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Umstrittenes Urteil: Richter will lesbischem Paar das Pflegekind wegnehmen

Ein Richter im US-Bundesstaat Utah hat einem lesbischen Paar das Sorgerecht für ihr Pflegekind entzogen. Bei heterosexuellen Eltern sei das Kind besser aufgehoben. Für das Paar bricht eine Welt zusammen.

Beckie Pierce und April Hoagland

Dieses Bild zeigt Beckie Pierce (l.) und April Hoagland auf ihrem Facebook-Profil

Nachdem der Oberste Gerichtshof der USA in einer historischen Entscheidung letztes Jahr die Ehe von gleichgeschlechtlichen Paaren legalisierte, ergriffen Beckie Pierce und April Hoagland die Chance und heirateten. Das lesbische Paar wollte sich auch ihren großen Traum von einem gemeinsamen Kind erfüllen, und ein Pflegekind adoptieren. Das Jugendamt des US-Bundesstaates Utah stimmte zu,- Pierce und Hoagland durften ein einjähriges Mädchen in ihrer Familie aufnehmen. Das Paar hat bereits zwei leibliche Kinder aus früheren Beziehungen. Auch die leibliche Mutter des einjährigen Pflegekinds hatte der Vormundschaft durch das lesbische Paar bereits zugestimmt. Alles schien gut.

Wie die US-Zeitung "Washington Post" berichtet, ließ nun die Entscheidung des Richters Scott Johansen den Traum vom Familienglück jäh platzen: Das einjährige Mädchen sollte aus der Familie entfernt - und bei einem heterosexuellen Paar untergebracht werden. Laut "Washington Post", begründete der Richter seine Entscheidung damit, dass das Kind bei heterosexuellen Eltern besser aufgehoben sei. Für das Paar bricht eine Welt zusammen. Gegenüber dem US-Sender "KUTV" sagten Hoagland und Pierce: “Die Entscheidung schmerzt uns sehr, weil wir nichts falsch gemacht haben. Wir sind am Boden zerstört“.

"Wir haben viele Unterstützer"

Im Rahmen des Adoptionsprozesses hatte das Paar alle nötigen Hintergrund-Checks erfolgreich bestanden. Das zuständige Jugendamt stehe nach wie vor zu der Entscheidung, dem Paar das Sorgerecht zu ermöglichen. Doch könne es das Urteil Johansens nicht ignorieren, auch wenn sich dieses als nicht rechtens erweise. "Auf der einen Seite kann ich nicht erwarten, dass sich meine Mitarbeiter einem Gerichtsurteil widersetzen, aber auf der anderen Seite kann ich von den Sachbearbeitern nicht erwarten, das Gesetz zu missachten", so der Leiter des örtlichen Jugendamtes gegenüber der "Washington Post".

Laut dem umstrittenen Gerichtsurteil habe das Jugendamt nun sieben Tage Zeit, dem Kind ein neues Zuhause zu finden. Doch ob es wirklich soweit kommt, ist derzeit noch unklar. Gegenüber der US-Zeitung “Salt Lake Tribune" betonte Beckie Pierce ihre Zuversicht, dass sie ihr Pflegekind möglicherweise doch behalten könne: "Wir haben viele Unterstützer. Das Jugendamt, der zuständige Prozesspfleger und die leibliche Mutter wollen alle, dass wir das Sorgerecht erhalten - nur Richter Johansen steht uns im Weg."

amt