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Ölreste ins Meer gepumpt Kürzlich noch Gast in Hamburg - Rekordstrafe für Dreckschleuder-Kreuzfahrer

Caribbean Princess
Das Kreuzfahrtschiff "Caribbean Princess" hat im Mai 2016 anlässlich des 827. Hafengeburtstags am Kreuzfahrtterminal in der Hamburger Hafencity festgemacht.
© Markus Scholz/DPA
Die Kreuzfahrtbranche möchte sich ein sauberes Image geben. Doch jetzt hat ein Gericht in Florida eine US-Reederei wegen absichtlicher Umweltverschmutzung zu einer Millionenstrafe verdonnert. Erst kürzlich hat das betroffene Schiff Hamburg besucht.

Noch nie wurde eine so hohe Strafe wegen Umweltsünden gegen eine Kreuzfahrtreederei verhängt: 40 Millionen US-Dollar Strafe muss Princess Cruises zahlen, weil ein Schiff unter anderem vor der Küste Großbritanniens im großen Stil ölhaltiges Dreckwasser verklappt hat.

Stein des Anstoßes ist das Fehlverhalten der Crew an Bord der "Caribbean Princess". Das 290 Meter lange Kreuzfahrtschiff, das zum Weltmarktführer Carnival Corporation gehört, hatte im Jahre 2013 über eine "magic pipe" 4227 Gallonen mit Öl- und Kraftstoffresten kontaminierten Wasser ins Meer eingeleitet. Die umgerechnet 16 Tonnen hätten eigentlich im Hafen entsorgt werden müssen und nicht 20 Kilometer vor der Küste verklappt werden dürfen, wie der "Guardian" berichtet.

Als Gründe für das Fehlverhalten haben die Richter den Zwang zum Kostensparen ermittelt. Überhaupt war das illegale Verhalten nur durch einen Hinweis eines Crew-Mitgliedes aufgeflogen, der nicht weiter schweigen wollte. Durch ein spezielles Abflussrohr wurden die sonst üblichen Sensoren, die an den Schiffsauslässen installiert sind, umgangen.

Die Richter stellten außerdem weitere Umweltvergehen nicht nur auf der "Caribbean Princess“ fest, die Mai im Hamburger Hafen zu Gast war, sondern auch durch fünf weitere Princess-Cruises-Schiffe zwischen 2005 und 2013 vor der Ostküste der Vereinigten Staaten.

Die Aidaprima fährt in den Hamburger Hafen ein.

Fall Princess Cruises ist Signal für die ganze Branche

Doch die Richter verurteilen nicht nur den Verstoß gegen internationale Umweltschutzbestimmungen: Die Reederei versuchte "den Vorfall zu vertuschen, und sie haben gelogen“, sagte John Cruden. "Wir senden in diesem Fall eine starke Botschaft an die gesamte Branche", so der Staatsanwalt der Umweltabteilung des US-Justizministeriums.

Caribbean Princess
2013 verklappte das Schiff 16 Tonnen Abwasser vor Großbritanniens Küste: Die "Caribbean Princess" im Hamburger Hafen von oben.
© Markus Scholz/DPA

Ein Teil der Geldstrafe, nämlich 13 Millionen US-Dollar, wird Umweltschutzprojekten in Florida und Großbritannien zugutekommen. Die verklagte Reederei gibt sich kleinlaut: "Es tut uns sehr leid, dass dies passiert ist, und wir haben zusätzliche Schritte unternommen, um sicherzustellen, dass wir alle Umweltanforderungen erfüllen oder übertreffen."

Zusätzlich müssen die Princess Reederei und weitere Tochterunternehmen der Carnival-Gruppe, zur der auch die in Deutschland bekannten Marken Aida Cruises, Costa Crociere und Cunard gehören, über einen Zeitraum von fünf Jahren genaue Rechenschaft über ihre Umweltbilanz vor Gericht ablegen: 78 der insgesamt 101 Kreuzfahrtschiffe der Flotte sind laut "Miami Herald" davon betroffen.


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