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Afghanistan: "Dies könnten meine letzten Tweets sein" - Angriff auf US-Uni in Kabul

Die Abendklassen der Amerikanischen Universität in Kabul sind normalerweise voll. Am Mittwoch wird das Gelände von einem oder mehreren Extremisten gestürmt - mit einer Bombe und Schusswaffen.

Die amerikanische Universität in Kabul vor wenigen Tagen

Die Mauer um die amerikanische Universität in Kabul vor wenigen Tagen. Jetzt wurde die Hochschule Ziel eines Terrorangriffs.

Bei einem Angriff mutmaßlicher Talibankämpfer auf die Amerikanische Universität in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind mindestens 19 Menschen verletzt worden. Das sagte der Leiter der Kabuler Kliniken, Muhibullah Sir, am späten Mittwochabend (Ortszeit).
Medienberichte, in denen von Todesopfern die Rede war, ließen sich zunächst nicht bestätigen.

Studenten berichten von Explosionen und Schüssen

Nach Auskunft des Kabuler Polizeichefs General Abdul Rahman Rahmani, durchsuchten Sicherheitskräfte die Universität nach Angreifern. Zu deren Zahl und zur Zahl der Studenten und Lehrer in dem Gebäude wollte er keine Angaben machen. Die Hochschule bietet Abendklassen an, die normalerweise rege besucht werden. Ein anderes Mitglied der Streitkräfte sagte, die Gegend sei ohne Elektrizität, deshalb arbeiteten die Spezialkräfte langsam und vorsichtig. Eine Sprecherin des US-Außenministeriums sagte, dass einige Berater der Nato-Militärmission Resolute Support den afghanischen Streitkräften bei der Operation in der Universität helfen.

Eine den Taliban nahestehende Quelle twitterte, Kämpfer der radikalislamischen Extremisten seien auf das Gelände vorgedrungen. Eine offizielle Stellungnahme der Taliban gab es zunächst aber nicht. Gegen 19 Uhr (Ortszeit) war eine laute Explosion zu hören gewesen. Der Sender Tolo TV berichtete von Schusswechseln nach einer Ruhepause. Ein verängstigter Student erzählte, er sitze mit Kommillitonen in einem Raum fest, sie hätten große Angst. "Ich habe Explosionen gehört, und hier in der Nähe wird geschossen", sagte er. Nach Angaben des Senders 1TV waren Spezialkräfte vor Ort. Eine den Taliban nahestehende Quelle twitterte, Kämpfer der radikalislamischen Extremisten seien auf das Gelände vorgedrungen. Eine offizielle Stellungnahme der Taliban gab es zunächst aber nicht.

"Dies könnten meine letzten Tweets sein"

Studenten schickten Nachrichten über Twitter, in denen sie um Hilfe flehten. Unter ihnen war auch der bekannte afghanische Fotograf der Nachrichtenagentur Associated Press Massud Hussaini: In einem dramatischen Tweet schrieb der Pulitzer-Preisträger: "Hilfe wir sitzen in der AUAF fest und Schießerei gefolgt von Explo dies könnten meine letzten Tweets sein."

Mittlerweile ist der Tweet gelöscht. Hussaini habe zusammen mit etwa neun Studenten aus dem Gebäude fliehen können, berichtet "Bloomberg".com unter Berufung auf Associated Press. "Als wir liefen, sah ich Menschen mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden liegen", sagte Hussaini. "Sie sahen aus, als sei ihnen in den Rücken geschossen worden."

Die US-Botschaft in Kabul forderte alle US-Bürger auf, die Gegend um die Universität zu meiden. Erst vor zwei Wochen waren ein australischer und ein US-amerikanischer Professor nahe der Universität aus ihrem Auto heraus von Unbekannten verschleppt worden. Der Präsident der Universität, Mark English, hatte angekündigt, die Sicherheitsmaßnahmen zu verbessern.

mad / DPA / AFP
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