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Nach fast 40 Jahren: Ausgleich für iIlegale Abholzung: Amazonas-Volk bekommt 2,3 Millionen Euro zugesprochen

Weil ein Holzunternehmen rund ein Viertel ihres Landes abholzte, zogen die Ashaninka vor Gericht. Nun wurde dem Amazonas-Volk mehr als zwei Millionen Euro als Ausgleich zugesprochen – fast 40 Jahre nach der Tat.

Benki Piyako

Benki Piyako, Schamane der Ashaninka, bei einer Rede vor den Vereinten Nationen im April 2019. Er sprach unter anderem über die Rechte indigener Völker, Wälder vor Abholzung und anderen Gefahren zu schützen.

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In Brasilien hat ein bereits Jahrzehnte währender Rechtsstreit ein Ende gefunden. Mitte der neunziger Jahre war eine indigene Gemeinschaft vor Gericht gezogen, um Ausgleichszahlungen eines brasilianischen Holzunternehmens zu erstreiten, das in den Achtziger Jahren große Teile ihres Landes abgeholzt hatte, um den Rohstoff auf dem europäischen Möbelmarkt verkaufen zu können.

Das Unternehmen, das der in Brasilien sehr einflussreichen Cameli-Familie gehört, wurde angewiesen, der Ashaninka-Gemeinde etwa 14 Millionen brasilianische Real, umgerechnet knapp 2,3 Millionen Euro, auszuzahlen. Zusätzlich musste sich das Unternehmen offiziell bei den Ashaninka entschuldigen und ihren Status als integrale Beschützer des Amazonas anerkennen. Besonders pikant: Die Cameli-Familie stellt auch den derzeitigen Gouverneur des Bundesstaates, in dem das Land der Ashaninka liegt.

"Bekräftigung der Rechte indigener Völker"

Zwischen 1981 und 1987 hatte die Firma illegal tausende Bäume abgeholzt und damit ein Viertel des Landes der Ashaninka, das am westlichen Zipfel des brasilianischen Bundesstaates Acre liegt, zerstört. Francisco Piyãko, Oberhaupt der Ashaninka, sagte dem Online-Magazin "Mongabay": "Uns ist wichtig, was diese Einigung für die Anliegen der Ashaninka bedeutet und wie es sich auf die Bekräftigung der Rechte und Werte indigener Völker in einem größeren Rahmen auswirken kann." Die Einigung wurde am 1. April mit der Unterschrift des Generalstaatsanwalts von Brasilien, Augusto Aras, gültig.

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Sie bedeutet das Ende eines Rechtsstreits, der sich über viele Jahre und durch mehrere Instanzen zog. Zwar hatten die Ashaninka ihr ursprüngliches Gerichtsverfahren gewonnen und auch vor Berufungsgerichten und dem Obersten Gerichtshof (dem höchsten Berufungsgericht in Brasilien für nicht-verfassungsrechtliche Fragen) Recht bekommen. Doch als der Fall 2011 den Obersten Bundesgerichtshof von Brasilien erreichte, geriet er ins Stocken. Nun ist er vorbei.

Das Geld, das den indigenen Bewohnern Acres nun zusteht, soll genutzt werden, um das Land und den Amazonas zu schützen. Dem Magazin "Mongabay" sagte Antônio Rodrigo, Anwalt der Ashaninka: "Das ist das erste Mal in der Geschichte der brasilianischen Rechtssprechung, dass so etwas passiert ist. Ich bin so stolz. Es war hart, aber wundervoll."

Quelle: "Mongabay"

jgs
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