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Gesetz gegen Saggy Pants Ja, das gab es wirklich: Stadt in Florida hebt Hängehosen-Verbot auf

Diesen Anblick können auch die Bewohner von Opa-Locka jetzt wieder "genießen": Saggy Pants an einem Männerhintern
Diesen Anblick können auch die Bewohner von Opa-Locka jetzt wieder "genießen": Saggy Pants an einem Männerhintern
© Picture Alliance
In Opa-Locka im US-Bundesstaat Florida waren Hängehosen - sogenannte Saggy Pants - seit 2007 verboten. Jetzt haben die Stadtoberen die Regelung gekippt - allerdings nicht einstimmig.

Vielen war das Gesetz von Anfang an ein Dorn im Auge: In Opa-Locka im US-Bundesstaat Florida war es bislang nicht gestattet, auf öffentlichen Plätzen oder in öffentlichen Einrichtungen Hängehosen - sogenannte Saggy oder Baggy Pants - zu tragen. Nach 13 Jahren haben die Behörden der 16.000-Einwohner-Stadt das Verbot nun aufgehoben.

Die Stadtkommission von Opa-Locka habe mit 4:1 Stimmen entschieden, sowohl das ursprüngliche Gesetz von 2007, dass sich nur an Männer richtete, aufzuheben, als auch eine Verordnung von 2013, die besagte, dass auch Frauen zivilrechtlich belangt werden können, wenn sie Hosen tragen, die ihre Unterwäsche entblößen, berichtet der "Miami Herald".

"Ein Gesetz muss unparteiisch sein"

"Ich war nie dafür, auch nicht als Einwohner", zitierte die Zeitung den stellvertretenden Bürgermeister Chris Davis, der die Aufhebung beantragt hatte. "Ich hatte das Gefühl, dass es einen bestimmten Teil unserer Bevölkerung, nämlich junge, afroamerikanische Männer, unverhältnismäßig stark betroffen hat."

Man könne kein Gesetz verabschieden, das auf irgendeine Bevölkerungsgruppe abziele, sagte Davis dem US-Sender CNN. Es müsse unparteiisch sein. "In Opa-Locka sind wir eine vorwiegend afroamerikanische und hispanische Gemeinschaft", erklärte der Vizebürgermeister. Und bei dieser könne ein solches Gesetz wie ein Verdrängungsversuch wirken.

Dieser Argumentation folgte auch die Stadt: "Seit seiner Einführung hat das Verbot bestimmte Teile der Bevölkerung, darunter schwarze und dunkelhäutige Männer und Frauen, unverhältnismäßig stark betroffen", teilte die Kommission nach ihrer Entscheidung mit. Man habe deshalb der Aufhebung des Gesetzes zugestimmt und sich für einen weniger aggressiven Ansatz bei der Ermutigung der Bürger zum Tragen von korrekter Kleidung entschieden.

Die einzige Gegenstimme bei der Entscheidung kam von Kommissionsmitglied Alvin Burke. Der 66-Jährige argumentierte dem "Miami Herald" zufolge, das Gesetz sei nicht dazu gedacht gewesen, "unsere jungen schwarzen Männer ins Visier zu nehmen, sondern unsere jungen schwarzen Männer aufzubauen".

"Lächerliche Verschwendung öffentlicher Ressourcen"

Die American Civil Liberties Union (ACLU) von Florida begrüßte dagegen die Abschaffung des Hängehosen-Verbots. Die Bürgerrechtsorganisation hatte das Gesetz, bei dessen Missachtung Strafzahlungen von bis zu 500 Dollar drohten, schon 2007 als "lächerliche Verschwendung öffentlicher Ressourcen" mit "übermäßig harten Strafen", die Afroamerikaner unverhältnismäßig stark treffen würden.

"Die Kriminalisierung der Art und Weise, wie jemand seine Kleidung trägt, dient niemandem", erklärte die ACLU gegenüber der Zeitung. Ähnliche Verordnungen hätten in anderen Teilen des Landes nur zu einem verstärkten Racial Profiling durch die Polizei und zu größeren Unterschieden im Strafrechtssystem geführt.

Wie oft die Verordnung durchgesetzt wurde, wie viel Geld die Stadt an Bußgeldern einkassierte und wie oft die Täter in den 13 Jahren, in denen es das Gesetz gab, Schwarze waren, konnte die Stadt nach Angaben des "Miami Herald" zunächst nicht beantworten.

Quellen:City of Opa-Locka, "Miami Herald", CNN, Fox 13

Christian Fahrenbach und Angelika Engler/DPA

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