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Mehr als 80 Insassen getötet Großbrand in chilenischem Gefängnis vermutlich gelegt


Während einer Gefängnismeuterei in Chile ist ein Großbrand ausgebrochen, bei dem mehr als 80 Insassen ums Leben kamen. Das Feuer wurde mutmaßlich vorsätzlich gelegt.

Bei einem Brand während einer Gefängnismeuterei in Chile sind laut Feuerwehr mindestens 83 Häftlinge getötet und mindestens 14 schwer verletzt worden. Das Feuer brach gegen 05.30 Uhr (Ortszeit) im Gefängnis San Miguel im Südosten von Santiago de Chile aus und wurde drei Stunden später unter Kontrolle gebracht, wie der Polizeidirektor im nationalen Strafvollzug, Luis Masferrer, sagte.

In San Miguel sind laut Polizeiangaben rund 1.900 Häftlinge untergebracht. Geplant war die Haftanstalt für 700 Gefangene. "Die Bedingungen in diesem Gefängnis sind absolut unmenschlich", sagte Präsident Sebastian Pinera vor Ort. Bereits im Oktober hatte eine Richterin davor gewarnt, dass der Block des Gefängnisses, Turm fünf, in dem das Feuer ausbrach, mit 484 Gefangenen überbelegt war.

randstiftung vermutet

Vorläufige Untersuchungen ergaben, dass der Brand vermutlich vorsätzlich gelegt wurde, wie Ermittler Alejandro Pena sagte. Innenminister Rodrigo Hinzpeter erklärte, das Feuer sei während der Auseinandersetzung unter den Häftlingen ausgebrochen. Innerhalb von nur drei Minuten habe der Brand seine maximale Intensität erreicht.

Nach Angaben von Gefängnisangestellten erfolgte der erste Notruf an die Feuerwehr nach 20 Minuten. Die Einsatzkräfte berichteten, dass sie einen Anruf von einem Mobiltelefon aus dem Gefängnis erhalten hätten. Sie führten nicht aus, ob es ein Häftling oder ein Aufseher gewesen war, der den Notruf abgesetzt hatte.

Die Polizei habe die Tore geschlossen, berichteten einige, was auch die Arbeit der Feuerwehr behindert habe. Einer der Häftlinge konnte offenbar das staatliche Fernsehen anrufen. Er sagte, viele Gefängnisinsassen seien erstickt. Die Journalistin, die den Anruf entgegennahm, berichtete über Schreie im Hintergrund. Die Häftlinge hätten gerufen, man solle das Tor für sie öffnen.

Nach Berichten des Fernsehsenders Canal 13 warfen Angehörige Steine auf Polizisten, die vor dem Gefängnis Stellung bezogen hatten. Manche von ihnen warteten bis zu sechs Stunden, bis eine Liste mit den Namen der Überlebenden vorgelesen wurde. Zunächst gingen viel davon aus, es seien die Namen der Getöteten. Da Besuchstag war, standen viele Angehörige zum Zeitpunkt des Feuers bereits vor dem Gefängnis Schlange.

Gesundheitsminister spricht von ungeheuren Katastrophe

Gesundheitsminister Jaime Manalich eilte zum Gefängnis und sprach von einer ungeheuren Katastrophe, möglicherweise der schlimmsten in der Geschichte des chilenischen Strafvollzugs. Manalich sagte, dass 14 Gefangene schwere Verbrennungen erlitten hätten und ihr Schicksal noch unklar sei. Zwei Feuerwehrmänner und drei Wachleute hätten leichtere Verletzungen erlitten.

Laut Gewerkschaft nur fünf Wärter im Einsatz

Lediglich fünf Wärter hätten Aufsicht über die Gefangenen gehabt, sagte Pedro Hernandez, der die Gewerkschaft der chilenischen Gefängniswärter führt. Präsident Pinera sagte, es hätten sich sechs Wärter in den Türmen befunden, in denen die Häftlinge untergebracht sind. Weitere 26 seien in dem Gefängniskomplex stationiert.

DAPD dapd

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