Nach dem Erdbeben in China "Wie in einem Kriegsgebiet"


Die Zahl der Toten bei dem schweren Erdbeben im Westen Chinas ist auf mehr als 600 gestiegen. Rettungskräfte suchen in den Trümmern fieberhaft nach Überlebenden. Allerdings läuft die Hilfe im abgelegenen Katastrophengebiet weiterhin nur schleppend an.

Einen Tag nach dem schweren Erdbeben im tibetischen Hochland im Westen Chinas ist die Zahl der Toten bis Donnerstag auf 617 gestiegen. Mehr als 300 Menschen würden noch unter den Trümmern vermutet, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Über 9100 Menschen seien verletzt, mehr als 1000 konnten lebend aus den zerstörten Häusern gerettet werden. Kaltes Wetter, starke Winde, häufige Nachbeben und Höhenkrankheit der Helfer erschwerten die Bergungsarbeiten.

Erste Hilfslieferungen mit Nahrung, Trinkwasser und medizinischer Ausrüstung seien in dem entlegenen Erdbebengebiet im tibetischen Hochland eingetroffen, berichtete ein Sprecher der Provinzregierung von Qinghai. Die beschädigte Straße zum Flughafen sei repariert worden. Auch medizinisches Personal sei inzwischen in die betroffene Präfektur Yushu gebracht worden. Doch sei die Versorgung mit Medikamenten und medizinischem Materialien weiter problematisch. Vom nächsten Flughafen in Xining bis in das Katastrophengebiet sind es mehr als 850 Kilometer, auf den schlechten Straßen dauert eine Fahrt etwa zwölf Stunden.

Obdachlose erleben bitterkalte Nacht

Die Zerstörungen, die das Erdbeben der Stärke 6,9 am Mittwoch anrichtete, sind immens: Etwa 15.000 Gebäude sind den Behörden zufolge eingestürzt, mehr als 100.000 Menschen wurden obdachlos. Besonders für sie ist die Lage dramatisch. Viele mussten eine bitterkalte Nacht mit Temperaturen um den Gefrierpunkt unter freiem Himmel verbringen. "Mit Fahrzeugen wurde Trinkwasser und Nahrung nach Yushu gebracht, aber es ist bei weitem nicht genug", sagte der Provinzsprecher.

Neben dem Hauptbeben wurden in weniger als drei Stunden sechs weitere starke Erdstöße registriert, die bis auf einen alle eine Stärke von mindestens 5,0 hatten. Auch in der Nacht gab es mehrere Nachbeben. Besonders schlimm betroffen ist die Stadt Jiegu, wo nach Angaben der Behörden 85 Prozent der Gebäude - die meisten aus Lehm und Holz - eingestürzt sind. Auch mehrere Schulen wurden dort zerstört, mindestens 56 Schüler getötet. Mit Schaufeln und teils mit bloßen Händen gruben die Helfer in den Trümmern nach Opfern.

"Es sieht aus wie in einem Kriegsgebiet", sagte ein Manager eines Hotels in Jiegu, das weitgehend verschont geblieben ist. Die ganze Nacht über hätten Menschen geweint und geschrien. Es fehle an Verbandsmaterial für die zahlreichen Verletzten, viele von ihnen mit Arm- und Beinbrüchen.

joe/APN/DPA/AFP DPA

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