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Japan: Zug rast in Wohnblock

In Japan ist ein mit Pendlern voll besetzter Zug entgleist und in einen Wohnblock gerast. 50 Menschen starben, mindestens 300 sind schwer verletzt. Nach ersten Berichten trägt der Lokführer die Schuld für das Unglück.

In Japan sind bei dem schwersten Zugunglück seit vier Jahrzehnten mindestens 50 Menschen ums Leben gekommen. Nach Angaben der Polizei stieg die Zahl der zum Teil schwer Verletzten auf 304. Das Unglück ereignete sich gegen 9.20 Uhr Ortszeit in Amagasaki nahe Osaka, rund 400 Kilometer von Tokio entfernt. Aus noch unbekannter Ursache entgleisten vier von sieben Wagen des Expresszugs, woraufhin der erste Wagen in ein Parkdeck im Erdgeschoss eines Wohnhauses raste. Auch der zweite Wagen prallte gegen das Gebäude. Aussagen von Augenzeugen zufolge fuhr der erst 23-jährige Zugführer zu schnell.

Fehler des Zugführers?

Nach Angaben der Eisenbahngesellschaft West Japan Railway (JR West) war der Zugführer, der erst über elf Monate Berufserfahrung verfügt und bei dem Unglück schwer verletzt wurde, beim vorherigen Bahnhof beim Halten acht Meter zu weit gerollt und hatte zurücksetzen müssen. Er sei daraufhin eineinhalb Minuten später als vorgesehen abgefahren. Die Höchstgeschwindigkeit an der an einer Schienenkurve liegenden Unfallstelle beträgt 70 Kilometer pro Stunde. Wie schnell der Zug jedoch fuhr, war nach Angaben des Betreibers zunächst unklar.

Die Polizei hält es für wahrscheinlich, dass der Expresszug mit 580 Fahrgästen an Bord nahe eines Bahnübergangs bereits entgleiste, bevor er mit einem auf einem Parkplatz abgestellten Auto kollidierte. Das Transportministerium hatte zunächst erklärt, dass der Zug als Folge des Zusammenstoßes mit einem Auto entgleiste. Später gab die Betreibergesellschaft JR West jedoch an, die Ursache sei noch unklar.

Erinnerungen an Eschede

In Deutschland wurden nach den ersten Berichten über das Zugunglück sofort Erinnerungen an die Katastrophe von Eschede wach. Am 3. Juni 1998 entgleiste dort ein ICE bei Tempo 200 und riss mehrere Menschen in den Tod. Ursache war damals ein technischer Defekt an einem Radreifen.

Mai / DPA / DPA