paar Bilder von meiner Freundin und meinen Freunden.

Welche Bilder?

Weiß ich nicht mehr.

Auch Bilder Ihrer Eltern?

Ich glaube nicht.

Hatten Sie die Augen geschlossen?

Nein, ich schaute auf die Erde. Hab den Flugplatz links von mir gesehen, das Vereinsheim, den Wald. Plötzlich ist es kein Flickenteppich mehr. Ich glaube, ich habe noch einen Wohnwagen gesehen. Auf meiner Uhr vibrierte die Nadel bei 500 Metern.

Noch ein Stoßgebet?

Nein. Ich schaute nach unten. Und plötzlich sah ich diese Bäume. Die stachen irgendwie heraus. Von oben wirkten sie größer als die anderen. Ich wusste, wenn ich auf dem Boden aufschlage, werde ich das nicht überleben.

Wie haben Sie sich das mit den Bäumen vorgestellt?

Ich dachte, ich könnte mich vielleicht festhalten. Total irre im Nachhinein.

Auf welcher Höhe haben Sie die Bäume entdeckt?

Keine Ahnung, da habe ich nicht mehr auf die Uhr geschaut. Als ich sie sah, habe ich mich nur noch darauf fokussiert, dorthin zu kommen.

Sie steuerten darauf zu? Wie geht das?

Ich hatte mich für die Lizenz mit Aerodynamik beschäftigt, mit der Frage, wie man sich in der Luft bewegen kann. Aber ich hatte kaum Ahnung. Ich habe die Beine lang gemacht und die Arme am Körper gehalten, dann taucht man nach vorne ab.

Der Siegener Unfallchirurg Christoph Fleischhacker und sein Team retteten Königs Leben

Der Siegener Unfallchirurg Christoph Fleischhacker und sein Team retteten Königs Leben

Wie Superman?

Ja, nur waren meine Arme nicht nach vornegestreckt, sonst hätte ich mich wohl überschlagen. Ich habe es geschafft, so ein bisschen seitwärts zu fliegen.

Reichte es?

Ja. Ich steuerte auf die Fichte zu.

Horror.

Niemand kommt auf die Idee und rät dir: Wenn beide Schirme sich nicht öffnen, dann spring in einen Baum. Aber das lief so instinktiv. Die haben mich angezogen, als hätten sie geleuchtet.

Wo wären Sie aufgeschlagen, wenn Sie nicht mehr gesteuert hätten?

Wahrscheinlich auf dem Flugplatz. Oder knapp daneben auf dem Feldweg. Aber egal, was. Feldweg. Tot. Wiese. Tot.

Während König auf die Erde zurast, tritt unten die Frau eines Springerkollegen aus ihrem Wohnwagen und hört ein ungewöhnliches Flattern. Sie schaut auf und sieht König in den Wald stürzen. Vor Schreck lässt sie die Kaffeekanne fallen.

Das Flattern hört auch der Arzt Arnold Geueke, der in der Nähe des Flugplatzes wohnt und gerade mit der Gartenarbeit beschäftigt ist. Als er König fallen sieht, rennt er gleich ins Haus, greift nach seiner Notfalltasche und rast mit dem Auto los. Der Flugplatz liegt nur einen halben Kilometer Luftlinie entfernt. Geueke mag sich nicht ausmalen, wie er den Fallschirmspringer vorfinden wird.

Wie war der Aufprall?

Unmittelbar davor habe ich alle Gliedmaßen von mir gestreckt, wie so ein großes X, und habe alle Muskeln angespannt. Ich wollte Fläche zum Bremsen bieten.

Was wissen Sie noch von diesem Moment?

Ich weiß nicht, ob ich geschrien habe. Aber ich war mir gleich sicher, dass mein rechter Arm gerissen ist. Es fühlte sich so an, als hätte etwas durch ihn durchgeschlagen.

Haben Sie Knochen und Äste knacken hören?

Ich denke schon. Und plötzlich hat es einen heftigen Ruck gegeben, und ich hing im Baum. Die Reste des Schirms hatten sich in den Ästen über mir verfangen und mich gebremst. Von unten sah das wohl aus wie in einem dieser alten Kriegsfilme.

