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Fake statt Untier: Das Rätsel der Monster-Ratte: Wie ein Gasarbeiter die Medien narrte

Die Meldung ging durch die Medien: Ein Gasarbeiter hatte in London eine Ratte von enormer Größe entdeckt. Schier unglaublich! Doch inzwischen steht wohl fest: Der Mann bediente sich eines simplen wie wirkungsvollen Tricks.

Mann hält in London angebliche Riesenratte in die Luft

Einfacher Trick, große Wirkung: Die in London entdeckte Ratte war offenbar nur ein Fake

Mehr als 1,20 Meter lang und rund elf Kilo schwer: Die vermeintlichen Ausmaße einer in London entdeckten Ratte waren beeindruckend. So beeindruckend, dass neben britischen ebenso zahlreiche internationale Medien über den Fund von Tony Smith, seines Zeichens Gasmann in Englands Hauptstadt, berichteten.

"Das ist die größte Ratte, die in meinem ganzen Leben gesehen habe", erzählte der 46-Jährige unter anderem der "Daily Mail" und führte aus: "Ich habe eine Katze und einen Jack Russell. Sie war größer als beide zusammen". Entdeckt haben wollte er die Riesenratte demnach in einem Gebüsch im östlich gelegenen Stadtteil Hackney, wo er für Arbeiten in einem Mietshaus zugegen war.

Schock und Zweifel im Netz


Eigentlich habe man die Ratte in einem Abfalleimer entsorgen wollen, sich dann aber entschieden, sie zu fotografieren, um zu zeigen, dass sie echt sei, so Smith dem Bericht zufolge. Das Foto des Nagers ging daraufhin um die Welt. In den sozialen Netzwerken meldeten sich ob der unglaublichen Größe des Tiers schnell schockierte User zu Wort. Ebenso rasch wurden aber auch Zweifel an der Echtheit von Smiths Entdeckung laut.  Zwei offenbar ebenfalls nicht ganz überzeugte Reporter des "Guardian" nahmen sich der Sache daraufhin an - und enttarnten die Mega-Ratte als eine optische Täuschung.

Ihrer Meinung nach hatte Smith das Tier durch die sogenannte "erzwungene Perspektive", einer in Film Kunst oder Architektur genutzten Technik, auf sehr einfache Weise größer erscheinen lassen, als es eigentlich war. Da der Gasarbeiter weiter von der Kamera entfernt stehe als die Ratte, wirke diese für den Betrachter derart riesig, so die Erklärung. In ihrem Artikel - passenderweise mit der Überschrift "Wie man eine Riesenratte fälscht (und warum Sie Bildern im Internet nicht trauen sollten" betitelt - stellten sie Smiths Trick einfach mit einem Stofftier und einem Kollegen nach. Der Effekt war derselbe.

Wissenschaftler setzt Finder und Ratte ins Verhältnis

Oliver O'Brien, Wissenschaftler an der Londoner Universität UCL, machte sich gar die Mühe und setzte Smith sowie den Nager ins Verhältnis. Auch seinen Berechnungen zufolge ist die Ratte deutlich kleiner als von Smith angeben. Immerhin: O'brien schätzt sie auf rund 60 Zentimeter Körperlänge, was auch noch als stattliches Exemplar durchgehen würde.


Andere Nutzer schlossen sich an und posteten ebenfalls Fotos, auf denen sie scheinbar überdimensionale Dinge oder Tiere - größtenteils mit einem Augenzwinkern - präsentierten.


mod