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Holzklotz-Anschlag: Polizei befragt 350 Personen

Olga K. kam am Ostersonntag ums Leben, als ein bisher unbekannter Täter einen Holzklotz auf ihren Wagen geworfen hatte. Besonders tragisch: Die 33-jährige Mutter hatte gerade erst den Krebs besiegt. Noch fehlt vom Täter aber jede Spur.

Nach dem tödlichen Holzklotz-Wurf von einer Autobahnbrücke bei Oldenburg sind bei der Polizei Hunderte Hinweise eingegangen - eine heiße Spur von dem Täter fehlt allerdings. Inzwischen hätten sich Autofahrer gemeldet, denen kurz vor der Tat eine Gruppe auf der Brücke aufgefallen war. Der Holzklotz hatte die Windschutzscheibe durchbrochen und die 33-jährige Olga K. getötet.

Zurück bleiben ihr 36-jähriger Mann und die zwei neun und sieben Jahre alten Kinder. Diese trauern nun um ihre tote Mutter. Besonders tragisch: Erst vor wenigen Jahren hatte die Frau eine schwere Krebserkrankung überlebt, wie die "Bild-Zeitung" berichtete. Olga K. war demnach gerade 28 Jahre alt, als die Ärzte Brustkrebs diagnostizierten. "Bild" zitiert den Schwager Steffen M. "Olga war ein Familienmensch. (…) Sie sagte, sie könne jetzt nicht sterben, sie müsse für ihre Familie da sein, sie müsse ganz lange leben." Gemeinsam mit ihrer Familie kämpft die junge Frau und besiegt die heimtückische Krankheit. Nach fünf Jahren galt der Krebs als besiegt, das Leben der zweifachen Mutter gerettet.

Dann dieser Schicksalsschlag. Die vierköpfige Familie besucht Freunde in Wilhelmshaven, fuhr anschließend an die Nordsee. Am Abend des Ostersonntags machen sie sich dann auf den Heimweg. In der Nähe von Oldenburg, rund 160 Kilometer von ihrem Wohnort Telgte entfernt, passiert das Unfassbare. Eine bisher unbekannte Person wirft einen sechs Kilo schweren Holzklotz von einer Brücke. Das Wurfgeschoss durchschlägt die Frontscheibe des silberfarbenen BMW der Familie. Während der neunjährige Sohn eine leichte Schnittverletzung davon trägt, bleiben Vater und Tochter unverletzt. Sie müssen zusehen, wir ihre Mutter auf dem Beifahrersitz stirbt. Sie erlitten einen schweren Schock und werden von einem Notfallseelsorger betreut.

Die Polizei ermittelt nun, ob es sich um einen unüberlegten Streich von Jugendlichen oder einen gezielten Anschlag handelt. Bisher fehlt es jedoch an konkreten Hinweisen. Daher verdoppelte die Staatsanwaltschaft Oldenburg die Belohnung auf 6000 Euro. Bereits am Ostermontag hatte die Polizei eine Belohnung für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung des unbekannten Täters führen. Über die Herkunft des Holzklotzes - ein Stück Baumstamm - gebe es noch keine Hinweise, sagte der Polizeisprecher. Es sei zwar in Tatortnähe aufgeschichtetes Baumholz gefunden worden, ob der Klotz von dort stamme, sei aber noch unklar.

"Es gibt nach wie vor keine heiße Spur", sagte ein Oldenburger Polizeisprecher. "Wir stehen am Anfang der Ermittlungen und die brauchen Zeit." Mittlerweile ermittelt eine 23-köpfige Mordkommission. Schwerpunkt sei es, "Menschen zu finden, die im Nahbereich des Tatortes waren und etwas gesehen haben." Dazu zählten auch die Besucher mehrerer Osterfeuer in der Nähe der Brücke über die Autobahn 29. Ingesamt befragt die Polizei 350 Personen. Konkrete Hinweise gebe es aber noch nicht. "Wir erstellen ein Riesen-Mosaik aus einzelnen Puzzleteilen." Das Holzstück wird nun von Spezialisten im Landeskriminalamt in Hannover untersucht.

"Keine Chance auszuweichen"

Eine Chance für den Familienvater noch auszuweichen hat es nach Ansicht des Bremer Physikers Professor Jens Falta nicht gegeben. "Selbst wenn der Fahrer sieht, was auf ihn zukommt. Das sind Sekundenbruchteile. So schnell kann keiner reagieren." Das Aufprallgewicht des Klotzes betrug nach seinen Berechnungen etwa zwei Tonnen. "Das kann niemand aushalten." Die tödliche Wirkung des von der Brücke geworfenen Holzklotzes ist nach seiner Einschätzung ein Zusammentreffen von Zufällen in Sekundenbruchteilen. "Wenn das Auto nur zwei Prozent schneller fährt, trifft der Klotz nicht die Windschutzscheibe."

AP/DPA/nic / AP / DPA