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Sexismusdebatte Japans Regierungspartei will Frauen zuhören, aber nicht mitreden lassen

Der ehemalige Leiter des olympischen Komitees in Japan spricht mit Journalisten.
Der ehemalige Chef des olympischen Komitees in Japan, Yoshiro Mori, trat nach Sexismus-Vorwürfen im In- und Ausland zurück
© Picture Alliance
Japan hat ein Frauenproblem. Erst musste der Olympia-Chef zurücktreten, weil er sagte, dass Frauen zu geschwätzig seien. Der Generalsekretär der Regierungspartei, Toshihiro Nikai, will es besser machen und lädt Frauen zu Spitzentreffen ein – aber nur zum Zuhören.

"Es ist wichtig, genau zu verstehen, was für Diskussionen stattfinden", wird der 82-Jährige LDP-Generalsekräter Toshihiro Nikai in Medienberichten zitiert. "Einen Überblick zu bekommen – darum geht es." Es war der Versuch zu zeigen: Die japanische Regierungspartei LDP geht auf die dortige Sexismusdebatte ein. Der Leiter des olympischen Komitees Yoshiro Mori war vor einer Woche zurückgetreten, weil er gesagt hatte, Frauen redeten zu viel und würden Sitzungen nur in die Länge ziehen.

Daraufhin hatten weibliche Mitglieder der Regierungspartei LDP angeregt, mehr prominente Posten der männerdominierten Partei mit Frauen zu besetzen. Die Reaktion des Generalsekretärs: Fünf weibliche Mitglieder dürfen bei Spitzentreffen zukünftig dabei sein – als Zuschauerinnen. Eine Teilnahme an der Diskussion sei nicht erwünscht. Sollten sich Zuhörerinnen beteiligen wollen, könnten sie ihre Ideen im Vorfeld dem Parteisekretariat mitteilen.

"Eine Demokratie ohne Frauen"

Berichten zufolge hatte die ehemalige Verteidigungsministerin Tomomi Inada nur einen Tag vorher vorgeschlagen, mehr Frauen in die Regierung zu berufen und ihnen die Teilnahme an wichtigen Parteitreffen zu erlauben. "Frauen machen die Hälfte der Bevölkerung Japans aus und 40 Prozent der LDP-Basismitglieder", so Inada laut Guardian. "Wenn Frauen keinen Platz haben, um die Politik zu diskutieren, die sie umgesetzt haben wollen, kann Japans Demokratie nicht anders als einseitig sein."

Das Geschlechterproblem in Japan ist nicht neu. Die LDP ist seit 1955 unangefochten in Regierungsverantwortung, aktuell sind zehn von zwölf Mitgliedern des Vorstands männlich. Auch das Unterhaus der Regierung ist mit einem Frauenanteil von nur 9,9 Prozent stark männerdominiert. Nicht zuletzt deshalb listet das Weltwirtschaftsforum das Land auf Platz 121 von 153, was die Gleichbehandlung der Geschlechter angeht.

Neue Olympia-Chefin wird eine Frau

Dem Zitat des 83-jährigen ehemaligen Olympia-Chefs Yoshiro Mori folgte internationale Kritik. Laut dpa soll Mori über Frauen gesagt haben: "Wenn eine von ihnen ihre Hand hebt, denken sie wahrscheinlich, dass sie auch etwas sagen müssen. Und dann sagen alle etwas."

Mori trat daraufhin ab und entschuldigte sich. Geplant ist, dass die siebenfache Olympia-Sportlerin und vorherige Olympia-Ministerin Seiko Hashimoto nachfolgt. Die Olympischen Spiele sollen sich durch den Wechsel nicht noch einmal verschieben und vom 23. Juli bis 8. August 2021 stattfinden.

Quellen: "The Guardian" / Reuters

mkb

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