Wie hoch war die Fichte?

20 Meter vielleicht. Ich hing auf zwölf Metern, ziemlich nah am Stamm. Fünf Meter Äste habe ich bestimmt abrasiert.

Blieben Sie bei Bewusstsein?

Ja.

Sie lebten.

Mein erster Gedanke: Boah, Alter, du bist noch da. Aber dann habe ich das ganze Ausmaß gesehen.

Welches Ausmaß?

Mein rechter Oberarm war zu drei Vierteln durchgerissen. Der Stumpf oben blieb stehen, wie er war, der Knochen darunter schaute schräg nach draußen. Ich spürte das Blut runterlaufen. Wie es von den Fingern tropfte. Alter Finne, dachte ich mir, das sieht nicht gut aus.

Und der Rest Ihres Körpers?

Am Kopf fühlte ich nur eine Platzwunde. Ich habe versucht, mir den Helm abzunehmen, aber auch mein linker Arm war gebrochen. Mein rechter Oberschenkel war zertrümmert, das linke Bein in Ordnung. Und Gott sei Dank war die Wirbelsäule unversehrt. Innerlich habe ich leichten Druck gespürt. Ich wusste, was das bedeutet.

Was denn?

Ich war mal beim Deutschen Roten Kreuz, und da habe ich gelernt, dass, wenn Druck im Bauch entsteht, innere Verletzungen wahrscheinlich sind.

Nahmen der Schock und das Adrenalin Ihnen die Schmerzen?

Nein, wie am Spieß habe ich geschrien. Das waren tierische Schmerzen.

Hat man Sie gehört?

Die Ersten waren schnell da, der Baum stand nur 100 Meter vom Vereinsheim entfernt. Einige hatten Angst, mich zu suchen, weil sie sicher waren, dass ich tot sei, und sie sich den Anblick ersparen wollten.

Und als sie dann da waren?

Sie hatten Angst, dass ich auf den Boden falle. Sie riefen, ich solle mich festhalten. Da habe ich geschrien: Womit denn? Mit meinem linken Arm, der gebrochen ist? Mit meinem rechten, der fast abgerissen ist? Womit? Ich habe wegen der Schmerzen in einen Ast gebissen, den ich erreichen konnte, und mit dem linken Fuß konnte ich mich auf einem anderen abstützen.

Der Arzt Arnold Geueke ist einer der Ersten an der Unfallstelle. Geueke sieht, dass Königs rechter Arm nur noch an Muskelfetzen am Körper hängt. Er ist erleichtert, dass König bei klarem Bewusstsein ist, aber er ahnt, dass die Verletzungen sein Leben gefährden.

Doktor Geueke fragte mich, ob schon jemand bei mir oben war. "Nein, hier war keiner", rief ich. "Aber mein Arm ist fast abgerissen!" Doch die konnten unten nichts machen, die kamen nicht zu mir hoch.

Was haben die Einsatzkräfte gemacht?

Die Feuerwehr konnte die Drehleiter nicht aufstellen, weil das Gelände uneben war und Bäume den Weg versperrten. Die hatten sogar überlegt, andere Bäume um mich herum zu fällen. Ich habe gerufen, dass ich bald sowieso tot bin, wenn mich nicht zügig jemand rettet. Dann haben sie versucht, mich mit einer sieben Meter langen Leiter zu erreichen.

Brasilien: Mann kauft Fallschirm – und testet ihn vom Balkon

Aus Verzweiflung?

Tja, mit der Leiter sind die vielleicht bis zur Hälfte gekommen.

Konnte keiner klettern?

Wie denn? Die Feuerwehrleute müssen sich selbst sichern, und denen fehlte wohl auch die Ausrüstung. Danach haben sie unten ein Luftkissen aufgebaut. Es kamen immer mehr Polizeiwagen. Ich schrie: Ich brauche keine Polizisten, ich brauche Helfer. Ich hing im Baum und dachte, das wird nichts mehr.

Wurden Sie schwächer?

