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Kapitän der "Costa Concordia": In der Welt verdammt, in der Heimat bejubelt

Kritisiert, beschimpft, entlassen: Kaum einer, der Kapitän Schettino nicht für den Untergang der "Costa Concordia" verantwortlich macht. Nur sein Heimatort stellt sich schützend vor ihn.

Von Rebecca Brockmeier

Die Kritik am Kapitän der auf Grund gelaufenen "Costa Concordia" lässt nicht nach: Jetzt hat seine Reederei Konsequenzen gezogen und Francesco Schettino vor die Tür gesetzt. Rückendeckung bekommt er nur noch in seiner Heimat: In dem süditalienischen Örtchen Meta die Sorrento, in dem Schettino zu Hause ist und zurzeit unter Arrest steht, wettern Politiker, Freunde und der Pfarrer gegen die öffentliche Verdammung ihres "Capitano". Das berichtet die italienische Tageszeitung "Il Mattino".

Demnach glauben seine Fürsprecher nicht, dass der 52-Jährige alleine für den Tod von elf Menschen verantwortlich ist. Sie sind sich nachwievor einig: "Er ist ein guter Mensch und ein guter Kommandant." Dass ihm seine Reederei "Costa Crociere" "menschliche Fehlentscheidungen" attestierte und ankündigte, ihn nicht zu verteidigen, scheinen die meisten von ihnen nicht zu glauben oder schlichtweg zu ignorieren.

Schützend stellt sich zum Beispiel ein Lokalpolitiker des Örtchens, Giuseppe Tito, vor den Kommandanten des vor der Insel Giglio havarierten Kreuzfahrtschiffes. Er ist der Meinung: "Der Kapitän ist ein Held. Er hat 4000 Leben gerettet." Dass dem Schiffsführer vorgeworfen wird, die für den Notfall geltenden Standards ignoriert und darüber hinaus das Schiff viel zu früh verlassen zu haben, scheint für ihn keine Rolle zu spielen. Don Gennaro Starita, ein Pastor des Ortes, der dort seit 25 Jahren tätig ist, sagte vor Gemeindemitgliedern, dass er "wirklich verärgert" über die Art sei, wie Schettino in den Medien dargestellt werde. Der Seelsorger monierte: "Er wurde von den Medien an den Pranger gestellt." Und weiter: "Menschlich haben sie ihn umgebracht. Es ist eine Schande. So viele sind bereits tot, warum wollen wir noch einen weiteren Toten?"

Nachbarn wollen Mut machen

Kapitän Franko Amato kennt Schettino aus der gemeinsamen Zeit bei der Fährgesellschaft "Tirrenia". Er hat eine hohe Meinung von seinem ehemaligen Kollegen, auch wenn der sein Schiff, seine Mannschaft und die Passagiere im Stich ließ: "Wir sind zusammen aufgewachsen und jeder im Ort wusste, wie gut er war. Er war der Beste von uns allen und hatte eine wunderbare Karriere. Er ist erschüttert von der Tragödie", zitiert ihn die italienische Zeitung "Il Mattino".

Solange Schettino unter Hausarrest steht, darf er sein Haus nicht verlassen. Sprechen darf er ausschließlich mit seiner Familie. Seine Anhänger empfingen den Seefahrer bei seiner Heimkehr daher mit einem Begrüßungsplakat. "Kommandant, nicht aufgeben", lautete der Appell auf dem Transparent. "Wir kennen Francesco Schettino nicht persönlich. Wir haben das Schild aufgestellt, um dem Kapitän zu sagen, dass wir seine Nachbarn sind", zitiert "Il Mattino" einen der beteiligten Männer. Ihm geht es nicht um Schuld oder Unschuld: Ob Schettino Fehler gemacht habe, müsse das Gericht entscheiden. Aber er solle wissen, dass seine Leute zu ihm stünden. Zwei andere Männer, die zu der Gruppe gehören, sehen das Verhalten Schettinos kritischer, halten ihn aber zugleich für ein Opfer: "Wir zweifeln nicht daran, dass er Fehler gemacht hat. Wir wollen ihn als Menschen schützen, denn er ist Opfer von ständigen Angriffen und steht am Pranger der Medien."

Den Zuspruch der Nachbarn kann der Kreuzfahrtschiffer gut gebrauchen: Ihm werden mehrfache fahrlässige Körperverletzung, Havarie und Verlassen des Schiffes während der Evakuierung vorgeworfen. Schettino drohen bis zu 15 Jahre Haft.

  • Rebecca Brockmeier