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Kuala Lumpur: Russisches Paar benutzt Baby für Straßen-Performance - und wird festgenommen

Entsetzen rund um den Globus. Während einer Straßen-Performance in Kuala Lumpur wird ein Baby wild hin- und hergeschleudert. Passanten filmen die Szene und veröffentlichen sie via Facebook. Die Polizei reagiert.

(Screenshot)

Die malaysische Polizei hat ein junges russisches Paar wegen des Verdachts der Kindeswohlgefährdung festgenommen. Grund ist eine Vorführung der sogenannten "Begpacker" (in etwa: "bettelnde Rucksacktouristen") in Bukit Bintang, einem Stadtteil von Kuala Lumpur, am vergangenen Sonntagabend. Dabei fasste der laut Polizei 28 Jahre alte Vater sein vier Monate altes Baby an den Beinen und schleuderte es immer wieder umher. Dazu lief Musik und seine 27 Jahre alte Ehefrau wies präsentierend auf die Szene hin.

Die Polizei geht davon aus, dass das Paar mit der Vorführung Geld für die Weiterreise verdienen wollte. Die meisten Passanten reagierten aber eher verblüfft oder entsetzt auf die Szenerie. Einige filmten die Performance und veröffentlichten sie in den sozialen Medien. Vor allem das Video von Facebook-User Zayl Chia Abdulla wurde vielfach geteilt und ging so um die Welt. Facebook ließ den Film trotz entsetzter Reaktionen online, weil es helfen könne, das Wohl des Kindes zu retten, so die Begründung.

"Wie kann man sowas zulassen?"

"Ich kam zufällig dort in Bukit Bintang vorbei", kommentiert Abdulla auf Facebook sein Video, "und sah diese unverantwortliche Aktion, bei der das arme Baby ernsthaft verletzt werden kann." Wie die Behörden eine solche Vorführung in der Öffentlichkeit dulden könnten, fragt der Facebook-User weiter - und fordert: "Diese Straßen-Performer müssen verhaftet werden!"

Eine Bitte, der die Polizei von Kuala Lumpur inzwischen entsprochen hat, wie die örtliche Nachrichtenagentur Bernama berichtet. Zahlreiche weitere Zeugen sollen die Aktion bei der Polizei gemeldet haben. Das russische Paar befinde sich mit seinem Kind inzwischen für weitere Ermittlungen in Polizeigewahrsam, heißt es.

"Swinning Baby Yoga": In Russland offenbar angesagt

Die beiden jungen Russen selbst werden möglicherweise gar nicht wissen wie ihnen geschieht. Denn Kommentatoren des Abdulla-Videos mit russischen Usernamen weisen auf Facebook darauf hin, dass nicht zuletzt in Russland das sogenannte "Swinning Baby Yoga" oder auch "Baby Dynamics Yoga" unter Eltern in der alternativen Szene viele Anhänger hat. Als Begründer der Technik gilt der in Sibirien geborene Dr. Igor Charkovsky. Befürworter der Methode behaupten, dass es den Babys Spaß mache und sie gleichzeitig abhärte, während Mediziner eher Schütteltraumata befürchteten.

Doch selbst wenn die Yoga-Praxis unbedenklich sein sollte, stellt sich vielen Menschen angesichts des Videos aus Kuala Lumpur die Frage, ob man auf diese Weise sein Kind öffentlich zur Schau stellen und dafür benutzen sollte, an Geld zu kommen. In Südostasien ist angesichts des Vorfalls daher sogar eine Diskussion über die "Begpackers" entstanden, wie die in Hongkong erscheinende "South China Morning Post" berichtet. Laut dem Bericht zweifeln nicht wenige Menschen inzwischen an, dass die "Begpackers" wirklich bedürftig sind, und glauben eher, dass sie sich ihre Reisen sozusagen von Spendern bezahlen lassen.

Wie es mit dem russischen Paar weitergeht und wie es ihrem Baby geht, dazu ist noch nichts Weiteres bekannt.

Quellen: "CNN", "Bernama", "South China Morning Post", "Neue Zürcher Zeitung", "Barcroft TV", "Königliche malaysische Polizei", "Facebook"

dho
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