Meine Stimme wurde schwächer, und die Augen fielen mir zu. Ich habe zu einem Kumpel am Boden gerufen, dass er aus dem Polizeiwagen eine Knarre holen und mich erschießen soll. Dass sie mich nicht wie einen elendigen Hund verrecken lassen können. Ich dachte, dass ich sehr bald einschlafen werde. Das war wahrscheinlich vor allem der Blutverlust am Arm.

Konnten Sie ihn noch bewegen?

Ich konnte den Stummel noch ein wenig bewegen, aber ich habe schnell damit aufgehört, weil der Arm weiter abgerissen ist. Ich habe den Arm dann irgendwann nur noch baumeln lassen. Ich konnte in den hohlen Knochen sehen.

Grässlich.

Irgendwann ist eine Fichtennadel auf die Kante des Knochens gefallen, und ich habe noch versucht zu pusten, aber ich konnte nicht verhindern, dass sie in den Knochen fällt. Ich weiß noch, wie ich gerufen habe: Wenn ihr mich runterholt, dann macht den Knochen sauber.

Dachten Sie an Infektionen?

Ja, und die Ärzte haben später gesagt, dass nicht nur eine Nadel im Knochen war.

Wie hat man Sie gerettet?

Ein Freund unten hatte einen lebensrettenden Einfall. Er rief einen Baumkletterer an. Der war zufällig zu Hause, eigentlich übernimmt er samstags immer Spezialfällungen, oft außerhalb des Sauerlandes. Als er da war, ging es schnell. Zumindest kam mir das so vor: Ich sah noch, wie er sich ein Geschirr umlegte und zu mir hochkletterte. Er hat mich gesichert, an ein Seil gebunden, die Leinen des Schirms getrennt und mich langsam heruntergelassen.

Wie lange waren Sie dort oben?

Es war mindestens eine Dreiviertelstunde, es kam mir ewig vor. Während der Bergung wurde es vor meinen Augen dunkel. Ich kann mich noch erinnern, wie mein Freund sagte: "Das kriegen wir schon wieder hin!" Ich meinte nur: "Guck dir den Arm an, das wird doch nichts mehr." Er war der Letzte, den ich sah, bevor ich das Bewusstsein verlor.

Der Rettungshubschrauber Christoph 25 ist schon vor einer Weile auf dem Flugplatz nebenan gelandet. An Bord Notarzt Thomas Steitz. Auch er hat von unten dabei zuschauen müssen, wie sich Königs Zustand verschlechterte. Nun gibt er ihm Narkosemittel, beatmet ihn. Königs Kreislauf ist wegen des immensen Blutverlusts instabil. Im künstlichen Koma transportiert ihn der Helikopter in eine Siegener Klinik.

Dort empfängt ihn ein 13-köpfiges Notfallteam in einem Schockraum. Geleitet wird es von Unfallchirurg Christoph Fleischhacker. Er lässt König mehrere Blutkonserven geben. Allen im Team ist klar, dass es nicht mehr lange gedauert hätte und König wäre im Baum verblutet. Auch seine Atmung ist wegen des schwer verletzten Oberkörpers gefährlich eingeschränkt, mehrere Rippen sind gebrochen, Milz und Leber verletzt, die Lunge schwer geprellt. Luft entweicht in seinen Bauchraum. Er hat ein Schädelhirntrauma. Es sind so viele Verletzungen, dass sich Fleischhacker und sein Team zunächst nur auf jene konzentrieren können, die Königs Leben bedrohen. Als sie ihn stabilisiert haben, kümmert sich Fleischhacker um den fast abgerissenen Arm. Bestimmt zehn Zentimeter schaut der Knochen aus dem Fleisch. "Nackt und skelettiert", wie der Chirurg sagt. Im Markraum des Knochens stecken nicht nur Nadeln, sondern auch Fichtenrinde, die er sorgfältig rauskratzt, um das Infektionsrisiko zu senken. Erst als er zwei Tage später den Arm erneut operiert, ist sich Fleischhacker sicher, dass er ihn nicht amputieren muss. Die Ärzte staunen, wie schnell König sich erholt. Fünf Tage nach dem Absturz wacht er auf.

Wie war das Aufwachen?

