VG-Wort Pixel

US-Bundesstaat Louisiana Bei Verkehrskontrolle getötet – Polizei erzählte Angehörigen von "Autounfall"

Ronald Greene lächelt
Ronald Greene auf einem undatierten Familienfoto
© Uncredited / Picture Alliance
Was geschah bei der nächtlichen Polizeikontrolle, die Ronald Greene nicht überlebte? Unter dubiosen Umständen wurden jetzt Sequenzen eines Bodycam-Videos veröffentlicht.

Es ist der 10. Mai 2019, kurz nach Mitternacht im US-Südstaat Louisiana in einer dunklen, ländlichen Gegend. Ein silberfarbener Toyota liefert sich eine Verfolgungsjagd mit der Polizei. Die Polizisten versuchen, das Auto für eine Kontrolle zu stoppen. Weshalb sie es kontrollieren wollen, ist bis heute unklar.

Diese Nacht endet für den Fahrer des Toyotas, den 49-jährigen Ronald Greene, mit dem Tod. Greene ist schwarz, genau wie George Floyd, der im Mai 2020 in Minneapolis von einem weißen Polizisten getötet wurde. Doch während Floyd mitten am Tag starb und sein Todeskampf gefilmt und das Video weltweit verbreitet wurde, bleibt der Fall Ronald Greene seltsam unklar – obwohl Untersuchungen und Gerichtsverfahren dazu laufen. Vorwürfe von Vertuschung gegen die Polizei in Louisiana stehen im Raum. Denn es ist unklar, warum Greene sterben musste, nachdem es der Polizei gelang, den Wagen zu stoppen.

In dieser Woche – mehr als zwei Jahre nach dem Tod des 49-Jährigen – veröffentlichte die Nachrichtenagentur Associated Press drei kurze Auszüge aus Bodycam-Aufnahmen jener Nacht. Große Newswebseiten in den USA berichten ausführlich über den Fall, die Echtheit der Aufzeichnungen wird nicht bestritten.

Aufnahmen sollen beweisen: Ronald Greene wurde misshandelt

Greene wird offenbar, so ist auf den Aufnahmen zu erkennen, noch im Auto mit einem Taser traktiert, bevor er aussteigt und danach blutig geschlagen. "Ich habe Angst, ich habe Angst", ruft er, bittet um Entschuldigung und appelliert an die Polizisten "Ich bin Euer Bruder". Er war laut den Medienberichten unbewaffnet. Die Polizisten, die ihn kontrollierten, sollen weiß sein.

Die Aufnahmen sind verwackelt und chaotisch. Zu sehen ist, wie er von einem Polizisten auf den Boden gerungen und in den Würgegriff genommen wird. Später hört man einen Polizisten sagen "überall Blut", und dann "Ich hoffe, der Typ hat kein scheiß Aids."

Laut Associated Press lag Greene etwa neun Minuten stöhnend auf dem Boden. In dieser Zeit hätten sich die Polizisten mit Desinfektionsmittel gesäubert und keine medizinische Hilfe geleistet.

Die Polizei gab später an, die Verfolgungsjagd habe mit einem Unfall geendet, und Greene habe sich daraufhin einen Kampf mit den Ordnungshütern geliefert. Der Mann habe dabei das Bewusstsein verloren und sei dann in ein Krankenhaus gefahren worden. Auf dem Weg dorthin sei er gestorben.

Die Videos könnten beweisen, dass durch Polizeigewalt starb – und nicht etwa durch einen "Autounfall", nachdem er in einen Baum gerast war. Auch diese Version des Geschehens gibt es. Sie sei Greenes Familie kurz nach dem Geschehen von der Polizei erzählt worden, berichtet diese. Inzwischen hat Greenes Tochter Klage eingereicht. Die Familie ist überzeugt: Ihr Vater, Sohn und Bruder starb durch Polizeigewalt. Die Bodycam-Aufnahmen könnten ein starker Beleg dafür sein.

Polizei in Louisiana wollte Bodycam-Aufnahmen nicht herausgeben

Wie die Nachrichtenagentur an das Videomaterial kam, das insgesamt 46 Minuten dauern soll, ist unklar. Lee Merritt, der Anwalt von Greenes Familie, sagte der "Washington Post", die an die Öffentlichkeit durchgesickerten Aufnahmen würden dabei helfen, die Polizisten zur Verantwortung zu ziehen, die für Greenes Tod verantwortlich sind. Medienberichten zufolge hatten sich die Behörden bislang geweigert, Bodycam-Videos des Einsatzes öffentlich zu machen. Vor sieben Monaten war zunächst ein Audio-Mitschnitt vom Einsatz veröffentlicht worden.

Ein junger Mann mit Mundschutz trägt ein Plakat mit dem Bild von Ronald Greene
Ronald Greenes Bruder Sean im vergangenen August in Washington bei einem Erinnerungsmarsch für den 49-Jährigen, der im Mai 2019 nach einer Polizeikontrolle starb
© Michael M. Santiago / Getty Images

Wodurch starb Greene genau, und wurde er von der Polizei regelrecht totgeprügelt oder zu Tode gewürgt? Das ist unklar. Laut der Klageschrift der Familie wurde Herzstillstand als Todesursache von der Klinik angegeben. Das Krankenhaus listete auch eine Kopfwunde mit unspezifischer Ursache auf.

Bereits früher veröffentlichte Fotos von Greenes Toyota zeigen eine große Beule an der hinteren Seite es Autos. Dass er starb, weil er gegen einen Baum krachte, ist somit schon seit Längerem widerlegt.

Quellen: CNN, CNN, "Washington Post", Sky News, ABC


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker