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Kein Marketing-Gag Trotz 30 Grad: Lübeck eröffnet Mini-Weihnachtsmarkt – Aktion hat ernsten Hintergrund

Testlauf wegen Corona: Lübeck hat schon jetzt einen Weihnachtsmarkt
Handschuhe und Mütze können die Besucher des Mini-Weihnachtsmarkts in Lübeck dieser Tage getrost zu Hause lassen. Und auch die Lust auf Glühwein dürfte sich in Grenzen halten (Archivbild).
© Daniel Bockwoldt / Picture Alliance
Angesichts der aktuellen Temperaturen dürfte kaum jemand an die Weihnachtsmarkt-Saison denken. In Lübeck schon. Dort gibt es seit Dienstag eine Mini-Variante der Winterveranstaltung – aus gleich zwei Gründen.

Ganz Deutschland schwitzt bei Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke – und in Lübeck macht der Weihnachtsmarkt auf. Was sich wie ein schlechter Aprilscherz anhört, ist in der zweitgrößten Stadt Schleswig-Holsteins jedoch tatsächlich der Fall und auch kein Marketing-Gag. Vielmehr hat die Aktion einen ernsten Hintergrund: Die Stadt will den durch die Corona-Krise hart gebeutelten Schaustellern die Chance geben, endlich wieder Geld zu verdienen – und nebenbei auch austesten, wie ein Weihnachtsmarkt trotz der Pandemie aussehen und funktionieren könnte.

Und so stehen seit Dienstag insgesamt fünf Buden, darunter ein Kinderkarussell, auf dem Platz vor dem Rathaus, wie unter anderem der NDR berichtete. Bis zum 18. Oktober soll das so sein, die Stände und Fahrgeschäfte werden in dieser Zeit alle zwei Wochen wechseln.

Stadt Lübeck will Schaustellern unter die Arme greifen

Man wolle den Schaustellern "während der Existenz bedrohenden veranstaltungsfreien Zeit ein wenig unter die Arme greifen", erklärte Lübecks Wirtschaftssenator Sven Schindler die Idee hinter der Aktion. Ein Angebot, das die Betroffenen, teilweise seit dem Weihnachtsgeschäft im letzten Jahr ohne Einnahmen, gern annehmen. "Wir sind dankbar, dass wir dabei sein dürfen und dass wir endlich wieder unserem Job nachgehen dürfen", sagte die Betreiberin einer Bratwurst-Bude dem NDR. "Klar trinkt man jetzt noch keinen Glühwein, aber 'ne Bratwurst geht immer", so die Frau weiter.

Auch Dieter Voss, Vorsitzender des Lübecker Schaustellerverbands, freute sich, "dass wir jetzt zumindest in kleinen Schritten wieder aktiv werden können". 

Konzept für Weihnachtsmarkt trotz Corona

So mancher Besucher des historischen Stadtkerns Lübecks, seit 1987 Teil des Unesco-Weltkulturerbes, dürfte sich beim Anblick des Mini-Weihnachtsmarkts dennoch verwundert die Augen gerieben haben. Sie habe noch gehofft, ihre Tochter würde den Markt nicht sehen, sagte eine Mutter dem NDR. Da war es aber schon zu spät und das Mädchen habe sofort hingewollt. "Es ist schön, dass man wieder was machen kann, dass man wieder raus kann", freute sich dann auch die Mutter über das Angebot.

Der Stadt Lübeck geht es neben der Hilfe für die Schausteller aber auch darum, auszuprobieren, ob und inwiefern der traditionell im November beginnende Weihnachtsmarkt realisierbar ist. Dafür soll in der nächsten Zeit auch anhand der durch die Mini-Variante gewonnen Erkenntnisse ein Konzept erstellt werden. Dennoch stellte Bürgermeister Jan Lindenau gegenüber dem Portal "HL-live.de" klar: "Auch den Standbetreibern muss klar sein, dass sich die Corona-Regeln ändern können", so Lindenau. Dann könnten die Buden auch geschlossen werden. 

Aktuell ist dies zum Glück nicht Fall. Und so können die Bürger und Besucher Lübecks ein Stück Normalität genießen - wenn derzeit auch eher bei einem Eis und kühlen Bier, als mit einer heißen Tasse Glühwein in der Hand.

Quellen:NDR / "HL-live.de" / Pressemitteilung Stadt Lübeck

mod

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