Ich habe geschaut, ob alles noch dran ist. Arme, Finger, Beine und Zehen. Ich war noch ganz.

Und der rechte Arm?

Doktor Fleischhacker fragte mich, ob ich mit meinem Daumen die anderen Finger berühren könne. Und das konnte ich. Ich werde nie vergessen, wie er sagte, dass er gute Chancen für meinen Arm sehe. Das Zusammenführen der Finger sei eine der schwierigsten Aufgaben, die eine Hand bewältigen kann. Es war Glück, dass meine Nervenbahnen kaum beschädigt wurden.

Dabei waren Sie fast tot.

Ein Anästhesist hatte in der Notaufnahme wohl gesagt, dass soeben eine Leiche in den Schockraum eingeliefert wurde.

Ein Ast hätte Sie entzweireißen können.

Oder mich aufspießen. Der Baumkletterer sagte später: Sei froh, dass es eine Fichte war. Deren Äste fallen zur Seite hin ab. Bei einem Laubbaum zeigen sie schräg nach oben. Der hätte dich aufgespießt. Damals fiel es mir schwer, aber heute kann ich darüber scherzen: Nur der echte Sauerländer weiß die Fichte zu nutzen.

Kommen die Bilder manchmal zurück?

Am Anfang hatte ich Panikattacken und bekam Beruhigungsmittel. Aber das half nicht. Ich lag im Bett und fühlte mich wie ein Magnet, den es nach unten zieht. Mit der Zeit konnte ich besser darüber reden, das half. Aber es gibt noch Tage, an denen es mir sehr schwerfällt, daran zu denken.

Was passiert dann?

Ich bekomme schweißnasse Hände. Ich muss oft daran denken, dass ich extrem viel Glück gehabt habe.

Steigen Sie noch auf Leitern?

Ja.

Keine Höhenangst?

Weit oben war ich nicht mehr.

Sie sind noch krankgeschrieben.

Ja. Eigentlich ist alles gut verheilt. Nur der Arm. Ich bin Prüfingenieur, kontrolliere und warte Maschinen in der Industrie. Dafür muss ich schwere Koffer tragen, was mein Arm noch nicht packt. Ich war Anfang des Jahres wieder bei der Arbeit, bis mir meine Platte im Arm gebrochen ist.

Gebrochen?

Das war morgens im Auto. Ich fahr los, schalte hoch in den zweiten und merke, wie plötzlich der Arm absackt. Platte durch, Knochen durch. Der Arm hing nur noch. Habe ihn auf dem Beifahrersitz abgestützt und meinen Arbeitskollegen angerufen: Du, ich komme heute nicht mehr rein.

Die Platte bricht einfach so?

War schon das zweite Mal. Jetzt ist es eine richtig dicke Platte mit zwölf Schrauben. Eigentlich soll der Knochen zusammenwachsen, aber tut er bisher nicht. Die Ärzte sagen: Das wird, das wird. Ich zweifle dran. Der halbe Arm ist auch taub, vor allem oben, an der Hand fühle ich alles.

Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen geführt, die später eingestellt wurden.

Die haben ermittelt, ob es ein Mordversuch war. Aber warum sollte das jemand machen? Ich habe mit niemandem Stress gehabt. Außerdem ist das ein Schülerschirm, den jeder andere im Verein auch hätte benutzen können.

Haben Sie den Schirm gepackt?

Ja. Dauerte eine halbe Stunde. Und mein Lehrer hat ihn an bestimmten Punkten immer wieder mithilfe einer Checkliste kontrolliert. Ich packe immer selbst.

Wie erklären Sie sich, was passiert ist?

Zufall. Ich habe schon oft überlegt, wieso das passieren konnte. Im Endeffekt war es wohl mein Fehler.

Wie hat Sie dieser Sprung verändert?

Mir ist bewusst geworden, wie unwichtig manche Probleme sind. Der Bruder meiner Freundin und seine Partnerin wurden ein paar Monate später auf der Heimfahrt vom Kino frontal von einem Geisterfahrer erfasst. Beide sind gestorben. Ich hatte so ein Glück, und andere haben entsetzliches Pech. Es kann so schnell vorbei sein.

