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Brasilien Abholzung, CO2-Anstieg, Pestizide: Greenpeace attestiert Bolsonaros Politik verheerende Klimafolgen

Jair Bolsonaro, Präsident von Brasilien kneift die Lippen zusammen und schaut ernüchtert in die Kamera
Jair Bolsonaro, der Präsident von Brasilien steht wegen seiner Klimapolitik schon länger in der Kritik
© Eraldo Peres/AP / DPA
Abholzung, CO2-Anstieg, Pestizide – die Faktoren bedeuten nichts Gutes fürs Klima. Dennoch nimmt die Politik des brasilianischen Präsident Jair Bolsonaro sie billigend in Kauf. Ein Reporting von Greenpeace attestiert nun verheerende Folgen.

Seit dem Amtsantritt des Präsidenten Jair Bolsonaro im Januar 2019 ist Brasilien zunehmend weniger um Klimaschutz bemüht. Der CO2-Ausstoß sei um zehn Prozent angestiegen, wie das kürzlich veröffentlichte Greenpeace-Reporting berichtet. 2020 seien 2,16 Milliarden Tonnen Treibhausgasemissionen freigesetzt worden – eine Zunahme von 190 Millionen Tonnen.

Das entspreche in etwa dem Treibhausgasausstoß von Griechenland über drei Jahre. "Dieser Anstieg kann vor allem durch die steigende Waldzerstörung – nicht nur des Amazonas – erklärt werden", sagt Thais Bannwart von Greenpeace Brasilien.

Die Abholzung hat laut Greenpeace um satte 75 Prozent zugenommen. Zwischen August 2020 und Juli 2021 wurde eine Fläche von über 13.235 Quadratkilometer abgeholzt, wie bereits aus einer Mitteilung des Nationalen Instituts für Weltraumforschung (Inpe) hervorgegangen ist, welches Satellitendaten auswertet. Das ist eine Steigerung um 22 Prozent im Vergleich zum vorherigen Zeitraum August 2019 bis Juli 2020. Zuletzt wurde eine derart große Fläche im Jahr 2008 abgeholzt.

Brasilien nutzt abgeholzte Fläche zur Landwirtschaft 

In 98 Prozent aller Fälle sind die Menschen verantwortlich für die zunehmenden Waldbrände, wie Greenpeace im Reporting darlegt. Größtenteils seien die Rodung der Wälder illegal und blieben unbestraft. Das dürfte sich darin erklären, dass die Regierung von Bolsonaro die durch Brände und Rodung von Wäldern freiwerdenden Fläche zum Anbau sowie zur Viehzucht nutzt.

Dabei komme es immer häufiger auch zu Konflikten mit der indigenen Bevölkerung. Mit 1576 Landkonflikten im Jahr 2020 verzeichne Brasilien auch hier einen neuen Höchststand seit 1985, wobei gut 40 Prozent der Konflikte indigene Gemeinschaften beträfen. Bei Landkonflikten seien im Jahr 2020 18 Menschen gestorben – sieben davon seien Indigene gewesen. Im Verhältnis zur brasilianischen Bevölkerung sind das viele, denn sie machen laut Greenpeace bloß 0,4 Prozent der Gesamtbevölkerung aus.

Im Jahr 2019 machte Bolsonaro Nichtregierungsorganisationen für die Feuer im Amazonas verantwortlich. Mitte vergangenen Jahres trat Umweltminister Ricardo Salles aufgrund von Vorwürfen der mutmaßlichen Verwicklung in den illegalen Holzhandel allerdings zurück. Wie Bolsonaro sah auch er im Amazonasgebiet vor allem ungenutztes wirtschaftliches Potenzial. Die Ermittlungen des Obersten Gerichtshofs in Brasilien laufen noch.

Bolsonaro schwächt die Umweltbehörden offenbar strategisch – auf finanzieller wie personeller Ebene. Mitarbeiter:innen, die Umweltvorschriften umsetzten, seien versetzt worden. Seit dem Amtsantritt des rechtspopulistischen Präsidenten sei die Mitarbeiterzahl um zehn Prozent reduziert worden. Außerdem sei das Budget des Brasilianischen Instituts für Umwelt und erneuerbare natürliche Ressourcen zwischen 2019 und 2020 um 30,4 Prozent gesunken, das Budget des Chico-Mendes-Institut für die Erhaltung der Biodiversität (ICMBio) im gleichen Zeitraum sogar um 32,7 Prozent. 2021 habe der Gesamthaushalt des Umweltministeriums auf dem niedrigsten Stand seit 2010 gelegen.

Nutzung von EU-verbotenen Pestiziden

Bolsonaros Amtszeit ist von einer weiteren Tatsache geprägt, die sich negativ aufs Klima auswirkt: Es seien 1500 Pestizide neu zugelassen worden, schreibt Greenpeace. In der EU seien viele davon verboten, wegen des geplanten Mercosur-Handelsabkommens drohen allerdings dennoch einige von ihnen über Lebensmitteln importiert zu werden. Die Umweltschutzorganisation konnte sie nach eigenen Angaben bereits in importiertem Obst, wie Papaya, Mango, Limette, Melone und Feige aus Brasilien nachweisen. Greenpeace ruft die EU dazu auf, das Handelsabkommen mit Brasilien nicht zu unterzeichnen. "Das EU-Mercosur Abkommen würde die umwelt- und menschenfeindliche Politik Bolsonaros verfestigen, indem es den Anstieg der Exporte Brasiliens von Rindfleisch und Futtersoja als Tierfutter sowie hochgefährlicher Pestizide in die EU befeuert", sagt Greenpeace-Waldexpertin Gesche Jürgens.

Amazonas spielt wichtige Rolle beim Klimaschutz

Brasilien wird eine Schlüsselrolle im Klimaschutz zugeschrieben. Das Amazonasgebiet im Land entspricht einer Fläche so groß wie Westeuropa und gilt als wichtiger CO2-Speicher. Derzeit erlebt das Gebiet allerdings die schlimmste Abholzung und die verheerendsten Brände seit mehreren Jahren. Rund 20 Prozent des Regenwaldes sind schon zerstört. "Verlieren wir den Amazonas, verlieren wir einen der größten Kohlenstoffspeicher dieses Planeten", sagte Dirk Embert, Südamerikaexperte beim WWF Deutschland bereits vor einigen Monaten.

In weiten Teilen Brasiliens herrschte im vergangenen Jahr monatelanger Wassermangel und Trockenheit. Experten begründen dies bereits mit den Folgen des Klimawandels. Zudem ist die Wasserfläche des Landes seit Anfang der 1990er Jahre um 15 Prozent zurückgegangen. Das liegt auch an der Umwandlung von Wäldern für die Viehzucht und die Landwirtschaft sowie dem Bau von Wasserkraftwerken. Die EU-Kommission hat deshalb bereits vorgeschlagen, die Einfuhr von Waren zu verbieten, für deren Produktion Regenwald zerstört wird.

Quellen:Greenpeace, mit Material der DPA

nk

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