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Von der Boombranche zum Sorgenkind: 18 Schiffe betroffen: Princess Cruises setzt für 60 Tage alle Kreuzfahrten aus

Was für ein Signal für die Branche: Eine der größten US-Reedereien stellt für fast zwei Monate alle Kreuzfahrten ein. Auf zwei ihrer Schiffe waren in den vergangenen Wochen hunderte von Passagieren positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Nach der Rückkehr aus Hawaii: die "Grand Princess" in einem abgelegenen Teil des Hafen von Oakland in Kalifornien.  Bei 19 Crewmitgliedern und zwei Passagieren wurde das Coronavirus nachgewiesen.

Nach der Rückkehr aus Hawaii: die "Grand Princess" in einem abgelegenen Teil des Hafen von Oakland in Kalifornien.  Bei 19 Crewmitgliedern und zwei Passagieren wurde das Coronavirus nachgewiesen.

AFP

Princess Cruises greift zu einer drastischen Maßnahme und hat alle Kreuzfahrten für einen Zeitraum von fast zwei Monaten abgesagt. Betroffen sind die Passagiere aller 18 Schiffe, die eine Reise zwischen dem 12. März und 10. Mai gebucht haben.

Die US-Reederei mit Sitz in Santa Clarita im Bundesstaat Kalifornien war einst durch die TV-Serie "Love Boat" bekannt geworden. Die bis zu 3660 Passagiere fassenden Schiffe sind weltweit unterwegs und einer der wichtigsten Anbieter in dem für den US-Markt beliebten Fahrtgebiet Alaska.

Die Premium-Reederei musste jetzt die Notbremse ziehen, nachdem sich Passagiere und Besatzungsmitglieder erst auf der "Diamond Princess" und später auf der "Grand Princess" mit dem Coronavirus infiziert hatten. Im vergangenen Monat lag die "Diamond Princess" zwei Wochen lang im Hafen von Yokohama unter Quarantäne.

Mehr als 700 Menschen an Bord waren positiv auf den Erreger getestet worden, mindestens sechs Menschen starben. Nach Ansicht von Exeperten soll die Quarantäne-Anordnung Japans zu vermeidbar vielen Infektionen mit Covid-19 geführt haben

Ramponiertes Image von Princess Cruises

Die "Grand Princess" lag mit etlichen Coronavirus-Fällen an Bord tagelang vor der Küste Kaliforniens, bis es am Montag in Oakland anlegen konnte. Im Hafen wurden Zäune, Zelte und mobile Toiletten aufgestellt, bevor die Passagiere zur 14-tägigen Quarantäne auf US-Militärstützpunkten in Kalifornien, Texas und Georgia ausgeflogen wurden.

Vorsichtsmaßnahme im Hafen von Oakland wegen der Ausbreitung des Coronavirus: Im Hintergrund liegt die "Grand Princess"  von Princess Cruises.

Vorsichtsmaßnahme im Hafen von Oakland wegen der Ausbreitung des Coronavirus: Im Hintergrund liegt die "Grand Princess"  von Princess Cruises.

Getty Images

Die Zwangspause für den regulären Schiffsbetrieb ist die einzig richtige Reaktion der Reederei auf die Anfragen und die Stornierungen besorgter Kunden. "Mit dieser mutigen Maßnahme, den Betrieb unserer Schiffe freiwillig zu unterbrechen, möchten wir unsere treuen Gäste, Mitarbeiter und Stakeholder von unserem Engagement für die Gesundheit, Sicherheit und das Wohlbefinden all derer überzeugen, die mit uns auf Reisen gehen", sagte Jan Swartz, die Präsidentin von Princess Cruises  in einem Statement.

Börsenkurse im freien Fall

Sorge bereitet den Verantwortlichen demnach auch der Aktienkurs. Princess Cruises ist eine Tochterfirma der Carnival Corporation, dem mit mehr als 100 Schiffen größten Kreuzfahrtunternehmen der Welt. Zur Flotte gehören unter anderem auch die in Europa bekannten Marken Cunard, Aida Cruises, Costa Crociere und die Holland America Line.

Die Carnival-Aktie, die vor einem Monat noch bei 40 Euro stand, brach in den letzten Tagen noch dramatischer als bei Luftfahrtwerten ein: Bei 15 Euro liegt jetzt der Kurs.

In der gesamten Branche wurde in wenigen Woche enormes Kapital vernichtet. Börsennotierte Reedereien wie Norwegian Cruise Line sackten in nur einem Monat von 48 auf 9 Euro ab, Royal Caribbean Cruises von 106 auf 30 Euro pro Aktie.

Aus Perspektive einer Helmkamera sieht man, wie ein Soldat sich abseilt, während an Deck des Kreuzfahrtschiffes jemand wartet

Innerhalb kurzer Zeit wurde aus der Boom-Branche Kreuzfahrt das Sorgenkind der Touristik. Die Vorstellung, in einer Kabine eingesperrt zu sein, das Essen mehrmals täglich vor die Tür gestellt zu bekommen und sich als Uninfizierter höchstens für eine Stunde einmal pro Tag an Deck aufhalten zu dürfen, verschreckt viele Urlauber.

Gerade die in Italien beheimateten Reedereien wie Costa Crociere und MSC Cruises, die überproportional viele Abfahrten in Genua, Venedig und Civitaveccia haben, dürfen diese Häfen im Moment nur noch zum Aussteigen nutzen und verlagern die Einschiffung neuer Gäste auf Häfen in Frankreich und Spanien.

Um weiterhin Neubuchungen zu generieren, sind fast alle Reedereien in Europa zu großzügigen Umbuchungsregelungen übergegangen. Sie erlauben ein hohes Maß an Flexibilität bis wenige Tage vor Abfahrt. So reduziert MSC Cruises, die allein eine dreiseitige DIN-A4-Liste mit abgesagten und umgeleiteten Routen ihrer Schiffe in den nächsten Wochen veröffentlicht hat, für Kreuzfahrt-Neubuchungen bis zum 31. Mai nur eine Anzahlung von 50 Euro pro Person - bei Abfahrten bis zum 30. November 2020.

"Wir bedauern es sehr, dass die aktuellen Umstände uns zwingen, einige Routen zu ändern beziehungsweise ganze Kreuzfahrten abzusagen und damit die Urlaubspläne unserer Gäste, und damit ihre wichtigste Zeit im Jahr, zu durchkreuzen", heißt es entschuldigend bei MSC.

Die "AidaSol" im Hamburger Hafen: Aida Cruises stellt die Fahrten ihrer 14 Schiffe umfassenden Flotte wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus zunächst bis Anfang April ein.

Die "AidaSol" im Hamburger Hafen: Aida Cruises stellt die Fahrten ihrer 14 Schiffe umfassenden Flotte wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus zunächst bis Anfang April ein.

Nachtrag am 13. März um 14.25 Uhr

Inzwischen hat auch Aida Cruises den Schiffsverkehr vorübergehend eingestellt. Innerhalb der kommenden drei bis vier Tage beenden die 14 Schiffe ihre Fahrten in Häfen, von denen die Passagiere nach Hause gebracht werden können. Bis Anfang April werden die Schiffe des Rostocker Unternehmens an Liegeplätzen festmachen und keine neuen Passagiere aufnehmen.

Die Lage hatte sich verschärft, nachdem es zu immer mehr Reisebeschränkungen in Asien, Norwegen, Frankreich, Spanien und in den Golfstaaten gekommen ist, vermeldet die Deutsche Presse-Agentur. Zur Höhe der finanziellen Einbußen wollte der Reederei-Sprecher keine Auskunft geben.

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