Werden Sie noch einmal springen?

Nein, ich will das Glück nicht noch einmal herausfordern.

Der Deutsche Fallschirmsport Verband (DFV) registrierte im Jahr 2015 mehr als 370.000 Sprünge. Dabei verunglückten drei Fallschirmspringer tödlich, 102 schwere Unfälle ereigneten sich, und 365 Springer mussten den Reserveschirm betätigen.

Der Fallschirm von Jason verheddert sich, aber reagiert besonnen
Interview: Felix Schröder und Dominik Stawski
Themen in diesem Artikel
Ich brauche dringend Hilfe bei der EM rente
Guten Tag mein Name ist Carsten Langer ich bin 46 Jahre alt und Versuche seit März 2015 die EM Rente zu beckommen meine Ärzte sagen ich kann nicht mehr Gutachten der Kranken Kasse sieht das auch so nur die Gutachter der Rentenkasse Sehens anders war schon vor sozial Gericht 1 Instanz Richterin sagt ich kann nicht am Gutachten vorbei entscheiden ihre Empfehlung ich sollte in die 2 Instanz weil sie meint das ich auch nicht mehr Arbeits fähig bin die 2 Instanz sagt laut Gutachten könnte ich noch arbeiten aber ihre Meinung nach könnte ich auch nicht mehr arbeiten ich sollte doch auf ein Urteil verzichten und ich sollte neu Rente beantragen und der zwischen Zeit wurde ich zur Berufs Findung geschickt die nach sechs Wochen von der Rentenkasse abgebrochen wurde habe auch erfahren das die Rentenkasse mir keine Umschulung mehr zutraut auf den Rat ich sollte noch Mal EM Rente beantragen bin ich in Reha gegangen damit ich auch neue Arzt berichte habe die Reha hat den Aufenthalt von 4 auf drei Wochen verkürzt und mich entlassen als nicht arbeitsfähig für den allgemeinen Arbeits Markt und ich kann keine 3 Stunden arbeiten das hat der Rentenkasse wieder nicht gereicht hatich wieder zum gutachter geschickt der mir 45 Minuten fragen gestellt hat und jetzt heißt es ich kann wieder voll arbeiten auf den allgemeinen Arbeits Markt Meine Erkrankungen sind Ateose in beiden knieen und mehreren Finger Gelenken Verschleiß in beiden Fuß, Hüft, Schulter und elebogen Gelenken dazu Gicht im linken Daumen satel Anhaltende Schmerzstörungen Wiederkehrende Depressionen Übergewicht Hormonstörungen Wirbelsäulenleiden Bandscheibenschädigung Schlaf Atem Störung Schlafstörungen eine ausgeprägte lese und rechtschreib Schwäche Panick Attacken ( Zukunftsangst) Suizidale Gedanken 1 Suite Versuch Laut aus Zügen einiger Befunde Bin ich nicht mehr Stress resistent Darf keinen akort machen keine Schicht Arbeit keine gehobene Verantwortung überaschinem oder Personen tragen usw Aber al das reicht nicht für die EM Rente Mittlerweile bin ich von der Kranken Kasse ausgesteuert das Arbeitsamt hat mich nach 9 Monaten abgemeldet und seit April wäre die Renten Kasse nicht mehr für mich zuständig aber da ein laufendes verfahren ist hmm keine Ahnung Da ich Mal gut verdient habe habe ich eine bu abgeschlossen aber da die über 900 euro mir zählt und das schon fast 3 Jahre habe ich kein Anspruch auf Harz 4 Grundsicherung Wohngeld oder sie Tafel für essen nein ich darf dafon mich noch mit 260€ freiwillig Kranken versichern Deswegen konnte ich meine Wohnung mir nicht mehr leisten und bin auf einen Campingplatz gezogenitlerweil habe ich eine Freundin und wir teilen uns die Wohnung Bitte ich brauche dringend Hilfe mir wird das alles zuviel werde mich parallel zu ihnen auch an den svdk wenden aber vielleicht können sie unterstützend helfen ich weiß echt nicht weiter und meine schlechten Gedanken werden wider sehr stark Mfg

Von:

sowie Felix Schröder