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Fleet Operation Center in Hamburg: Zu Besuch bei den Kreuzfahrt-Kontrollettis

Einmalig auf der Welt: Ein nautisches Zentrum in Hamburg überwacht Dutzende von Kreuzfahrtschiffen rund um die Uhr. Nicht nur eine Katastrophe wie der Untergang der "Costa Concordia" soll so verhindert werden. Ein Ortstermin.

Carnival Maritime: im Fleet Operation Center in Hamburg

Die ganze Welt im Blick: Rund um die Uhr überwachen die Mitarbeiter im Fleet Operations Center (FOC) in Hamburg die Flotten mehrerer Reedereien, die zu Carnival-Gruppe gehören, darunter auch die Schiffe von Aida Cruises und Costa Crociere.

Aus Fehlern lernen: Der 13. Januar 2012 markiert einen Wendepunkt von Carnival Cruise. Durch das waghalsige Manöver von Kapitän Francesco Schettino fuhr die " " vor der Insel Giglio im Mittelmeer auf einen Felsen, schlug Leck und kippte auf die Seite. 32 Menschen verloren bei der Kreuzfahrt-Katastrophe ihr Leben.

Damit sich solche Unglücke nicht wiederholen, hat der Weltmarktführer der Cruise-Branche auf seinen mehr als 100 Kreuzfahrtschiffen vieles verändert. Ein einheitlicher Sicherheitsstandard wie Rettungsübungen noch vor dem Auslaufen im Hafen wurde eingeführt, egal ob es sich um ein von Aida, Costa, Cunard oder der Holland America Line handelt.

Sicherheitszentrum für Kreuzfahrtschiffe

Zusätzlich hat am Standort Hamburg die Carnival Maritime GmbH im Herbst 2015 ihren Betrieb aufgenommen. In einem unscheinbaren Bürogebäude in der Nähe des Kreuzfahrt-Terminals in der Hafencity arbeiten 180 Menschen, denen es in erster Linie um eine Verbesserung der Sicherheit geht. Herzstück ist das Fleet Operation Center (FOC), in dem die Routen und Verbrauchswerte von zurzeit 26 Schiffen der italienischen Costa-Gruppe und die elf Ocean Liner von Aida Cruises in Echtzeit überwacht werden.

"Im Herbst ist viel los", sagt Michael Salzmann vor dem Bildschirmen stehend. "In Asien hatten wir schon 23 Taifune in dieser Saison." Da müssen Schiffe zum Wohl von Besatzung und Passagiere ihre Kurse ändern. Hier in laufen alle Wettermeldung zusammen, werden analysiert und Empfehlungen für ein Umrouting an die Kapitäne vor Ort weitergeben. "Hier sitzt jemand, der wie sie tickt", erklärt Salzmann.

In Hamburg wird das Know-how für die 350 Häfen, die die Schiffe der beiden Reedereien anlaufen, gesammelt. Das FOC entlastet die Crews auch in medizinischen Notfällen. Wo kann außerplanmäßig ein Hafen angelaufen werden? Oder lohnt es sich, einen Hubschrauber zum Schiff zu organisieren?

"Costa Concordia" hat Kreuzfahrt-Branche verändert

Noch eine weitere wichtige Funktion hat das maritime Zentrum. Durch die Menge von Daten, die hier täglich einlaufen, können Routen und Verbräuche ausgewertet und die Effizienz erhöht werden. So hat sich gezeigt, dass Kapitäne gerne an den ersten Tagen einer Gas geben, um ein Reservezeitpolster herauszufahren. Doch das erhöht unnötig den Kraftstoffverbrauch. Stattdessen können die Kollegen neue Routen- und Geschwindigkeits-Ratschläge geben. Auch haben sie herausgefunden, wann und wie viele Dieselgeneratoren am besten in Betrieb sind.

Nicht nur die Sicherheit der Hardware wird kontinuierlich optimiert. Gerade erst hat Carnival als erstes Kreuzfahrtunternehmen weltweit bekannt gegeben, dass die Reederei mit Interpol zusammenarbeitet, um die Reisedokumente der Passagiere mit deren Datenbank abzugleichen.

"Priority is safety", wiederholt Aida-Kapitän Marc-Dominique Tidow mantramäßig beim Rundgang. Ohne den Untergang der "Concordia" würde es das nautische Zentrum nicht geben.

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