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Loveparade: Offenbar Mängel im Sicherheitskonzept

Bei der Loveparade in Duisburg hat es offenbar deutliche Sicherheitslücken gegeben. Wie "Spiegel Online" unter Berufung auf ein internes Dokument der Duisburger Stadtverwaltung berichtet, wurden die Veranstalter von der Einhaltung der vorgeschriebenen Breiten der Fluchtwege befreit.

Nach der Massenpanik mit 19 Toten bei der Loveparade verdichten sich die Hinweise auf Sicherheitslücken bei der Planung der Musikparty. Nach Informationen von "Spiegel Online" war das Festgelände in Duisburg für maximal 250.000 Menschen freigegeben. Die Veranstalter rechneten aber mit deutlich mehr als einer Million Teilnehmern. Die Deutsche Polizeigewerkschaft erklärte, sie habe schon vor einem Jahr gewarnt, dass Duisburg für die Massenveranstaltung zu klein sei.

"Spiegel Online" beruft sich auf ein Schreiben der Duisburger Bauaufsicht an die Organisatoren der Loveparade, die Berliner Lopavent GmbH. Das Schriftstück vom 21. Juli 2010 mit dem Aktenzeichen 62-34-WL-2010-0026 trage den Titel "Genehmigung einer vorübergehenden Nutzungsänderung". Der Sachbearbeiter der Unteren Bauaufsicht im Duisburger Amt für Baurecht und Bauberatung habe darin die Organisatoren von der Vorschrift befreit, die vorgeschriebenen Breiten der Fluchtwege einhalten zu müssen. Gleichzeitig hätten die Beamten auf Feuerwehrpläne verzichtet.

Dafür gaben sie laut "Spiegel Online" den Ausrichtern der Party vor: "Die maximale Personenzahl, die sich gleichzeitig auf dem Veranstaltungsgelände aufhalten darf, wird (...) auf 250.000 Personen begrenzt." Die Veranstalter des Festes hatten wenige Stunden vor dem Unglück indes von etwa 1,4 Millionen erwarteten Teilnehmern gesprochen.

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, sagte der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung:: "Ich habe schon vor einem Jahr gesagt, dass die Stadt zu eng ist für eine derartige Großveranstaltung." Er glaube, dass Duisburg sich übernommen habe, meinte Wendt: "Das war einfach eine Nummer zu groß." Die Zugangswege zu dem Gelände seien "offensichtlich für diese Menschenmassen ungeeignet" gewesen, kritisierte Wendt, der gebürtiger Duisburger ist.

APN/AFP