HOME

Tatmotiv weiter offen: Messerangriff in Den Haag: Polizei nimmt Verdächtigen fest

Nach der Messerattacke in Den Haag mit drei Verletzten hat die Polizei am Samstag einen Tatverdächtigen festgenommen. Der Mann sei 35 Jahre alt und habe keinen festen Wohnsitz, teilten die Ermittler mit.

Polizeisprecherin Marije Kuiper spricht zu Journalisten in der Grote Marktstraat

Niederlande, Den Haag: Polizeisprecherin Marije Kuiper spricht zu Journalisten in der Grote Marktstraat.

DPA

Nach dem Messerangriff mit drei Verletzten in Den Haag hat die niederländische Partei am Samstag einen Verdächtigen festgenommen. In der Innenstadt von Den Haag sei ein 35 Jahre alter Mann ohne festen Wohnsitz gefasst worden, teilte die Polizei im Online-Dienst Twitter mit. Er werde zur Vernehmung in eine Polizeiwache gebracht. Die Hintergründe der Tat waren weiter offen.    

Bei dem Messerangriff waren am Freitag drei Jugendliche durch Messerstiche verletzt worden. Sie wurden in einem Kaufhaus in der Den Haager Einkaufsmeile Grote Marktstraat angegriffen. Es handelte sich nach Polizeiangaben um einen 13-jährigen Jungen und zwei 15 Jahre alte Mädchen, die sich untereinander nicht kannten. Nach einer Notfall-Versorgung im Krankenhaus konnten sie am Freitagabend wieder nach Hause gehen.    

Frage nach Tatmotiv: Polizei in Den Haag ziehe "derzeit alle Möglichkeiten in Betracht"

Der Angreifer ergriff nach der Tat die Flucht, an der Fahndung nach ihm waren auch Polizeihubschrauber beteiligt. Der Messerangriff erfolgte am sogenannten Black Friday und löste Panik unter den vielen Schnäppchenjägern im größten Einkaufsviertel von Den Haag aus. In den Online-Diensten verbreitete Foto- und Video-Aufnahmen zeigten Menschen, die nach dem Angriff panisch durch die weihnachtlich beleuchtete Straße rannten.    

Nur wenige Stunden vor dem Vorfall in Den Haag hatte ein mit einem Messer bewaffneter Angreifer in London zwei Passanten getötet und drei weitere verletzt. Die britische Polizei stufte die Tat als Terrorakt ein, am Samstagabend reklamierte die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) den Messerangriff in London für sich. Bei dem Angreifer in London handelte es sich um den 28-jährigen Usman Khan, der 2012 wegen einer terroristischen Straftat verurteilt und vor einem Jahr unter Auflagen freigekommen war.    

Mit Blick auf das Tatmotiv in Den Haag sagte eine niederländische Polizeisprecherin am Samstag laut der Nachrichtenagentur ANP, die Polizei ziehe "derzeit alle Möglichkeiten in Betracht". Es würden "umfangreiche Ermittlungen" angestellt. Auf die Frage nach einem möglichen terroristischen Motiv sagte sie, es sei "zu früh, über Sachen dieser Art zu spekulieren". Die Ermittler untersuchten vor allem ein am Tatort gefundenes Messer. Eine erste Täterbeschreibung zog die Polizei später wieder zurück.     

Die Grote Marktstraat liegt in der Nähe des niederländischen Parlaments und zahlreicher internationaler Organisationen, die in Den Haag ihren Sitz haben. Die US-Botschaft empfahl US-Bürgern, das Gebiet um das Parlament wegen "Berichten über einen Sicherheitsvorfall" zu meiden.     

In den Niederlanden hat es in den vergangenen Jahren mehrere islamistisch motivierte Anschläge und -versuche gegeben. Am Montag hatte die niederländische Polizei zwei Männer im Alter von 20 und 34 Jahren wegen Terrorverdachts festgenommen, einen von ihnen in Den Haag. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatten die beiden Männer einen Anschlag mit Sprengstoffgürteln und Autobomben am Jahresende geplant. 

Danny Kemp und Sara Magniette / fs / AFP / DPA