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Teaser Gemeinsam gegen Corona

Unauffällig und sicher : Diese Geheim-Codes helfen Frauen in Not

Gewalt gegen Frauen ist nach wie vor Alltag in Deutschland. Aus Angst und Scham zögern viele Betroffene, Hilfe zu suchen. Codewörter sollen diesen Schritt erleichtern.

Von Gewalt betroffene Frauen trauen sich oft nicht, jemandem davon zu erzählen.

Von Gewalt betroffene Frauen trauen sich oft nicht, jemandem davon zu erzählen. Codewörter sollen helfen, unauffällig nach Hilfe zu fragen (Symbolbild).

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Jede dritte Frau in Deutschland ist mindestens einmal in ihrem Leben von physischer oder sexualisierter Gewalt betroffen. Etwa jede vierte Frau wird mindestens einmal Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt durch ihren aktuellen oder früheren Partner. Diese erschreckenden Zahlen gehen aus der aktuellen Kriminalstatistischen Auswertung zur Partnerschaftsgewalt des Bundeskriminalamtes hervor. 

Bei Vergewaltigung, sexueller Nötigung und sexuellen Übergriffen in Partnerschaften sind demnach die Opfer in 98,4 Prozent der Fälle weiblich. Im Zuge der Corona-Ausgangsbeschränkungen befürchten Experten eine Zunahme insbesondere der häuslichen Gewalt, da viele Frauen sich nun gezwungenermaßen länger mit ihren Peinigern zu Hause aufhalten. 

Seit einigen Wochen können nun Betroffene in Apotheken auf ihre Lage aufmerksam machen - selbst, wenn man nicht allein aus dem Haus gehen kann. Wer beim Besuch einer Apotheke bei einer Bestellung das Codewort "Maske 19" verwendet, der soll Hilfe bekommen. Die Apotheken schreiben dann Name und Adresse für eine Lieferung nach Hause auf und informieren die Behörden. 

"Ist Luisa hier?"

In Frankreich und Spanien ist der verschlüsselte Hilferuf bereits etabliert. Doch die Idee eines Codes ist keineswegs neu. 2016 startete etwa der Münsteraner Frauen-Notruf die Kampagne "Luisa ist hier!". Mit der Frage "Ist Luisa hier?" sollen sich Gäste in Bars und Clubs an das Personal der teilnehmenden Lokale wenden können. Die Frage fungiert als Code, um bei Belästigung, Bedrohung oder Angst vor Übergriffen ohne weitere Erklärung Hilfe zu erhalten. Das Personal hilft dann den Betroffenen diskret aus der Situation. Dabei entscheidet die Frau selbst, welche Hilfemöglichkeit sie in Anspruch nehmen will. Das kann ein Taxi sein, ein Anruf bei Freunden oder im Extremfall auch die Polizei.

"Die Kampagne 'Luisa ist hier!' setzt in jeder einzelnen beteiligten Lokalität ein deutliches Zeichen, dass sexualisierte Gewalt und Belästigung weder verharmlost noch toleriert werden", erklärte die Landesarbeitsgemeinschaft der Frauennotrufe in Rheinland-Pfalz in einer Stellungnahme.

"Damit wird auch (potenziellen) Tätern eine deutliche Grenze aufgezeigt. Betroffenen Frauen wird vermittelt, dass sie ein Recht auf Hilfe, Unterstützung und Wehrhaftigkeit haben und dass sie nicht allein sind/ gelassen werden. Die Kampagne schafft ein Bewusstsein dafür, dass die Verantwortung für die Tat allein dem Täter obliegt." Die Idee wurde übrigens aus England nach Münster importiert. Dort wird nach "Angela" gefragt.

#sicherheim ist eine Aktion der UFA, der Agentur „Die Botschaft“ sowie der ­Bertelsmann Content Alliance, zu der neben der UFA auch die Mediengruppe RTL, RTL Radio Deutschland, die ­Verlagsgruppe Random House, die BMG und der Verlag Gruner + Jahr gehören, in dem der stern erscheint. Mehr unter sicherheim.org.

ivi