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Ende einer langen Flucht Google Street View führt Fahnder zu italienischem Mafiaboss

Das Symbol von Google Maps auf einem Bildschirmfoto
Mit Hilfe dieses Fotos fanden die Ermittler den Gesuchten. Das Bild, das ihn zusammen mit einem Unbeteiligten verpixelt zeigt, ist inzwischen nicht mehr über Google Street View zu finden
Ein Mafiaboss war fast 20 Jahre auf der Flucht, telefonierte noch nicht einmal mit seiner Familie. Das half ihm nichts – denn Google wusste, wo er war.

Google entgeht wenig – oft ist die Daten-Sammelwut der Suchmaschine Grund für öffentlichen Ärger. In diesem Fall jedoch hat das genaue Dokumentieren der weltweit genutzten Software der Polizei zu einem kapitalen Fang verholfen.

Denn italienischen Fahndern ist es gelungen, einen sizilianischen Mafiaboss mit der Hilfe des Kartendienstes von Google ausfindig zu machen – und ihn schließlich festzunehmen. Im Juni 2002 war der heute 61-jährige Gioacchino Gammino Medienberichten zufolge aus einem italienischen Gefängnis geflüchtet und danach untergetaucht. Er habe zu den 100 meistgesuchten Verbrechern Italiens gehört, melden internationale Medien.

Fahnder werteten ein Foto bei Google Street View aus

Die italienische Polizei, die bereits seit einiger Zeit vermutete, dass Gammino in Spanien untergetaucht war, entdeckten ihn im vergangenen Monat auf einem Foto von Google Street View. Das Bild zeigte einen Mann in der Bekleidung eines Kochs in der Kleinstadt Galapagar. Er habe vor einem Obst- und Gemüsestand gestanden, wie ein Sprecher der Anti-Mafia-Polizei Dia am Mittwoch laut einem dpa-Bericht auf Nachfrage erklärte.

Zwei Jahre hatten die Fahnder bis dahin wieder intensiver nach Gammino gesucht. Er soll in Spanien geheiratet und sich dort "Manuel" genannt haben. Am 17. Dezember war seine Flucht zu Ende: Er wurde von der spanischen Polizei festgenommen. Dabei habe er die Beamten erstaunt gefragt, wie sie ihn denn gefunden hätten. "Ich habe noch nicht einmal meine Familie in den letzten zehn Jahren angerufen", sagte er laut dem "Independent".  

In modernen Zeiten muss man nicht telefonieren, um gefasst zu werden. Es reicht, vor die Tür zu gehen und von einem Google-Dienst fotografiert zu werden.

Gammino habe in Spanien als Koch gearbeitet, hieß es in den Berichten zu seiner Festnahme weiter – und zwar nicht weit weg von jenem Obst- und Gemüsestand, wo sein Foto aufgenommen worden war. Das Restaurant war auf sizilianische Köstlichkeiten spezialisiert. Was dem Mafioso wohl zusätzlich zum Verhängnis wurde, war ein Foto des Kochs, das die Gaststätte in den sozialen Medien postete. Dies berichtet die Zeitung "La Repubblica".

Erkannt hätten die Mafiajäger den Kriminellen anhand seiner Narbe am Kinn, hieß es weiter. Damit konnten sie schließlich die verpixelte Person auf der Google-Street-View-Abbildung identifizieren.

Mit dem Zugriff endete die Flucht Gamminos, die fast 20 Jahre gedauert hatte. Aus dem Gefängnis flüchten konnte er den Berichten zufolge damals, weil bei einem Filmdreh an der Haftanstalt ein Tumult entstand, den er zur Flucht nutzte.

Gesucht worden war er wegen Mafiavereinigung, Mord und Drogenhandels. In Italien muss er mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe rechnen. Gammino – oder "Manuel, als den ihn sein Umfeld in Spanien kannte – war Mitglied der sizilianischen Stidda. Diese Mafia gilt als Konkurrenz-Organisation der Cosa Nostra, die international bekannter ist.

Quelle: "The Independent" / mit Material von dpa

anb

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