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Harvard vs. Knast: Schwerverbrecher besiegen Elite-Studenten beim Debattieren

Wenn die renommierte Debattiermannschaft der Elite-Uni Harvard mit Schwerverbrechern diskutieren soll, wird das eine eindeutige Sache? Nicht ganz. Ein Gefängnisteam aus New York hat die Studenten besiegt.

Ein Gebäude der Harvard University in Cambridge

Die Harvard University in Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts ist eine der renommiertesten Universitäten der Welt

Es klingt nach einem ungleichen Duell. Die renommierte Debattiermannschaft der Harvard University tritt zu einer Diskussion gegen eine Auswahl aus einem Hochsicherheitsgefängnis im US-Bundesstaat New York an. Das Thema: Sollten Schulen das Recht haben, Schülern ohne gültige Papiere den Schulbesuch zu verweigern? Die Gefängnisauswahl sollte dafür argumentieren, die Elite-Studenten dagegen. Am Ende überzeugten die Schwerverbrecher - zum Teil wegen Totschlags verurteilt - die Jury und gewannen die Debatte, wie das Wall Street Journal als erstes berichtete.

Dabei starteten die Häftlinge mit deutlichen Nachteilen. Sie haben keinen Zugang zum Internet und müssen Bücher und Artikel, die sie für Recherchezwecke lesen möchten, formell beantragen. Dennoch waren sie offenbar gut vorbereitet und überraschten die Harvard-Studenten mit ihrer Argumentationslinie. "Sie haben uns auf dem falschen Fuß erwischt", sagte eine der Studentinnen. Besonders dem Argument, dass staatliche Schulen mit diesen Kindern ohnehin überfordert sein und deswegen gemeinnützige Organisationen oder reichere Privatschulen einspringen müssten, hatten die Studenten wenig entgegenzusetzen.

"Sie werden ernst genommen"

Dabei vertraten die Häftlinge nicht einmal ihre eigenen Ansichten. Ihre Seite der Debatte wurde ihnen vorher zugewiesen - sie selbst seien völlig anderer Meinung, sagte einer der Gewinner. Die Initiative wurde auf Streben es benachbarten Bard College gegründet, um Häftlingen eine Bildungsperspektive zu ermöglichen. Max Kenner, der Leiter der Bard Prison Initiative, betreut und trainiert Debattierer aus insgesamt sechs Gefängnissen in New York. "Wir haben die gleichen Erwartungen an die Häftlinge wie an die Studenten unseres Colleges", sagt er. "Sie werden ernst genommen. Die Fachschaft behandelt sie nicht von oben herab." Mithilfe der Initiative können die Gefängnisinsassen auch einen Abschluss an der Universität erlangen.

Das Harvard-Team erwies sich hinterher als sehr guter Verlierer und postete auf seiner Facebook-Seite: "Es gibt wenige Teams, bei denen wir stolzer waren, gegen sie verloren zu haben, als beim phänomenal intelligenten und eloquenten Team, gegen das wir dieses Wochenende angetreten sind. Wir danken dem Bard College und dem Gefängnis für ihre Arbeit und die Organisation dieser Veranstaltung."

This weekend, three members of the HCDU had the privilege of competing against members of the Bard Prison Initiative's...

Posted by Harvard College Debating Union on Sunday, September 20, 2015


Besonders überrascht waren die Studenten einem weiteren Berichts des Wall Street Journals zufolge von den Reaktionen auf ihren Sieg. "Sie staunen, dass sich die Welt so sehr für ihre Geschichte interessiert", sagte ihr Debattier-Coach David Register. Für Männer, die keinen Internetzugang haben - und in den meisten Fällen bereits vor dem Aufstieg von Twitter eingesperrt wurden, sei die Geschwindigkeit und Reichweite der Aufmerksamkeit faszinierend. "Aber noch bedeutender für diese Männer ist es, zu erfahren, wie stolz ihre Familien auf sie sind."

fin