HOME

Hochhausbrand in London : Anwohner warnten schon vor Jahren vor Brandgefahr

Es sind dramatische Bilder: Mitten in London steht ein Hochhaus lichterloh in Flammen. Die Feuerwehr geht von mehreren Toten aus. Mit dem Brand wurden die schlimmsten Befürchtungen eines Anwohner-Kollektivs wahr.

London

Rauch steigt von dem ausgebrannten Hochhaus in London auf

Auf der Suche nach Ursachen für den verheerenden Brand in London hat sich nun ein Anwohner-Kollektiv gemeldet. Die Gruppe weist darauf hin, dass sie bereits seit Jahren vor der Gefahr eines Brandes im Grenfell Tower in London gewarnt hat. Während Umbauarbeiten gebe es nur einen Zugang zu dem Gebäude, heißt es auf einem Blog-Eintrag der Grenfell Action Group. "Die Möglichkeit, dass in der Eingangshalle ein Feuer ausbricht, ist fast unvorstellbar", heißt es in dem Blog-Eintrag. "Die Einwohner würden in dem Gebäude in der Falle sitzen, ohne jede Fluchtmöglichkeit."

In insgesamt acht Einträgen weisen die Anwohner auf mehrere Missstände hin. Im November 2016 wurde der Hausverwaltung vorgeworfen, mit dem "Feuer zu spielen". Schon 2013 soll es mehrfach zu Kurzschlüssen in der Elektrizität des Gebäudes gekommen sein. Außerdem hätten sich offenbar in der Vergangenheit während Sanierungsarbeiten Abfälle gehäuft. Mit Warnungen sei man jedoch immer auf taube Ohren beim kommunalen Eigentümer Royal Borough of Kensington and Chelsea gestoßen. 

Bereits 2013 veröffentlichte die Gruppe einen Post, in dem es heißt, dass zahlreiche Anwohner mit Rauchentwicklung von verschiedenen Elektrogeräten aufgewacht seien. Damals sei man, so der Eintrag, "en masse" zur Verwaltung gegangen und habe um Lösung der Probleme gebeten. Kurzfristig seien Probleme behoben worden. Doch der Grundtenor klingt nach Anklage. In dem Posting fordern die Bewohner vier konkrete Schritte, um die Situation des Gebäudes zu verbessern. Unter anderem warnen sie auch damals schon davor, dass nur eine Treppe ohne Emergency-Licht der einzige Fluchtweg sei. 

London: Große Trümmerstücke stürzen vom Gebäude

 In dem Hochhaus brach in der Nacht zu Mittwoch ein Großbrand aus, nach bisherigen Angaben kamen mehrere Menschen ums Leben, mindestens 30 wurden verletzt. Die Verletzten wurden in fünf verschiedene Krankenhäuser gebracht, wie die Rettungskräfte am Mittwochmorgen mitteilten. 200 Feuerwehrleute kämpften gegen die Flammen in dem 27-stöckigen Grenfell Tower, in dem sich Augenzeugen zufolge möglicherweise immer noch Menschen aufhielten. Augenzeugen berichteten, Menschen seien aus dem Gebäude gesprungen.

Feuerwehrchef Dany Cotton sprach am Morgen von einer unbestimmten "Anzahl Todesopfer". Das Feuer brach in der Nacht zum Mittwoch gegen 01.15 Uhr Ortszeit (02.15 Uhr MESZ) aus. Die Feuerwehr teilte im Kurzbotschaftendienst Twitter mit, das Haus brenne vom zweiten bis zum obersten Stockwerk. Mindestens 20 Rettungsfahrzeuge waren im Einsatz. Aus den Fenstern des Hochhauses loderten riesige Flammen. Ein verzweifelter Bewohner winkte zeitweise mit einem weißen Stofftuch aus einem der oberen Stockwerke.

Große Trümmerstücke stürzten von dem Gebäude, das 1974 errichtet wurde. Die Polizei räumte nahegelegene Gebäude, die von den herabstürzenden Trümmern gefährdet waren. Die angrenzende U-Bahn-Linie wurde bei der Station Latimer Road gesperrt, ebenso wie ein Abschnitt der Autobahn A40, die nördlich an dem Komplex vorbeiführt. Der Schriftsteller und Schauspieler Tim Downie, der in der Nähe des Gebäudes lebt, warnte vor einem bevorstehenden Zusammenbrechen des Grenfell Tower. "Es ist schrecklich, das ganze Gebäude steht in Flammen", sagte Downie. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Gebäude zusammenbricht."

feh/tim/APF